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„Papst Franziskus lebt und predigt uns missionarische Leidenschaft“

Interview mit Pfarrer Pedro Brassesco vom argentinischen Schwesterwerk des Internationalen Katholischen Missionswerks missio in Aachen

Pfarrer Pedro Brassesco ist Nationalsekretär der Pontificia Unión Misional (PUM, zu Deutsch: Päpstliche Missionsunion) der Päpstlichen Missionswerke Argentiniens. Zu diesen Päpstlichen Missionswerken in rund 150 Ländern der Erde zählt auch das Internationale Katholische Missionswerk missio in Aachen. Susanne Kruza hat sich mit Pedro Brassesco vom argentinischen Schwesterwerk über den neuen Papst Franziskus unterhalten, den vormaligen Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Kardinal Bergoglio. Und gelernt: Der neue Papst ist ein missionarischer Mensch.

Pfarrer Pedro Brassesco, missio Argentinien
© privat / missio

Welche Beziehung haben die päpstlichen Missionswerke in Argentinien zum neuen Papst Franziskus, der vor seiner Wahl am 13. März Erzbischof von Buenos Aires gewesen war? Und wie hat der heutige Papst ihre Arbeit unterstützt?

Pedro Brassesco: Die Beziehungen zwischen den Päpstlichen Missionswerken in Argentinien und Kardinal Jorge Mario Bergoglio waren immer sehr gut. Soweit es ihm möglich war, nahm er immer unsere Einladungen an. Er hielt beispielsweise regelmäßig den Eröffnungs- und Schlussgottesdienst bei den Internationalen Kursen für Missionswissenschaften des nach Papst Johannes Paul II. benannten Missionszentrums Cono Sur für Priester, Ordensleute, Seminaristen, Laien und Studierende aus Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay. Auch am jüngsten nationalen Missionskongress hatte er als damaliger Erzbischof von Buenos Aires teilgenommen. Kardinal Bergoglio hat verschiedene Projekte und Anträge von uns an kirchliche Organisationen empfohlen und befürwortet. Wir haben ihn als einen Erzbischof empfunden, der für unsere Anliegen immer ein offenes Ohr hatte.

„Er wollte eine Form der Mission und Neu-Evangelisierung, die die Kirche zu den Menschen auf der Straße bringt.“

Welche Bedeutung hat denn der Begriff der Mission für Papst Franziskus?

Pedro Brassesco: Der neue Papst hat immer von einer Kirche mit offenen Türen gesprochen, aus denen die Gläubigen heraustreten müssen, um den Menschen außerhalb der Kirche zu begegnen. Der Stadtpastoral in Buenos Aires hat er einen großen Impuls gegeben. Er wollte eine Form der Mission und Neu-Evangelisierung, die die Kirche zu den Menschen auf der Straße bringt. Auf einem Kongress zu diesem Thema sagte er etwa, es sei wichtig, dass eine missionarische Leidenschaft in uns brenne, um in das Herz der Kultur unserer Zeit - und die Kultur lebt und entwickelt sich aus meiner Sicht besonders in den Städten - jenen einzigartigen Sinn zu bringen, den weder Wissenschaft noch Politik, weder Wirtschaft noch die Medien ihr geben könnten. In Christus, menschgewordenes Wort und Weisheit Gottes, so sagte er damals, könne die Kultur und jede Stadt ihr innerstes Zentrum und ihre Tiefe finden. Im Einklang mit dem Schlussdokument der Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe von Apericida 2007 hat er eine Einstellung der „Jünger und Missionare“ vertreten, so formulierte es der neue Papst, die es allen ermögliche, den Glauben und die Nachfolge Christi zu vertiefen, ohne diesen zu verkürzen, weil, so sagte er, wir das Evangelium bekommen hätten, um es ganz zu verkünden. Ich erinnere mich auch noch, wie er in einer Homilie beim nationalen Missionskongress warnte: Wenn dem Christen die Zunge träge oder bitter werde, höre er auf Christ zu sein, denn ein Christ könne nicht schweigen über das, was er gehört oder gesehen habe. Die Begegnung mit Jesus schließe immer auch Ablehnung und Verfolgung mit ein. Papst Franziskus schärfte uns weiter ein, dass, wenn uns die Botschaft Christi nicht mehr aufrüttelte, wir irgendetwas verkündigten, aber nicht das Evangelium. Deshalb bedeutet Mission für Papst Franziskus die Verkündigung des Evangeliums für alle, überall, mit Blick auf alle Lebensrealitäten, mit Mut und Tapferkeit, als Salz und Licht. Jüngst ermutigte er bei uns junge Menschen, die neu in die Missionsgruppen kamen, mit den Worten, ich zitiere wörtlich: „Habt keine Angst zu träumen, große Ideale zu haben, Zeugen des gestorbenen und durch Liebe wieder auferstandenen Jesus und Bauleute der Hoffnung zu sein. Habt die Gewissheit, dass Jesus nicht enttäuschen wird, sondern er sagt: Hier bin ich, ich bin das Leben in Fülle.“

„Für Papst Franziskus spielt auch Franz Xaver eine große Rolle.“

Welche Rolle spielt eigentlich Franz Xaver, der große Jesuitenmissionar, und der Patron seiner Heimatpfarrei in Argentinien für den neuen Papst Franziskus?

Pedro Brassesco: Ich glaube, eine große Bedeutung. Wir sehen den missionarischen Eifer Franz Xavers in den Gesten und Handlungen des neuen Papstes wiedergespiegelt, der der Kirche einen neuen Impuls geben will, damit sie in Berührung mit denjenigen kommt, die Christus nicht kennen oder sich von ihm entfernt haben. Papst Franziskus kommt aus Lateinamerika, wo in den vergangenen Jahren die Mission mit in den Mittelpunkt gerückt ist, um die pastoralen Strukturen für die Verkündigung des Evangeliums zu erneuern. Dies hat Papst Franziskus weniger in der Theorie als in der Praxis getan. Er hat hervorgehoben, dass man das Evangelium verkündet, indem man es selbst vorlebt anstatt nur mit Worten zu erklären.

Wie haben Sie die Wahl von Papst Franziskus persönlich erlebt?

Pedro Brassesco: Es war ein Moment der großen Freude, aber auch der großen Überraschung. Die Freude der Menschen war so groß, dass sie nicht wussten, wie sie sie ausdrücken sollten. Sie riefen spontan bei den Pfarreien an, um einem Priester zu gratulieren und viele gingen an diesem Tag zur Messe, um Gott für den neuen Papst Franziskus zu danken.

„Er ist ein Priester, der sein Volk führt, mit ihm geht und seine Begleitung und Nähe spüren lässt.“

Kennen Sie den Papst persönlich? Welche Eindrücke haben Sie von ihm?

Pedro Brassesco: Ich kenne den neuen Papst von Veranstaltungen und Gottesdiensten in Buenos Aires. Er ist ein Priester, der sein Volk führt, mit ihm geht und seine Begleitung und Nähe spüren lässt. Seine Anwesenheit empfand ich als sehr diskret. Wenn man nicht gewusst hätte, dass es sich um den Kardinal handelte, konnte man ihn mit einem bloßen Priester verwechseln. Vor einigen Monaten traf ich den Papst bei einer Veranstaltung einer bedeutenden katholischen Zeitung, der zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Journalismus beiwohnten. Kardinal Bergoglio stand zwar immer in der Öffentlichkeit, aber er drängte sich niemals in den Vordergrund, sondern mischte sich auch hier sofort unter die Besucher. Der neue Papst hat seinen eigenen Stil. Er arbeitet mit Gesten und Symbolen. Seine Predigten und Reden sind aufrichtig, klar und konkret.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

„Wir erhalten das Geschenk eines neuen Papstes“

Der Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Argentinien, Pfarrer Dante De Sanzzi – das argentinische Pendant zu missio-Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer -, hat zur Wahl von Papst Franziskus am 13. März 2013 auf der Internetseite www.ompargentina.org.ar folgendes geschrieben (in deutscher Übersetzung von Susanne Kruza):

„Mit Freude im Herrn Jesus sehen wir erneut, dass die Pforten der Hölle nicht über die Kirche triumphieren können.

An diesem historischen Tag, erfüllt vom Heiligen Geist Gottes, in der unendlichen Güte des Vaters, erhalten wir das Geschenk eines neuen Papstes. Kardinal Jorge Mario Bergoglio, der Erzbischof von Buenos Aires und Primas von Argentinien war, kommt auf den Stuhl Petri, um zu tun, was er vor den Augen Gottes schon immer getan hat: seinen Brüdern zu dienen.

Mit Weisheit und Klugheit, Eigenschaften, die den neuen Papst auszeichnen, leitet er nun die Geschicke von Millionen von Katholiken, die gespannt das Wort des Hirten, Erleichterung in ihren Schwierigkeiten und einen Mann des Gebets erwarten.

Sicherlich wird unser geliebter Kardinal die Mission unseres Erretters fortführen: Segen zu spenden, Mut zu schenken und das Evangelium zu verkünden – jedem Gläubigen, der sich auf dem Weg befindet.

Es ist ein Grund zur Freude, sehen und spüren zu können, dass der Heilige Geist weiterhin die Kirche stärkt. Es ist eine Freude für die Welt, eine Freude für unseren lateinamerikanischen Kontinent, eine Freude für jeden Menschen auf dieser Erde, der noch nicht die Liebe Gottes erfahren hat.

Wir vertrauen grenzenlos auf die Gnade des Vaters für diese mühsame und schwierige Aufgabe, aber voller Freude und Hoffnung, die unser geliebter Papst Franziskus tragen wird.

Die Päpstlichen Missionswerke in Argentinien erbitten Gottes Segen. Möge die Mission unseres Heiligen Vaters dazu dienen, die Mission des Erretters widerzuspiegeln.“

© 2009-2017 missio Aachen