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Ungeliebte Gäste

Die Reportage erzählt vom Schicksal einer Familie irakischer Christen und von ihrem (Über)leben in Damaskus. Der Text (6.050 Zeichen ohne Leerzeichen) von Beatrix Gramlich (missio) und die Fotos von Hartmut Schwarzbach/argus media stehen kostenfrei für Sie als Word- und PDF- bzw. JPG-Dateien zum Download bereit.

Im Frühjahr diesen Jahres kamen die ersten Flüchtlinge aus dem Irak nach Deutschland. 2.500 von ihnen nimmt die Bundesrepublik auf, darunter viele Christen, aber auch Angehörige anderer verfolgter Minderheiten. Ebensoviele suchen tagtäglich Zuflucht in Syrien. Sie fliehen vor Erpressung, Entführung und Mord durch fanatische Islamisten. 1,5 Millionen Flüchtlinge hat das irakische Nachbarland Syrien aufgenommen; die meisten von ihnen leben auch im Exil in Angst vor den Verfolgern und in bitterer Armut. Die Welt schaut weg, die Schwestern vom Guten Hirten in Damaskus handeln - mit Unterstützung von missio.

Vor den Toren Europas sind 4,5 Millionen Iraker auf der Flucht – vor Krieg, Terror und dem Christenhass fanatischer Muslime. Die Welt schaut weg. Die Schwestern vom Guten Hirten in Syrien handeln.

In der Fremde: Allein in Damaskus leben fast eine Million irakischer Flüchtlinge. Viele erhalten noch hier Drohanrufe von fanatischen Muslimen. © Foto: Schwarzbach / argus

Eine Reportage von Beatrix Gramlich (missio); Fotos von Hartmut Schwarzbach.

Von Bagdad nach Damaskus sind es neun Stunden Autofahrt. Die meisten Flüchtlinge haben sie in einer Nacht- und Nebelaktion zurückgelegt. Es musste schnell gehen. So schnell wie möglich fort aus dem Land, das radikale Muslime mit Gewalt in einen islamischen Gottesstaat verwandeln wollen. Fort aus dem Land, in dem Christen seit biblischen Zeiten zu Hause und nun plötzlich zur verhassten Minderheit geworden sind. Nur weg! Irgendwo hin, wo sie die Angst nicht mehr quält, dass selbst ernannte Gotteskrieger ihre Kinder entführen könnten. Dass die Verfasser des Drohbriefs, den sie unter ihrer Haustür gefunden haben, ernst machen und sie alle umbringen, wenn sie das Land nicht innerhalb von 24 Stunden verlassen.

Ermordet, weil er Christ war

Es war der 28. März 2007. Der Vater von Paul Faraj* wollte nur seinen Pass verlängern. Von dem Behördengang kam er nie zurück. Was passiert war, begriff Paul schlagartig, als ein anonymer Anrufer am Telefon 40.000 Euro Lösegeld forderte. Mit Hilfe ausländischer Verwandter hatte er in zwei Tagen 25.000 Dollar beisammen und deponierte das Geld an der Stelle, die ihm die Entführer genannt hatten. Am nächsten Morgen kam der Anruf: Pauls Vater war tot. Die Polizei hatte seine Leiche auf der Straße gefunden. Seine Mörder hatten kassiert und ihn umgebracht – weil er Christ war.

Der Terror ging weiter. Ein paar Monate später meldete sich wieder eine Stimme am Telefon: „Deinen Vater haben wir schon umgebracht. Warum haust du nicht endlich ab?“ Diesmal zögerte Paul nicht. Der 43-jährige packte Papiere und Geld zusammen, mietete einen Wagen und floh mit seiner Frau und den Kindern über die Grenze nach Syrien. Im Kofferraum ein paar Taschen mit Kleidung, ein Kuscheltier für die Kleinen und das bisschen, was sonst noch Platz hatte aus ihrem alten Leben. Ihr Haus, ihre Arbeit, die Hoffnung, jemals wieder in die Heimat zurückzukehren und die Verwandten dort wieder zu sehen: all das haben sie aufgegeben. Ausweise und Ersparnisse waren ihre Eintrittskarte für einen Neuanfang im Nachbarland.

Aufnahme, aber keine Arbeitserlaubnis

Syrien gebärdet sich großzügig. Der Polizeistaat unter der diktatorischen Herrschaft von Baschar al-Assad nimmt irakische Flüchtlinge ohne große bürokratische Hürden auf. Wer schulpflichtige Kinder hat, bekommt eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, alle anderen müssen sie im Drei-Monats-Turnus erneuern. 1,5 Millionen Iraker haben sich über die Grenze nach Syrien gerettet, täglich kommen 2500 neue hinzu. Hier sind sie „wafidin“ – Gäste, von denen man erwartet, dass sie möglichst bald wieder gehen. Eine Zukunft haben die Iraker hier nicht. Sie erhalten keine Arbeitserlaubnis, werden aber für drastisch gestiegene Mieten und Lebenshaltungskosten verantwortlich gemacht. Weil viele Flüchtlinge sich illegal Jobs suchen, gibt ihnen die syrische Bevölkerung die Schuld an sinkenden Löhnen.

Eine Gemeinde wird Flüchtlingszentrum

Angesichts des Ansturms irakischer Christen zögerte Schwester Thérèse Moussalem nicht lange, sondern öffnete ihr kleines Katechesezentrum in Massken Barzé, einem Stadtteil von Damaskus, für die Flüchtlinge. Mit Hilfe des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio organisieren die Schwestern vom Guten Hirten psychologische Betreuung, Lebensmittel und Freizeitaktivitäten. Schwester Thérèse selbst ist rund um die Uhr für die Iraker da. Auch andere, wie das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, organisieren Hilfe, etwa in Form von Ausbildungskursen für Jugendliche. Die Kirche arbeitet jedoch ohne bürokratischen Aufwand und versucht, die verzweifelten Menschen auch seelisch aufzufangen.

Ein Stück Himmel für die Kinder

Wenn es warm wird in Syrien, und ihr knappes Budget es zulässt, lädt Schwester Thérèse die Flüchtlingskinder zu Ausflügen ein. In der Obhut der Schwestern vom Guten Hirten blühen die blassen, sonst so stillen Kinder auf, sobald sie aus der Stadt und ihren engen Wohnungen herauskommen. Mit Unterstützung von missio haben die Schwestern vor den Toren von Damaskus ein Haus mit Garten gekauft, um die Flüchtlinge wenigstens ab und zu aus der Hoffnungslosigkeit zu reißen und ihnen ein Stück Himmel zu zeigen.

„Ich leide mit ihnen“, sagt Schwester Thérèse. Ihre Familie hat selber erlebt, was es bedeutet, wegen ihres Glaubens verfolgt zu werden. Bei einem Massaker wurden 1982 in ihrer libanesischen Heimat Tausende von Christen ermordet, unter ihnen nahe Verwandte der Ordensfrau. Wenn die Libanesin heute in das Katechesezentrum kommt, warten viele irakische Flüchtlinge schon auf sie. Bis zum Abend spricht Schwester Thérèse manchmal mit 60 Hilfesuchenden. „Oft kann ich ihnen nichts geben, weil ich selber mit leeren Händen dastehe.“

Viele, die wie Paul Faraj* das brutale Morden fanatischer Muslime erlebt haben, wollen nicht mehr zurück in den Irak. Sie hoffen vielmehr, irgendwann in die USA oder nach Europa ausreisen zu können. In seiner Heimat Mossul, erzählt Paul, habe sich die Situation seit ihrer Flucht noch verschlimmert. Sobald er seinen Sohn Emmanuel* anschaut, tauchen die schrecklichen Erinnerungen wieder auf. Der Zehnjährige wirkt auf den ersten Blick wie ein krebskrankes Kind. Er hat alle Haare verloren – eine Schockreaktion auf den gewaltsamen Tod seines Großvaters. Doch an Schwester Thérèses Ausflügen nimmt Emmanuel begeistert teil; seit ein paar Wochen traut er sich auch zum Kommunionunterricht. „Wir haben einen starken Glauben“, sagt sein Vater. „Er gibt uns Kraft durchzuhalten.“

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* Namen wurden von der Redaktion geändert, da die Familie noch immer Drohanrufe von Islamisten erhält.

Die Vereinten Nationen sprechen von der größten Flüchtlingskatastrophe seit Vertreibung der Palästinenser 1948. 4,5 Millionen Iraker sind seit dem Sturz Saddam Husseins geflohen, die Hälfte von ihnen über die Landesgrenzen. Syrien hat mit rund 1,5 Millionen die größte Zahl irakischer Flüchtlinge aufgenommen, davon etwa 60 .000 Christen. Sie gehören überwiegend der orientalisch-christlichen Glaubensgemeinschaften der Chaldäer, der syrisch-orthodoxen Kirche und den assyrischen Christen an. Sie sprechen aramäisch, die Sprache Jesu und verstehen sich als Urchristen.

Während der Diktatur Saddam Husseins gehörte die gut ausgebildete christliche Minderheit zur Elite des Landes und konnte sich weitgehend sicher fühlen.

Ein Jahr nach dem Einmarsch der Amerikaner 2003 begann der Terror gegen nicht-muslimische Minderheiten. Christen wurden zur Zielscheibe des Hasses gegen die westliche Kultur und zum Fremdkörper in einer muslimischen Gesellschaft. Die neue irakische Verfassung, die am 25. Oktober 2005 in Kraft trat, bestätigt den Islam als „offizielle Religion des Staates“. Von einst 1,2 Millionen Christen lebt heute noch knapp die Hälfte im Land.

Im November haben die EU-Innenminister die Empfehlung ausgesprochen, 10.000 irakische Flüchtlinge aufzunehmen. 2.500 davon kommen nach Deutschland; ebenso viele suchen jeden Tag in Syrien Asyl.

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Tatkräftig: Fünf Mal pro Woche geben die Schwestern vom Guten Hirten in Damaskus Lebensmittel aus. Sie helfen traumatisierten Flüchtlingen und machen den Menschen Mut. [Foto: Schwarzbach/argus] (JPG, 0.36 MB)
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Warmherzig: Schwester Thérèse bringt Emmanuel zum Lachen. Als sein Opa ermordet wurde, verlor der Junge alle Haare. [Foto: Schwarzbach/argus] (JPG, 0.39 MB)
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Glücklich: Beim Ausflug mit den Schwestern zum Guten Hirten vergessen die Flüchtlingskinder die schrecklichen Erlebnisse in ihrer Heimat. [Foto: Schwarzbach/argus] (JPG, 0.94 MB)
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