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Kongo: Kirche setzt Hoffnungszeichen im Bürgerkrieg

Flüchtlinge in einem Camp in der Nähe von Goma. Schätzungsweise 250.000 Menschen sind auf der Flucht. © UNHCR

Seit über zehn Jahren tobt im Osten der Demokratischen Republik Kongo ein erbarmungsloser Bürgerkrieg. Ursachen sind Machtkämpfe um Bodenschätze, soziale und ethnische Konflikte. In den vergangenen Monaten sind deswegen wieder hunderttausende Menschen auf der Flucht. Kirche und Missionswerke helfen ihnen, ihre Kriegstraumata und Entbehrungen zu bewältigen.

26. Mai 2009

Radio Vatikan hat mit dem unserem Aachener Länderreferenten Mathias Vogt gesprochen. Er war vor wenigen Wochen auf Einladung der kongolesischen Bischofskonferenz in der Krisenregion unterwegs. Traumhaft schön ist die Region um den Kivusee im Osten Kongos. „Wenn dort Frieden wäre“, sagt uns der missio-Länderreferent Mathias Vogt, „wäre es auch für den Tourismus eine tolle Region“:

„Man hat im Hintergrund immer den See und die sieben Vulkane um die Stadt Goma herum. Das ist ganz beeindruckend. Wir sind selbst vier Stunden immer am Fuß des Vulkans Mikeno entlang in die Dörfer der Katechisten gelaufen. Die Landschaft ist sehr grün. Aufgrund der fruchtbaren Vulkanerde gibt es viele Bananenstauden, viele Felder, wo Bohnen, Getreide, Reis und anderes Gemüse angebaut wird. Es ist also eine sehr schöne Gegend und man kann sich gar nicht vorstellen, dass um einen herum Krieg ist.“

Von paradiesischem Idyll kann jedoch keine Rede sein. Der Landstrich um die ostkongolesische Provinzhauptstadt Goma im Grenzgebiet zu Uganda und Ruanda ist eine der heißesten Konfliktherde Afrikas, und zwar seit Jahrzehnten. Das sei überall zu spüren, berichtet Matthias Vogt:

„Es ist alles voll mit Militärs in unterschiedlichen Uniformen, teilweise Uniformen der staatlichen Armee, Uniformen der unterschiedlichen Rebellengruppen, es sind erwachsene Soldaten dabei, es sind sehr junge Soldaten dabei, also wir haben Jungen zwischen 13 und 15 Jahren in Uniform und Waffen gesehen. Man wird zwar in Ruhe gelassen, man hat aber immer ein mulmiges Gefühl, wenn man diese Leute trifft. Man weiß nie, wie es weiter geht.“

Die tropisch bewachsenen Hügel der acht Virunga-Vulkane um Goma sind reich an Bodenschätzen. Erze wie Coltan sind auf den Weltmärkten heiß begehrt, bei der Herstellung von Handys und Computern ist dieser Rohstoff unabdingbar. Verschiedene Rebellengruppen, unter anderem aus dem benachbarten Ruanda, kämpfen seit Jahren mit der kongolesischen Armee um den Zugang zu den Bodenschätzen und schüren dabei auch ethnische Konflikte. Zwischen den Fronten leidet die Zivilbevölkerung, sagt Missio-Referent Vogt. Vergewaltigungen und Plünderungen stünden an der Tagesordnung.

„Die Menschen sind von der politischen und militärischen Lage natürlich zunächst völlig verzweifelt. Sie wissen weder ein noch aus, sie wissen teilweise nicht, wie sie die nächsten Tage überleben sollen, haben kaum genug zu Essen.“

Von staatlicher Seite kommt kaum Hilfe für die Menschen im Kongo. Diese Lücke versucht die Kirche zu schließen. Sie unterhält Flüchtlingslager, Krankenhäuser, Schulen und die Sozialfürsorge. Hilfsorganisationen wie Missio oder der Jesuitenflüchtlingsdienst helfen den Menschen beim Wiederaufbau ihrer Häuser und Gemeinden. Doch es fehle an gut ausgebildetem Personal, so Vogt:

„Wir haben mit Frauen gesprochen, die teilweise mehrfach von Milizionären vergewaltigt worden sind und jetzt professionelle, psychotherapeutische Betreuung benötigen. Es gibt verschiedene Ordensschwestern, die eine Ausbildung dafür haben, leider viel zu wenig. Tausende von Frauen sind betroffen. Man muss immer wieder schauen, dass man genügend Menschen ausbildet, die dann auch qualifiziert arbeiten können. Denn Trauma-Arbeit mit Frauen kann man nicht mit angelernten Kräften machen. Dasselbe gilt für die Leitung großer kirchlicher Strukturen: Dazu braucht es Verwaltungserfahrung. Hier müsste man mehr tun zur Ausbildung von kirchlichem Personal.“

Bei seiner Reise sei er aber auch Menschen begegnet, die trotz Gewalt und Elend wieder neue Hoffnung schöpften. Eine wichtige Rolle spiele dabei ihr Glaube, meint Vogt:

„Ich bin da persönlich auch immer sehr beeindruckt, von diesem Glauben. Wir haben Gottesdienst gefeiert im Flüchtlingslager mit Taufen und Hochzeiten. Sieben Paare wurden auf einmal getraut, in dieser Elendssituation. In einem anderen Flüchtlingslager haben die Jugendlichen dem Pater vom Jesuit-Refugee-Service gebeten, zu Beginn der Fastenzeit doch mit ihnen den Kreuzweg zu feiern. Ihr Glaube ist eigentlich so ein Strohhalm, an dem sie sich festhalten, aber keiner, der leicht knickt – es ist doch eine ganz große Hoffnung für die Menschen.“

Ein Zeichen der Hoffnung sei auch die Geschichte eines Katechisten: Nach seiner Vertreibung vor zwei Jahren konnte der Mann jetzt wieder in sein Heimatdorf zurückkehren.

„Wir haben die Baustelle seines Hauses besucht. Man muss von der Kirche aus noch drei Stunden zu Fuß gehen. Es gibt also nur Trampelpfade. Man kann weder mit dem Auto noch mit dem Motorrad dahin gelangen, und wir haben ihn und seine Frau auf der Baustelle ihres Hauses gesehen. Das sind ganz einfache Hütten aus Bambusstämmen, um die Flechtwerk gebunden wird als Wand, und das wird dann mit Lehm verkleidet und das Dach wird normalerweise mit Palmzweigen gedeckt…“

Ein bescheidener Anfang, doch dass Kirchen überhaupt wieder aufgebaut werden im Ostkongo, dass Katecheten, Gemeindepriester und Ordensschwestern zurückkommen in ihre Dörfer, ist ein Hoffnungszeichen für alle Menschen in der Region, sagt Matthias Vogt, „weil das für sie auch so eine Art Sicherheitsgarantie ist.“

Quelle: Radio Vatikan

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