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"Wir leben hier nicht in der Hölle"

Der melkitisch-katholische Patriarch von Antiochien, Gregorios III. Laham, im Gespräch mit Prälat Dr. Klaus Krämer.

Eine Delegation von missio Aachen hat in Kairo kurz vor dem zweiten Jahrestag der Revolution mit rund 20 Vertretern der ägyptischen Kirchen über die Zukunft der Christen in dem Land gesprochen - Forderung nach einer Katholischen Universität. - Dominikaner stellen muslimischen Gelehrten und Studenten Forschungseinrichtung zur Verfügung. Ein Bericht von Johannes Seibel.

24. Januar 2013

„Wir leben hier nicht in der Hölle, sondern in einer schwierigen Umbruchphase“, beschwört der Dominikaner Jean Jaques Pérennés die gegenwärtige ambivalente Gefühlslage der Christen in Ägypten. Einerseits haben sie angesichts der politischen Islamisierung ihres Landes im Alltag sehr wohl vor Bedrängnis, Verfolgung und Migrationsdruck Angst, andererseits wollen sie zwei Jahre nach der Revolution die neue Freiheit nicht aufgeben, sondern mitgestalten. „Es geht darum, unsere Rolle und Funktion in diesem Prozess zu finden“, sagt seine Seligkeit Gregor III. Laham, Patriarch der mit Rom unierten melkitischen griechisch-katholischen Kirche.

Der Dominikaner und der Patriarch waren zwei von rund 20 Bischöfen, Priestern, Wissenschaftlern, Ordensangehörigen und Laien aus Ägypten, die am 22. und 23. Januar in Kairo am Kongress „Situation der Kirchen in Ägypten“ teilgenommen haben. Ausgerichtet hat ihn in das Internationale Katholische Missionswerk missio Aachen, das unter Leitung von Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer mit einer eigenen Delegation beteiligt war. „Mit dieser Konferenz wollen wir auch die ökumenische Zusammenarbeit der Kirchen in Ägypten fördern“, erklärte Prälat Krämer. Ägypten ist Beispielland des Monats der Weltmission von missio in Deutschland.

Aufbau einer bürgerlichen Zivilgesellschaft

„Haben wir überhaupt noch einen Begriff dessen, was es heißt, ein Bürger in Ägypten zu sein?“, fragte auf dem Kongress Antonious Aziz Mina, Bischof der koptisch-katholischen Eparchie Gizeh. Eine Antwort sei für die Kirchen und Christen überlebensnotwendig. Denn allein wenn eine bürgerliche Zivilgesellschaft aufgebaut werde, in der sich alle Menschen zuerst als Bürger Ägyptens mit gleichen Rechten und Pflichten begreifen und der Staat sie auch so behandele, könne die Diskriminierung, Bedrängnis und Verfolgung einzelner Gruppen wie der Christen verhindert werden.

Deshalb besteht für die Mehrzahl der Konferenzteilnehmer eine der größten Herausforderung der ägyptischen Kirchen darin, eigene, für alle Ägypter offene Institutionen als Teil einer neuen politischen Kultur aufzubauen, bevor der Prozess der Islamisierung und konfessionellen Spaltung des Landes unumkehrbar unter der aktuellen Regierung fortgeschritten ist. Der koptisch-katholische Bischof Kyrillos William von Assiut brachte die Idee der Gründung einer katholischen Universität in Ägypten ein. Andere Konferenzteilnehmer plädierten für den Aufbau eigener Medien, um eine Stimme im Gespräch der Zivilgesellschaft zu haben. Vorbild eines solchen Engagements sind für den Jesuiten Fadel Syadaros 165 katholische Schulen mit rund 200.000 Schülern in Ägypten, davon etwa 55 bis 60 Prozent Muslime: „Wenigstens hier lernen für einige Jahre junge Christen und Muslime Grundsätzliches von der jeweils anderen Religion.“

Einrichtung christlicher "Denkfabriken"

Dass eigene christliche „Denkfabriken“ eingerichtet werden müssen, ist für die Teilnehmer der missio-Tagung aus einem anderen Grund wichtig: „Den Islam, wie ich ihn studiert habe, den gibt es gar nicht mehr“, sagte der Religionswissenschaftler Soliman Shafik. Auch Muslime verfolgten die Entwicklung Ägyptens mit Sorge. Denn die politische Islamisierung der Gesellschaft gehe einher mit einem Verlust des Einflusses der traditionellen islamischen Autoritäten. Es entstehe ein wilder Islamismus. Die Scharia, die islamische Gesetzgebung, bekomme neue Funktionen. Dafür seien die Salafisten ein Beispiel. Und deshalb müssten auch Christen diese Verhältnisse besser studieren können.

Sammlung islamischer Literatur

Schon seit Jahrzehnten pflegen die Dominikaner in Kairo das Gespräch mit den Muslimen und der dortigen Al Azar-Universität, die nach der ägyptischen Verfassung bei der Auslegung der islamisch geprägten Gesetzgebung eine wichtige Rolle spielt. Das vor rund 50 Jahren gegründete "Institut für orientalische Studien" (Ideo) der Dominikaner in der ägyptischen Hauptstadt besitzt eine der größten Sammlungen islamischer Literatur. Ungefähr 150.000 Bücher und rund 350 Zeitschriften über und aus dem Islam stehen zur Verfügung. Etwas mehr als ein Dutzend Besucher täglich nutzen diese Quellen. Vor allem muslimische Gelehrte und Studenten der Al Azar-Universität und anderer Universitäten in Kairo kommen in das Institut. "Ob liberale oder traditionell eingestellte Studenten, sie arbeiten bei uns gleichermaßen in der Bibliothek, sie sind glücklich über diese Möglichkeit", erklärte der Bibliotheksdirektor René du Grandlaunay (OP) beim Besuch von Dr. Gregor von Fürstenberg, Vize-Präsident von missio-Aachen, und Professor Harald Suermann, Direktor des MIssionswissenschaftlichen Institutes, am Donnerstag, 24. Januar. "Unser Ziel ist es, im wissenschaftlichen Dialog mit den Muslimen gemeinsam historisch objektive Wahrheiten unserer Beziehung herauszuarbeiten und das Material dafür zur Verfügung zu stellen", so der Dominikaner. "Gleichzeitig verfolgen wir natürlich auch die aktuellen Entwicklungen im Islam, um die Trends zu identifizieren und zu verstehen, die gefährlich werden können", erzählt Pater René du Grandlaunay über die Mission dieser "Denkfabrik" der Dominikaner in Kairo.

Linktipp:
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