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Vereinigung der Lehrer pakistanischer Minderheiten (PMTA) fordert neue Lehrpläne an Schulen

Schreibunterricht mit Kreide und Minischiefertafel – Alltag in der Dorfschule Khipro in Sindh, Südpakistan © Hartmut Schwarzbach / missio

Die Vereinigung der Lehrer pakistanischer Minderheiten (PMTA) setzt sich für eine Kultur der Eintracht, der Toleranz und des sozialen Friedens in der pakistanischen Gesellschaft ein, wie der missio-Blog "Bedrängte Christen" dokumentiert.

14. Februar 2014

In den Schulbüchern und im Bildungssystem gibt es aus religiösen Gründen einseitige und verzerrende Darstellungen gegen die Minderheitenreligionen in Pakistan. Seit den letzten zehn Jahren kämpft die Vereinigung der Lehrer pakistanischer Minderheiten (PMTA) darum, alle Vorurteile abzuschaffen und Pakistan zu einem gemäßigten Staat zu machen. Die PMTA gründetet sich, um aus Pakistan einen Staat mit Vorbildfunktion zu machen, in dem Menschen religiöser Minderheiten eines Tages als Teil der pakistanischen Nation leben werden, in dem sie nicht von ihren Glaubensvorstellungen, sondern vom Grundsatz der Gleichheit her beurteilt werden. Professor Anjum James Paul ist Vorsitzender der Vereinigung der Lehrer pakistanischer Minderheiten (PMTA) und Leiter des Bereichs Politikwissenschaft an einem öffentlichen College. Er setzt sich für eine Kultur der Eintracht, der Toleranz und des sozialen Friedens in der pakistanischen Gesellschaft ein.

Positive Veränderungen im pakistanischen Lehrplan

Gewisse positive Veränderungen im pakistanischen Lehrplan, in den Schulbüchern sowie im Bildungssystem sieht Professor Paul bereits. In dem aktuellen Lehrplan und in die Schulbücher wurden Themen zu den Menschenrechten, zu Frieden, Toleranz, friedlicher Koexistenz, Geduld und Einsatz für die Menschheit aufgenommen. Auch bestimmte Formulierungen in den Schulbüchern seien neu. So zum Beispiel:

  • ”Im Hintergrund der Forderung nach einem Staat Pakistan stand auch der Gedanke, den Minderheiten Schutz zu bieten. Quaid-e-Azam erklärte ganz deutlich, dass die Rechte der Minderheiten in Pakistan umfassend geschützt werden. Der Islam erlaubt nicht, dass das Leben, das Eigentum, die Würde sowie die religiösen Traditionen der Minderheiten in Pakistan schutzlos bleiben.”
  • “In Pakistan existiert zugleich mit einer religiösen Homogenität eine religiöse Toleranz, denn mit der muslimischen Mehrheit haben sich auch die Minderheiten in Pakistan angesiedelt. Christen, Hindus, Sikhs und Parsen leben ihr Leben ebenfalls nach ihren eigenen Glaubensüberzeugungen. Die pakistanische Verfassung bietet den Minderheiten umfassenden Schutz. Sie haben in vollem Umfang Anteil an den nationalen Angelegenheiten. Im Geschäftsleben und am Arbeitsplatz wird ihnen Chancengleichheit geboten."
  • “Außerdem genießen auch Nicht-Muslime völlige Freiheit, ihre Festtage feierlich zu begehen.”

Allerdings ist das nur eine kleine Veränderung, doch Minderheiten fordern unentwegt das Schulfach „Religion“ für ihre Kinder als ihr im Artikel 22 (1) der pakistanischen Verfassung garantiertes Grund- und Verfassungsrecht. Doch leider wird dieser Artikel nur auf volljährige Schüler angewendet.

Ethik-/ Moralerziehung für nicht-muslimische Kinder

Ethik-/ Moralerziehung soll für nicht-muslimische Kinder anstelle von Islamkunde nach Regelung der nationalen Bildungspolitik von 2009 im Unterricht eingesetzt werden. Dabei müsse der Fokus hier laut Professor Paul auf menschlichen Werten, auf Ethik, Interreligiosität und sozialem Frieden liegen, da Schüler verschiedener Religionen an diesem Unterricht teilnehmen.Arabisch ist jetzt Wahlfach. Islamkunde ist jetzt nur noch für die muslimischen Schüler verpflichtend.

Fünf-Prozent-Quote für Minderheiten

Die neu geschaffene fünf-Prozent-Quote für Minderheiten bei der Vergabe der Stellen auf Bundes- und Provinzebene hilft bei einer verstärkten Anwerbung der Minderheiten auf allen Ebenen.

Verbesserung beim Lehrplan und bei den Schulbüchern

Das allgemeine Niveau der aktuellen Lehrbücher ist viel besser als das der Vorhergehenden. In den derzeitigen Schulbüchern gibt es weniger Vorurteile im Hinblick auf Religionen und Geschlecht. Jetzt werden in den meisten Schulbüchern die Wörter „Masih“, Masihi“ und „Masihyiat“ für Jesus Christus, Christ/en oder Christentum statt „Esa“, „Esai“ oder „Esayiat“ verwendet. Zahlreiche Missions-Colleges und –Schulen in den Provinzen Punjab und Sindh, die 1972 verstaatlicht worden waren, sind reprivatisiert worden. In das Lehrbuch für Pakistanisch für die zehnte Klasse wurde ein Teil aus der Rede des Gründers Pakistans, die er am 11. August 1947 in der konstituierenden Versammlung Pakistans hielt, übernommen: „Ihr seid frei; ihr seid frei, zu euren Tempeln, ihr seid frei zu eurer Moschee oder zu jeder anderen Stätte der Anbetung in diesem Staat Pakistan zu gehen. Ihr könnt jeder Religion oder Kaste oder Weltanschauung angehören – das hat nichts mit dem Staat zu tun.“

Zugeständnisse von Feiertagen

Am 12. April 2009 bekamen christliche Studenten in den Master-Seminaren der Iqbal Open University (eine Fernuniversität) in ganz Pakistan am Tag des Osterfests frei. Während des Ramadans im Universitätsprüfungszentrum sollten für nicht-muslimische Studenten Möglichkeiten geschaffen werden, um Wasser zu trinken. Dies wurde vom Gouverneur der Provinz Punjab angewiesen. Beides geschah auf Bitten der PMTA.

Keinen Vergleich von Religionen

Professor Paul ist dafür, dass die Lehrpläne werte- und bedarfsorientiert gestaltet werden müssen: „Einseitige, tendenziöse Materialien, die sich gegen welche Religion auch immer richten, müssen unverzüglich aus den Lehrbüchern entfernt werden. Es darf keinen Vergleich um jeden Preis zwischen den Religionen geben. Der Unterricht über Religion muss ausschließlich über das Thema „Religion“ gehen. Das Fach „Religion“ soll entweder für alle Schüler oder für keinen zum Pflichtfach werden“, sagt er.

Artikel 22 (1) der pakistanischen Verfassung lautet: „Keine Person, die eine Bildungseinrichtung besucht, darf gezwungen werden, am Religionsunterricht oder irgendeiner religiösen Zeremonie oder am Gottesdienst teilzunehmen, soweit ein solcher Unterricht, eine solche Zeremonie oder (ein solcher) Gottesdienst einen Bezug zu einer anderen Religion als der eigenen hat.“ Die voreingenommene und diskriminierende Haltung gegenüber den Minderheitenschülern muss auf allen Ebenen aufgegeben werden, und es muss ihnen auch die Möglichkeit gegeben werden, das Fach „Religion“ zu wählen, wie es der Fall bei den Schülern der Mehrheitsreligion ist.

Ferner fordert Professor Paul, dass die religiösen Gebote und Lehren sowie die Heldengestalten einer bestimmten Religion nur im Fach „Religion“ unterrichtet werden dürfen. Den Anhängern aller Religionen müsse Achtung entgegengebracht werden. Alle noch in der Hand des Staates verbleibenden Schulen und Colleges müssten unverzüglich entstaatlicht und den Eigentümern übergeben werden, die 1972 in den Provinzen Punjab und Sindh verstaatlicht worden waren.

Frieden, Toleranz, Menschenrechte und interreligiöses Leben

In den Lehrplan müsse nach Professor Paul mehr Unterricht zu den Themen Frieden, Toleranz, Menschenrechte, sozialer Frieden und interreligiöses Leben in Eintracht aufgenommen werden. Referate zu den „Ethik“-Themen müssen auf allen Schulniveaus für die Minderheitenschüler von dem Lehrkörper der Minderheitenlehrer gestellt und benotet werden, wie es der Fall bei der Islamkunde ist, so dass es bei den Minderheitenschülern keine Vorurteile und Diskriminierung mehr geben kann. Für alle Menschen soll es auf allen Ebenen religiöse Freiheit geben, wie es in der pakistanischen Verfassung garantiert wird.

Aufnahmeformulare – bisher nur mit „Muslim/Nicht-Muslim“

Aufnahmeformulare, in der die Religionszugehörigkeit eingetragen werden muss, besitzen derzeit nur die Spalte, „Muslim Nicht-Muslim“. Professor Paul ist dafür, dass sie entweder mit sämtlichen in Pakistan existierenden Religionen beschriftet wird oder einfach eine Spalte enthält, in der man seine eigene Religion eintragen kann (denn „Nicht-Muslim“ ist ja nun keine Religion), oder diese Spalte ganz aus dem Aufnahmeformular zu entfernen.

S.Sheeky, Faisalabad, Pakistan

übersetzt aus dem Englischen von Katrin Krips-Schmidt

Linktipps:
Blog "Bedrängte Christen"
Länderübersicht Pakistan

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