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„Die Kondom-Debatte geht am Problem vorbei!“

Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident von missio in Aachen

missio-Präsident Prälat Klaus Krämer weist im Interview mit missio.de auf die vielfältigen Ursachen für die Verbreitung von HIV und AIDS hin. Die Kirche leiste in Afrika viele Hilfen für von AIDS betroffenen Menschen. „Man kann AIDS in Afrika nicht bekämpfen, indem man Kondome verteilt und glaubt das Problem sei damit gelöst. Die Kondomdebatte und die Fixierung auf Kondome geht weitgehend am afrikanischen Kontext und am eigentlichen Problem vorbei,“ so Krämer.

19. März 2009

Mit Aussagen zur AIDS-Problematik zu Beginn seiner Afrikareise hat Papst Benedikt XVI. viel Widerspruch geerntet. Während seines Fluges nach Kamerun hatte er gesagt: „.... Ich würde sagen, das Problem AIDS kann man nicht bloß mit Werbeslogans überwinden. Wenn die Seele fehlt, wenn die Afrikaner sich nicht selbst helfen, kann diese Geißel nicht mit der Verteilung von Kondomen beseitigt werden: Im Gegenteil, es besteht das Risiko, das Problem zu vergrößern. Die Lösung kann nur mit einem doppelten Engagement gefunden werden: Das erste ist die Humanisierung der Sexualität, das heißt eine geistige und menschliche Erneuerung, die eine neue Art des Umgangs miteinander bringt. Und das zweite eine wahre Freundschaft auch und vor allem mit den Leidenden, die Bereitschaft, bei ihnen zu sein, auch mit Opfern und persönlichem Verzicht. ....“ (Quelle: KNA, Presseamt Vatikan).

Was sagen Sie als Präsident von missio dazu?

Prälat Klaus Krämer: Der Papst hat recht: Man kann AIDS in Afrika nicht bekämpfen, indem man Kondome verteilt und glaubt das Problem sei damit gelöst. Die Kondomdebatte und die Fixierung auf Kondome geht weitgehend am afrikanischen Kontext und am eigentlichen Problem vorbei.

Die Ursachen für die Ausbreitung von HIV und AIDS in Afrika sind vielfältig. HIV verbreitet sich, weil die Menschen nicht über HIV und AIDS sprechen, das Thema wird tabuisiert . Betroffene Menschen werden oft ausgegrenzt. Weil nicht über AIDS gesprochen wird, gibt es viel Unwissen und falsche Vorstellungen. Besonders Frauen und Mädchen sind verletzlich und haben in vielen afrikanischen Kulturen kaum Rechte, schlimmer noch: Immer wieder werden sie Opfer von sexuelle Gewalt.

AIDS ist dort stark verbreitet, wo die Menschen sehr mobil sind, in den Regionen, in denen die Wanderarbeiter tätig sind und entlang der Fernfahrer-Routen. Eine ganz wichtige Frage ist: Findet Sexualität in einer verlässlichen Partnerschaft statt, in der die Menschen Verantwortung füreinander übernehmen.

Diese vielfältigen Ursachen lassen sich nur durch entsprechend vielfältige Maßnahmen bekämpfen. Und da sehe ich die katholische Kirche in Afrika in einer wichtigen Rolle.

Was leistet Kirche?

Prälat Klaus Krämer: Zum Beispiel Südafrika: Jeder vierte AIDS-Patient wird in einer katholischen Einrichtung behandelt, obwohl die Katholiken gerade mal zehn Prozent der Bevölkerung stellen. In vielen Ländern macht die Kirche umfassende Programme zur Aufklärung über HIV und AIDS. Dazu gehört auch, die Frauen stark zu machen gegen sexuelle Fremdbestimmung, Geschlechterungerechtigkeit und sexuelle Gewalt. Die Kirche bietet den Infizierten Seelsorge und psychosoziale Begleitung an. Viele Missionsstationen, Ordensleute und Priester haben es sich zur Aufgabe gemacht, in den Gemeinden zu organisieren, dass die Gesunden die Kranken versorgen, dass Ersatzeltern gefunden werden, wenn Kinder beide Elternteile durch AIDS verloren haben. Die hinterbliebenen Großeltern und AIDS-Waisen werden so unterstützt, füreinander da zu sein und neue Lebensperspektiven zu entwickeln. Die Kirche setzt sich für Verteilungsgerechtigkeit und Zugang zu medizinischer und gesundheitlicher Versorgung ein. Die Bistümer und Ordensgemeinschaften sind in der Ausbildung von pastoralen und medizinischen Fachkräften beteiligt. Nach meinem Wissen ist die Kirche in vielen Fällen Vorreiter im Engagement für Menschen, die von AIDS betroffen sind. Und sie traut sich, das Thema öffentlich anzusprechen.

Aber stimmt es nicht, dass Kondome im Kontext von HIV und AIDS auch Leben retten können?

Prälat Klaus Krämer: Letztlich geht es doch um die Frage, wie verantwortlich gehe ich mit meiner Sexualität um. Wie schütze ich mich und meinen Partner am besten. Das ist letztlich eine Frage der eigenen Verantwortung und des Gewissens, egal ob in Europa oder in Afrika.

Viele Projektpartner werben erfolgreich für das „ABC-Modell“: A steht für „Abstinence“, also Enthaltsamkeit. Die Botschaft lautet: Enthalte dich von unverantwortlichem sexuellen Verhalten. B steht für „Be faithful“, Bleibe treu. Bleibe deinem Partner treu. Bleibe auch dir selbst, deinen Freunden und deiner Gemeinschaft treu. Die Kirche setzt sich in ihren Aufklärungskampagnen zuerst hierfür ein: für Enthaltsamkeit und Treue.

C steht für „Condome“, also Kondome, oder für “Choise”, Du hast die Wahl. Wenn du nicht enthaltsam und treu leben kannst, so wähle das geringere Übel und schütze dich vor einer Infektion. Versuche deinen Lebensstil durch bewusste Entscheidungen, durch Gewissensbildung, durch die Pflege der traditionellen Werte und einer Kultur der Liebe zu ändern.

Nach ABC kommt D. Und D steht für „Death“, für Tod, oder für „Dangerous behaviour“, Risikoverhalten.

Wenn du A, B und C nicht umsetzt, setzt du dich und andere tödlichen Gefahren aus. Du lebst unverantwortlich und gefährlich. Du musst dir bewusst sein, dass du eine Kultur des Todes verbreitest und dass du dich mit dem HI-Virus infizieren könntest.

Sie sind also nicht generell gegen Kondome?

Prälat Klaus Krämer: Ich bin dafür, das Leben zu schützen und zu erhalten. Dazu müssen die Menschen die relevanten Informationen bekommen, um eine reife moralische Entscheidung zu treffen. Unsere Projektpartner in Afrika setzen sich mit ihrer Arbeit dafür ein. Ich bin dafür die Menschen zu befähigen, ausgereifte Gewissensentscheidungen zu treffen. Deshalb sollten wir weniger über Kondome, sondern vielmehr über den verantwortungsvollen Umgang mit Partnerschaft und Sexualität reden.

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