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Podiumsgespräch bei MissionRespekt-Kongress in Berlin

v.l.n.r.: Dr. h.c. Nikolaus Schneider (EKD-Ratsvorsitzender), Dr. Norbert Lammert (Bundestagspräsident) © MissionRespekt / Markus Nowak

Norbert Lammert: Keine nach Religion getrennte Unterbringung von Flüchtlingen

28. August 2014

Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert (CDU) hat Vorschlägen, Flüchtlinge in Deutschland nach Religionszugehörigkeit getrennt unterzubringen, eine klare Absage erteilt. „Einen solchen Vorschlag halte ich für verheerend“, sagte Lammert am Mittwochabend, 27. August, in der St.-Matthäus-Kirche in Berlin. „Das Recht auf Religionsfreiheit ist eine kostbare Errungenschaft, die wir nachdrücklich verteidigen müssen. Der Respekt vor der Religionsfreiheit muss im Rahmen der Asylverfahren selbstverständlich eingefordert werden.“ Lammert äußerte sich bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des zweitägigen Kongresses „MissionRespekt“, den rund zwanzig Kirchen und Missionswerke aus landeskirchlicher, freikirchlicher, römisch-katholischer oder orthodoxer Tradition mit rund 250 Teilnehmenden aus aller Welt veranstalten. Träger sind unter anderem das Evangelische Missionswerk (EMW), das katholische Missionswerk missio und die Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD).

An die Adresse der Kirchen gerichtet äußerte Lammert die Hoffnung, sie könnten zu einer Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Komplexität aktueller Fragestellungen beitragen. „Wir müssen der naheliegenden Versuchung einfacher Antworten auf schwierige Fragen widerstehen.“ Ganz konkret könne man derzeit in verschiedenen Krisenherden der Welt die Instrumentalisierung von Religion beobachten. Daraus entstünden Fragen, die die deutsche Politik nicht allein beantworten könne. „Aber wir dürfen auch nicht davor weglaufen.“ Er wünsche sich, dass die Lehren aus der eigenen Geschichte beim Blick auf aktuelle Gräueltaten berücksichtigt würden: „Man muss sich klarmachen: Die Kreuzzüge hatten hier in Europa Premiere.“ Daraus könne dann die Erkenntnis resultieren: „Weil wir wissen, was für Leid aus solcher Instrumentalisierung von Religion entstehen kann, wollen wir nicht zulassen, dass ähnliches irgendwo anders auf der Welt geschieht.“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Dr. h.c. Nikolaus Schneider, bekräftigte die Bedeutung der historischen Lernprozesse. „Der säkulare Staat war als Resultat unserer Geschichte wiederum die Voraussetzung für unsere heutige freiheitliche Gesellschaft.“ Allerdings sei die multikulturelle und multireligiöse Gesellschaft in Deutschland noch lange nicht vollendet. „Wir erleben gerade wieder schmerzlich, dass der Antisemitismus nicht überwunden ist, und in Berlin hat in diesen Tage eine Moschee gebrannt.“ Ziel müsse es sein zu lernen, „den Fremden in seiner Fremdheit auszuhalten, die Wahrheit des eigenen Glaubens selbstbewusst aber nicht aggressiv zu vertreten und über allem die demütige Erkenntnis, dass jede menschliche Wahrheitsvorstellung angesichts Gottes Größe unvollkommen ist.“ Schneider nannte es eine der wichtigsten Herausforderungen für die Kirchen, die eigenen Gemeindemitglieder wieder auskunftsfähig hinsichtlich ihrer Glaubensüberzeugung zu machen. „Fremdenfeindlichkeit ist oft das Resultat einer unsicheren eigenen Identität. Wenn wir also die eigene Identität stärken und sprachfähig machen, dient das dem friedlichen Zusammenleben.“ Unverhandelbar sei für ihn im Gespräch mit anderen Religionen der Verzicht auf Gewalt und die Anerkennung der Menschenrechte, wie der Religionsfreiheit und der Gleichberechtigung von Männern und Frauen.

Prälat Dr. Karl Jüsten wies auf die Erklärung der katholischen deutschen Bischöfe zur Situation im Mittleren Osten hin, die am Montag dieser Woche veröffentlicht wurde. Darin rufen die Bischöfe die muslimischen Religionsführer auf, sich zur Terrorgruppe ISIS zu verhalten, „gerade weil wir in Deutschland bereits die Erfahrung gemacht haben, was es bedeutet, vor einem Terrorregime die Augen zu verschließen.“ Aus seiner langjährigen Arbeit als Leiter des katholischen Büros in Berlin könne er sagen, dass die Stimme der Kirchen von der Politik durchaus aufmerksam gehört werde.

Im Blick auf den Kongress sagte Jüsten, er fände es „großartig“, dass alle Konfessionen vertreten seien und auch, dass man gemeinsam Gottesdienst gefeiert habe: „Denn wenn man zusammen betet, geht man nicht aufeinander los.“ Er hoffe, dass von der Veranstaltung das Signal ausgehe, „dass die Christinnen und Christen in Deutschland gemeinsam dazu beitragen wollen, dass Jesus Christus in unserer Welt lebendig wird und dass wir das freudig und zugleich respektvoll anderen gegenüber bekennen wollen.“

Der Kongress "MissionRespekt. Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt" dauert bis Donnerstagmittag. Näheres im Internet unter www.mission-respekt.de.

Linktipp:
Übersicht zum Kongress MissionRespekt
Facebook-Fotoalbum mit zahlreichen Bildern

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