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Papst besucht Bürgerkriegsland Angola

© © missio / K.H. Melters

missio unterstützt kirchlichen Wiederaufbau und Traumaheilung. Lesen Sie das Interview mit dem missio-Länderrefenten und Traumaexperten Toni Görtz.

20. März 2009

Angola hat rund 30 Jahre Krieg und Bürgerkrieg hinter sich. Nicht nur das Land ist zerstört, auch die Menschen haben seelische Verletzungen davongetragen. Viele leiden unter einem Trauma. Was versteht man darunter?

Ein Trauma ist der Schock, der einem Menschen in den Gliedern stecken bleibt, wenn ihm etwas Lebensbedrohliches geschieht, oder etwas, das er als lebensbedrohlich empfindet.

Das Trauma kann sich in verschiedenen Symptomen zeigen, in Depressionen, in Schlaflosigkeit, Albträumen, Phobien, Ängsten, in körperlichen Schmerzen, in Herzrasen und anderen Beschwerden.

Welche Störungen sind bei Menschen in einem Bürgerkriegsland zu erwarten?

Viele Menschen in Angola und in anderen Bürgerkriegsgebieten sind viel-fach traumatisiert: Wenn Menschen über lange Zeit immer wieder Gewalt oder Hunger ausgesetzt sind; wenn Straßenkinder täglich ums Überleben kämpfen müssen; wenn sich Bedrohungen immer wieder wiederholen; dann führt das meist zu erheblichen Folgestörungen. Die Betroffenen wer-den oft arbeitsunfähig und unfähig, ihren Alltag zu bestreiten.

Wie kann man sie behandeln?

Der erste Schritt zur Heilung ist dann, was die Psychologen die „Stabilisierung“ nennen. Traumatisierte Menschen brauchen einen Ort, an dem sie sich sicher fühlen. Und sie brauchen einen geregelten Tagesablauf. Sie brauchen Seelsorge und Menschen, bei denen sie vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben so etwas wie Wärme, Zuneigung und Geborgenheit empfinden. Das ist für traumatisierte Menschen sehr häufig etwas ganz Neues.

Oft lassen sich damit die Folgestörungen des Traumas auflösen. Wenn nicht, ist die weitere psychologische Behandlung eine relativ anspruchsvolle Aufgabe für Experten. Dafür gibt es in Afrika noch viel zu wenig Fachleute. missio wird sich künftig verstärkt in der Ausbildung solcher Fachleute engagieren.

Im Fall von Angola sprechen wir nicht von einzelnen traumatisierten Menschen, sondern von einer mehr oder minder traumatisierten Gesellschaft.

Die Situation in Angola ist in der Tat dramatisch. Das ist, wie wenn eine Bombe einen Felsen zersplittert. Die Gemeinschaft, die vorher bestanden hat, existiert nicht mehr. Jeder ist nur noch – wie ein Splitter – für sich, je-der steckt in seinem Trauma und versucht, irgendwie zu überleben oder wird depressiv. Durch das Trauma entstehen vielfältige Probleme: Man denkt nicht mehr daran, zur rechten Zeit die Saat auszubringen oder die Ernte einzuholen. Schule wird unwichtig. Der Alltag verliert seine ordnende Struktur.

Bei der Traumabewältigung geht es in jedem zerstörten Land zunächst darum, „sichere Orte“ zu schaffen. Wenn der Staat das nicht leistet, ist die Kirche oft die einzig funktionierende Institution. missio hat 2007 über 600.000 Euro in 47 Projekte in Angola investiert, vor allem in den Wieder-aufbau von Kirchen, Gemeinde- und Katechistenzentren. Damit werden geschützte Räume geschaffen, wo Menschen sich treffen können.

Dann geht es darum, die Gemeinschaft neu zu formen, die „Splitter“ wieder zusammen zu fügen. Dies ist die Kernaufgabe von Seelsorge: Dabei hilft missio vor allem durch die Aus- und Weiterbildung des Personals, von Priestern, Schwestern und Katechisten.

Diese kirchlichen Mitarbeiter unterstützen die Menschen dabei, ihren All-tag neu zu strukturieren, die Aussaat zu organisieren, Kindern den Schul-besuch zu ermöglichen, auch Gottesdienste zu organisieren, weil der spirituelle Aspekt in der Traumaheilung eine ganz wichtige Rolle spielt.

Was hat denn die Traumaheilung mit der Beziehung eines Menschen zu Gott zu tun?

Menschen, die traumatisiert sind, fühlen sich in der Regel schuldig für das, was geschehen ist. Dies gilt gleichermaßen für die Täter, die beispielsweise als Soldaten gewütet und gemordet haben, wie auch für die Opfer. Dies ist ein Symptom von traumatischen Erkrankungen, dass auch die Opfer sich schuldig fühlen.

Die Schuld, die in Bürgerkriegen entsteht, bei Vergewaltigungen und ande-ren Katastrophen, wird als so überwältigend empfunden, dass kein Mensch und keine Macht auf der Erde sie vergeben oder sühnen könnte. Traumatisierte Menschen können sich von dieser Schuld erst dann lösen, wenn sie spüren, dass sie bei Gott Vergebung finden, dass Gott sie liebt, trotz allem.

Ohne eine enge Beziehung zu Gott ist Heilung sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich. – Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass eine liebevolle und einfühlsame Seelsorge ein wichtiger Aspekt bei der Traumabehandlung sein sollte.

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