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Mutige Martine

Eine Reportage von Bettina Tiburzy.

Martine Sawadogo ist 14 Jahre alt, als ihr Leben aus den Fugen gerät. Ihr Vater erkrankt schwer. Es ist absehbar, dass er nicht mehr lange leben wird. Noch auf dem Totenbett nimmt er seinem jüngeren Bruder ein Versprechen ab. Martine dürfe weiter zur Schule gehen – und sie beenden.

Doch Martines Onkel hat andere Pläne. Nach dem Tod des Vaters teilt er ihr mit, dass er kein Geld für den Schulbesuch habe. Er wolle sie verheiraten. Und er sei sich auch schon mit einem Mann einig.

Martine sitzt im Schatten eines Baumes, als sie von den Plänen ihres Onkels berichtet. Die heute 19-Jährige trägt kurze Haare und eine blaue Schuluniform. Um sie herum sitzen Mädchen an Webstühlen. Das Radio läuft. Die Mädchen unterhalten sich ausgelassen, machen Späße, lachen laut. Martine lacht nicht.

Martine (r.) und Sr. Françoise
Erleichtert: Martine (r.), die vor der Zwangsheirat geflohen ist, hat bei Sr. Françoise Aufnahme gefunden.© Hartmut Schwarzbach / missio

Der Mann, den sie heiraten sollte, erzählt die junge Frau leise, sei viel älter gewesen als sie selbst. Martine schätzt ihn auf 50 Jahre. Außerdem habe er schon zwei Frauen gehabt. Sie sollte seine Drittfrau werden.

Die Polygamie ist in Burkina Faso weit verbreitet. Männer haben oft zwei oder drei Ehefrauen. Vielfach sind es noch Kinder, die zur Frau genommen werden. Obwohl die Ehe mit Minderjährigen gesetzlich verboten ist, wird jedes zweite Mädchen in dem westafrikanischen Land vor dem 18. Lebensjahr verheiratet. Jedes zehnte vor dem 15. Lebensjahr. Doch immer mehr Mädchen weigern sich, den zwischen Familien getroffenen Ehevereinbarungen zuzustimmen. Auch Martine widersetzt sich.

Das macht ihren Onkel sehr wütend. Martines Mutter versucht noch, ihn umzustimmen – vergeblich. „Wenn du mir nicht gehorchst, musst du gehen“, droht er seiner Nichte. „Du kannst dann nie mehr zur Familie zurückkehren.“ Daraufhin packt Martine ein paar Kleidungsstücke zusammen und flieht zu den Ordensschwestern, die sie vom Messbesuch kennt.

Die Kongregation „Sœur de l‘Immaculée Conception de Ouagadougou“ ist die größte einheimische Schwesterngemeinschaft im Land und an vielen Orten präsent, auch in Bittou, einer Stadt im Süden Burkina Fasos, in deren Nähe Martine lebt. Die Schwestern setzen sich besonders für die Förderung von Mädchen und Frauen ein.

  • Weltweit werden jährlich 15 Millionen Mädchen verheiratet, bevor sie volljährig sind. Burkina Faso gehört zu den zehn Ländern, die von der Frühehe am stärksten betroffen sind. Die Hälfte der Mädchen wird hier vor dem 18. Geburtstag verheiratet. Oft bekommen die Mädchen kurz darauf ihr erstes Kind. Eine Schwangerschaft in so jungem Alter birgt ein großes gesundheitliches Risiko für Mutter und Kind. Auch die Chance, die Schule zu besuchen, endet mit einer Schwangerschaft.

Zuflucht bei Schwestern

Sie nehmen auch Martine in ihrem Haus auf, als die um Hilfe bittet. Von dort aus informiert sie ihre Mutter über die Flucht und hofft, dass der Onkel seinen Plan aufgibt. Doch der denkt nicht daran.

Es dauert nicht lange, bis er die Schwestern aufsucht. Er will Martine mitnehmen und sie verheiraten. Die Ordensfrauen können ihn nicht umstimmen. Doch sie weigern sich, Martine auszuliefern. Da habe ihr Onkel völlig die Fassung verloren, erzählt Martine. „Ihr habt keine eigenen Kinder. Darum nehmt ihr sie anderen weg“, habe er die Schwestern beschimpft. Dann sei er gegangen, schäumend vor Wut.

Wieder zurück im Dorf lässt er seine Wut an Martines Mutter aus. Sie habe Martine angestiftet wegzulaufen, wirft er ihr vor. Dann schlägt er zu.

Martine erzählt das alles mit ruhiger, ernster Stimme. Erst als sie schildert, wie ihre Mutter am nächsten Tag weinend zu ihr kam, rinnen der jungen Frau die Tränen über die Wangen. „Meine Mutter flehte mich an: „Bitte komm mit nach Hause. Sag ihm, dass ich dich nicht zur Flucht aufgefordert habe.“

Schließlich stimmt Martine schweren Herzens zu und begleitet die Mutter ins Dorf. Sie erklärt ihrem Onkel, dass sie allein die Entscheidung traf, wegzulaufen.

Dann will Martine zurück zu den Schwestern. Aber ihr Onkel erlaubt es nicht. „Ab jetzt machst du, was ich dir sage“, befiehlt er. Doch Martine lässt sich nicht einschüchtern.

Bei der ersten Gelegenheit flieht sie erneut zu den Schwestern. Die Ordensfrauen bitten den Gemeindepriester, Martine in einen anderen Konvent ihres Ordens zu bringen. Sie hoffen, dass das Mädchen in der 115 Kilometer entfernt gelegenen Gemeinde Baskouré sicher vor ihrem gewalttätigen Onkel ist.

Seither lebt Martine bei Schwester Françoise Ilboudo in einem Mädchenwohnheim des Ordens zusammen mit 25 anderen Mädchen, von denen 20 vor der Zwangsehe flohen und fünf Waisen sind. Die jüngeren Mädchen gehen in die Grundschule. Die älteren haben die Möglichkeit, eine weiterführende Schule zu besuchen oder ein Handwerk zu erlernen. Dazu gehört neben Web-, Näh- und Stickereiarbeiten auch die Herstellung von Seife. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Produkte tragen die Mädchen zum Unterhalt der Einrichtung bei.

Schwester Françoise bietet den Mädchen nicht nur eine sichere Zuflucht. Sie und ihre Mitschwestern gehen in die Dörfer, leisten Aufklärungsarbeit, diskutieren mit den Bewohnern über den seelischen Schaden, den die Frühehe den oft noch sehr jungen Mädchen zufügt.

Schwester Françoise bringt den jungen Frauen das Weben bei. So erlernen sie ein Handwerk und tragen gleichzeitig zu ihrem Lebensunterhalt bei.
Schwester Françoise bringt den jungen Frauen das Weben bei. So erlernen sie ein Handwerk und tragen gleichzeitig zu ihrem Lebensunterhalt bei.© Hartmut Schwarzbach / missio

Langsamer Wandel

Von den meisten Menschen werden die seit Generationen praktizierten Bräuche und Traditionen nicht hinterfragt. Erst wenn offen darüber gesprochen wird, ändern manche ihre Einstellung.

„Es ist nicht mehr wie früher“, erklärt Schwester Françoise. „Durch unsere Arbeit sehen immer mehr Menschen ein, dass die Zwangsehe keine gute Praxis ist.“

Auch mit den Familien der betroffenen Mädchen in ihrem Schutzzentrum sucht Schwester Françoise das Gespräch. Sie will ihre Schützlinge wieder mit den Familien versöhnen. Manchmal gelingt das. Im Fall von Martine sind bislang alle Versuche einer Aussöhnung gescheitert. „Martines Onkel hält an seiner Entscheidung fest“, berichtet Schwester Françoise. „Er will, dass sie seinen Willen respektiert und sich mit der Ehe, die er arrangiert hat, einverstanden erklärt.“

Doch für Martine kommt das nicht infrage. Sie besucht die weiterführende Schule und hat sich fest vorgenommen, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen, auch wenn ihr das Lernen schwerfällt. „Ich möchte eine gute Arbeit finden“, sagt sie. „Und dann einen Mann heiraten, den ich liebe.“

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