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Der Papst in Afrika: „Frauen leisten viel und gelten wenig!“

Mit seiner Reise nach Kamerun und Angola lenkte Papst Benedikt XVI. den Blick der Weltöffentlichkeit auch auf die schwierige Situation von Frauen in Afrika. Am Sonntag, 22. März, traf der Papst in Angola katholische Bewegungen zur Förderung der Frau: ein Interview mit Irmgard Icking, Vorstandsmitglied und Leiterin der Auslandsabteilung von missio Aachen.

22. März 2009

Frauen in Afrika werden in den meisten Bereichen des Lebens benachteiligt. Vor welche Herausforderungen sieht sich die afrikanische Frau gestellt?

Irmgard Icking: Armut! In der Mehrzahl der Länder Afrikas, besonders in den ländlichen Regionen aber auch in den Armutsvierteln der Großstädte, sind es vor allem die Frauen, die die Überlebenssicherung bewerkstelligen müssen. Ich habe auch immer den Eindruck gewonnen, dass vor allem sie es sind, die das soziale Leben organisieren, die sich für die Gemeinschaft einsetzen. Dabei sind sie in allen Bereichen schlechter gestellt als die Männer: ob es nun um Schulbildung, Einkommen, Zugang zur Gesundheitsversorgung und zu Krediten geht oder um ihre Beteiligung bei Entscheidungsprozessen, innerhalb der Familie, im Dorf. Frauen in Afrika leisten so viel – und gelten so wenig!

Gewalt gegen Frauen ist ein großes Thema. In kriegerischen Auseinandersetzungen müssen wir oft erfahren, dass Frauen schrecklichen Übergriffen ausgesetzt sind. Die Vergewaltigung von Frauen und Mädchen wird gezielt als Kriegswaffe eingesetzt. Gleichzeitig müssen Frauen Familie und Gemeinschaft zusammenhalten, wenn die Männer als Soldaten Dienst tun müssen oder sich Rebellengruppen anschließen.

Was muss die afrikanische Gesellschaft leisten?

Irmgard Icking: Wir sehen heute, dass Frauen in Afrika in höchsten Positionen gesellschaftspolitisch Verantwortung tragen. Ich denke da an Liberia mit Ellen Johnson-Sirleaf als Präsidentin. Wir erleben auch in internationalen Organisationen mehr und mehr die Kompetenz, den Mut, das Durchsetzungsvermögen von afrikanischen Frauen. Sie sind wichtige Vorbilder, Mutmacherinnen. Aber von der Familie im Kleinen bis zur großen Politik auf nationaler oder internationaler Ebene: Von der Gleichstellung der Frauen in Afrika sind wir noch Lichtjahre entfernt.

Welche Rolle spielen Frauen innerhalb der Kirche in Afrika?

Irmgard Icking: Ordenfrauen sind DAS dynamische Element in der Kirche Afrikas! Im Vergleich zu Frauen aus armen Familien erhalten sie vielfach eine vergleichsweise gute Ausbildung. In ihren Orden eröffnet sich für sie ein weiter Horizont, über den lokalen Blickwinkel hinaus. Die Lernprozesse, die sie in internationalen Gemeinschaften erfahren, geben ihnen solides Rüstzeug für ihren Kampf gegen die Verletzung von Menschenrechten, besonders von Frauenrechten. Sie prangern die Leiden von Frauen an. Ein Beispiel, das dies hervorragend verdeutlicht, ist der Kampf von Ordensfrauen gegen Genitalverstümmelung. Während viele von afrikanischer Kultur und Tradition sprechen, sagen die Ordensfrauen ganz deutlich: Das ist ein Gewaltverbrechen! Sie klagen aber nicht nur an, sie sind Seelsorgerinnen, Trösterinnen, Mutmacherinnen. Sie gehen in die Gefängnisse, kämpfen für die Rechte der unschuldig inhaftierten und lassen die Schuldig verurteilten mit ihrer Schuld nicht alleine. Ich war immer besonders beeindruckt von der Spiritualität, die ich mit ihnen erlebte: Eine weibliche Spiritualität, die eine solche Kraft ausstrahlt, weil sie aus dem Leiden und der Freude des Frau-Seins gleichermaßen geschöpft ist.

Laien in Afrika leisten einen wichtigen Beitrag für Kirche und Gesellschaft. Wie ist die Situation der engagierten Frauen?

Irmgard Icking: Laien haben einen schweren Stand in der Kirche Afrikas. Auch wenn, ich glaube auch den meisten Bischöfen, klar ist: Die Katechisten, die freiwilligen Helfer, die sich mit Leib und Seele engagieren, beim Kirchenbau und in der Gottesdienstgestaltung, bei der Vorbereitung auf die Sakramente und der Seelsorge für die Kranken, sind für die Kirche sehr wichtig. Generell haben es die Laien aber schwer, auch Mitgestaltung und Mitsprache zu bekommen. Für die Frauen ist es noch immer um ein vielfaches schwerer. Das Bild von der Familie für die Kirche in Afrika ist sehr patriarchalisch geprägt. Die Ordensfrauen aber liefern tausendfach jeden Tag den Beweis, wie viel reicher, kreativer, überzeugender die Kirche wird in ihrem Dienst für die Menschen, wenn Frauen nicht nur mitarbeiten, sondern mitwirken, mitgestalten, mitentscheiden dürften. Dabei müssen sie vieles an Diskriminierung und Benachteiligung aushalten – auch in der Kirche. Die Ausbildung zur Katechistin ist beispielsweise in vielen Ortskirchen den Frauen immer noch verschlossen. Die Bischöfe argumentieren gerne damit, „ dass die Gemeinden dafür noch nicht reif sind!“. Dabei ist überdeutlich, dass Frauen zu vielen Gruppen und in vielen Situationen, den besseren Zugang haben, das größere Gespür, die profundere Erfahrung.

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