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Papst Benedikt XVI.: Sorge um die Christen im Nahen Osten

Verbundenheit mit dem Patriarchen von Konstantinopel – Höhepunkt 2010 war die Nahost-Synode – Reisen in die Türkei, Libanon, Jordanien, Palästina und Israel

Von Professor Harald Suermann

Papst Benedikt XVI. widmete einen beträchtlichen Teil seines achtjährigen Pontifikates der Sorge um die Christen und Kirchen im Nahen Osten. Das eindrücklichste Beispiel dafür ist die Sonderversammlung der Bischofssynode für den Nahen Osten, die vom 10. bis 24. Oktober 2010 in Rom stattfand. Die gegenwärtige Lage der Kirche in dieser ur-christlichen Landschaft, geprägt von Diskriminierung, Bedrängnis, Auswanderungsdruck und Attentaten, beschäftigte den Papst zutiefst. Zu dieser Versammlung waren deshalb nicht allein alle katholischen Bischöfe und Vertreter der katholischen Orden der sieben katholischen Riten aus dieser Region eingeladen, sondern auch die Vertreter aller Schwesterkirchen im Orient - daneben noch Vertreter des sunnitischen und schiitischen Islam sowie des Judentums.

Interesse an den Kirchen im Orient

Sein hervorgehobenes Interesse an den Kirchen im Orient drückte Benedikt XVI. dadurch aus, dass er nicht nur beinahe jeden Tag die Eröffnung der Synodenversammlung leitete, sondern auch abends bei den bis zu zwei Stunden dauernden freien Diskussionen intensiv zuhörte. Die Synode diskutierte die schwierige Lage der Kirche in den Ländern des Mittleren Ostens und stellte ihre Sorgen und Hoffnungen dem Heiligen Vater vor, damit dieser ihr in einer Exhortation (zu deutsch etwa: „Aufforderung zum rechten Tun“) Wege in die Zukunft zeigen sollte. Niemand ahnte wohl zu diesem Zeitpunkt, wie prophetisch diese Synode in einigen Fragen war. Beispielsweise debattierten die Synodenteilnehmer die Bedeutung einer zivilen Gesellschaft in ihren Heimatländern, in dem alle Bürger gleichberechtigt sind und niemand in irgendeiner Weise ausgeschlossen ist - und schon wenige Wochen später begann der Aufstand in Nordafrika und dem Mittleren Osten, in dem genau dies gefordert wurde.

Papstreise in den Libanon

Die Ergebnisse der Nahostsynode wurden schließlich in einer Apostolischen Exhortation zusammengefasst, die Papst Benedikt XVI. im Libanon unterschreiben wollte. Er reiste dafür 2012 in den Libanon, obwohl es gerade in den Ländern des „Arabischen Frühlings“ zu Unruhen und Unsicherheiten gekommen war und im Nachbarland Syrien ein Bürgerkrieg begann, der auch in den Libanon überzuschwappen drohte – ein Land, das selbst sehr labil zu sein schien. Dennoch diese Reise angetreten zu haben, zeugt von der großen Liebe Papst Benedikt XVI. zu Christen und Kirchen der Region und seiner Befürchtung, dass sie endgültig zu einer geschichtlichen Reminiszenz werden können. Wenn auch die Empfehlungen der Exhortation in dieser Situation sehr vorsichtig formuliert worden waren, so gab sein Besuch doch den Christen und allen Menschen guten Willens in der Region neuen Mut und Hoffnung.

In Predigten und Gebeten hat Papst Benedikt sich immer wieder für den Frieden und das Ende der Gewalt im Nahen Osten eingesetzt. Er wusste, dass ohne Friede die Kirchen und Christen in der Region nur geringe Überlebenschancen haben. Eine letztes großes Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Kirchen im Orient setzte Papst Benedikt XVI. schließlich am 10. Oktober 2012: Eine arabische Kurzfassung der Katechese in der Generalaudienz wurde eingeführt.

Verbundenheit mit dem Nahen Osten

Zwei weitere Reisen neben der Libanonreise 2012 bezeugen seine Verbundenheit mit den Kirchen und Christen im Mittleren und Nahen Osten. Die erste führte 2006 in die Türkei und zum dortigen Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I., der den Papst ein Jahr zuvor zu dessen Amtseinführung besucht und dabei von Benedikt XVI. einen Gegenbesuch versprochen bekommen hatte. An dieser Geste zeigen sich die tiefe Verbundenheit und Sehnsucht nach der Einheit der beiden Kirchen in Rom und Konstantinopel (Istanbul). Die Türkei jedoch drängte darauf, dass die ursprünglich als Besuch beim Patriarchen gedachte Reise zu einem Staatsbesuch wurde. So konnte sich der Papst nicht allein über die sich verschlechternde Lage der verschwindend kleinen christlichen Gemeinde informieren, sondern auch nach seiner Regensburger Rede die Versöhnung mit den Muslimen vorantreiben. Zwei Jahre später eröffneten Papst und Patriarch Bartholomäus I. gemeinsam das Paulusjahr, ein weiteres Zeichen der Verbundenheit.

Papst Benedikt XVI. besuchte dann auch 2009 das Heilige Land und machte Station in Jordanien, Palästina und Israel. Von zentraler Bedeutung war auch hier die Begegnung mit dem griechisch-orthodoxen und dem armenischen-apostolischen Patriarchen von Jerusalem. Gleichzeitig würdigte Papst Benedikt XVI. die Vielfalt der katholischen Kirche an diesem Ort und traf sich mehrmals mit den Vertretern der verschiedenen katholischen Riten. Der Ertrag dieses Einsatzes für die Ökumene wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Prof. Dr. Harald Suermann ist Direktor des Missionswissenschaftlichen Institutes des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio in Aachen. Dieses Werk ist Teil der Päpstlichen Missionswerke weltweit und unterstützt mit einer Projektsumme von rund 52 Millionen Euro die Arbeit der Kirche in Afrika, Asien und Ozeanien in Seelsorge, Ausbildung, Sozialarbeit, interreligiösem Dialog und Menschenrechtsarbeit. Professor Suermann bietet zudem als apl. Professor an der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn Lehrveranstaltungen im Fach „Wissenschaft vom Christlichen Orient“ an.

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