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Papst Franziskus erhält den Karlspreis 2016

Papst Franziskus hat am Freitag, 6. Mai 2016, im Vatikan den Internationalen Karlspreis entgegengenommen. Das Karlspreisdirektorium würdigte damit laut der Verleihungsurkunde sein "herausragendes Engagement für Frieden, Verständigung und Barmherzigkeit in einer europäischen Gesellschaft der Werte".

Wir dokumentieren nachfolgend vier Beiträge für missio-hilft.de von Erzbischof Dr. Nikola Erterović (Apostolischer Nuntius in Deutschland), Marcel Philipp (Oberbürgermeister der Stadt Aachen), Jürgen Linden (Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums) und Prälat Dr. Klaus Krämer (missio-Präsident). Alle vier Personen äußerten sich vor der Karlspreisverleihung an Papst Franziskus über sein Wirken für Europa und zum Stellenwert der drei katholischen Hilfswerke in Aachen.

Erzbischof Dr. Nikola Eterović

Der Papst-Botschafter in Deutschland, Nikola Eterović © www.nuntiatur.de

Apostolischer Nuntius in der Bundesrepublik Deutschland

1. Papst Franziskus erhält den Karlspreis. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie diese Nachricht hörten?

  • Über die Nachricht, dass Papst Franziskus diese ehrenvolle Auszeichnung des Karlspreises erhält, habe ich mich sehr gefreut. Als erster Papst, der nicht aus Europa stammt, wird er für seinen Einsatz um die Achtung der Menschenrechte, besonders für das Lebensrecht und die Religionsfreiheit gewürdigt, wie auch dafür, den Frieden zu fördern und Solidarität unter den Völkern und Nationen anzumahnen. [...]

2. Für welche sogenannten europäischen Werte steht für Sie die katholische Kirche in Europa? Welchen Beitrag leisten aus Ihrer Sicht Päpstliche Missionswerke wie das Internationale Katholische Missionswerk missio in Europa für europäische Werte?

  • Die Katholische Kirche in Europa steht für den Wurzelgrund, auf den das gemeinsame europäische Haus weiter errichtet werden kann. Das jüdische Erbe und die christliche Botschaft kristallisieren sich im Konzept der menschlichen Person, die unabhängig von Rasse, Nationalität oder Religion eine Würde hat, die jedem Menschen zusteht und die niemand einem anderen absprechen oder wegnehmen kann. [...]

3. Papst Franziskus sagte, als er auf den Karlspreis angesprochen wurde, ihm gefalle die Idee sehr gut, daß Europa neu gegründet werden muss. Er fragte wörtlich: „Wo ist da ein Schumann, ein Adenauer?“ Was bedarf es aus Ihrer Sicht angesichts von Flüchtlingskrise und europäischer Identitätskrise zu einer Erneuerung?

  • Jede Erneuerung fängt damit an, dass man sich an die Anfänge erinnert und sich des Fundamentes bewusst wird, auf dem etwas steht. In Europa, das nach wie vor mehrheitlich christlich geprägt ist, braucht es dazu die Männer und Frauen, die entschieden christlich sind. Das heißt, sie sollen auf die Fehler hinweisen, doch optimistisch bleiben, was die Gegenwart und Zukunft Europas angeht. Europa hat einen unverzichtbaren Beitrag an die Welt auf religiösem, kulturellem, wissenschaftlichen und sozialen Gebiet zu leisten. [...]

Marcel Philipp

Marcel Philipp, Oberbürgermeister der Stadt Aachen © Carl Brunn / Stadt Aachen

Oberbürgermeister der Stadt Aachen

1. Aachen ist der Sitz von drei international tätigen katholischen Hilfswerken. Welchen Beitrag leisten aus Ihrer Sicht da Päpstliche Missionswerk missio, MISEREOR und das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ für die Stadt Aachen?

Aachen kann stolz darauf sein, gleich drei wichtigen, international tätigen katholischen Hilfswerken eine Heimat zu bieten. Die Hilfswerke sind keine abstrakten Firmen, sondern Organisationen, in denen engagierte Christen als Experten wirken, die Bürger unserer Stadt und unserer Region sind. Durch ihre Arbeit vermitteln sie in Nachbarschaft und Schulen, in Pfarreien und Vereinen immer auch etwas von ihrer Tätigkeit durch ganz normale Alltagskontakte. So sorgen alleine die in den Hilfswerken Beschäftigen, dass weite Teile unserer Bürgerschaft ein Wissen davon bekommen, wie die Not in anderen Teilen der Welt aussieht.

In den vielen Jahren ihres Wirkens haben die drei Hilfswerke somit dafür gesorgt, dass gerade auch in Aachen ein Bewusstsein für die Notwendigkeit tätiger Nächstenliebe für Menschen, die fern von uns leben, entstehen konnte. Dies sehe ich in der großen Tradition der katholischen Soziallehre, die in Aachen schon im 19. Jahrhundert durch Ordensgründungen und politische Bestrebungen, die aus dem kirchlichen Raum heraus entstanden, mitgeprägt wurde.

2. Aachen als Grenzstadt zu den Niederlanden und Belgien steht beispielhaft für die europäische Idee. Was ist für Sie der Kern dieser Idee?

Europa wäre zu wenig, wenn es nur eine Verwaltungseinheit oder ein Freihandelsraum wäre.

Europa als Idee war immer mehr. Der erste Bundespräsident, Theodor Heuss, sprach einmal davon, dass der Kontinent auf drei Hügeln gebaut sei: auf Golgatha, was für den Frieden stehe; auf der Akropolis, was für die Demokratie stehe und auf dem Kapitol als Symbol der Rechtsordnung.

In der Tat speist sich europäisches Denken und Handeln seit Jahrhunderten aus den Impulsen, die von Jerusalem, Athen und Rom ausgingen. Judentum, Christentum und der Geist der Philosophie haben Europa zutiefst geprägt. Hieraus sind Werte entstanden, die für uns unaufgebbar sind: der Respekt vor der Würde und der Freiheit des Menschen, die unveräußerlichen Menschenrechte, die Gleichheit, die Solidarität und die Mitmenschlichkeit.

Europa würde seine Seele verlieren, wenn es sein Wertefundament aufgäbe, das sein innerster Kern ist.

3. Sie werden Papst Franziskus in Rom persönlich begegnen? Worauf freuen Sie sich dabei besonders?

Ich freue mich darauf, eine zutiefst bescheidene, zugleich aber auch herausragende Persönlichkeit kennenlernen zu dürfen, die als Oberhaupt der katholischen Kirche Weltverantwortung hat.

Dr. Jürgen Linden

Jürgen Linden, Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums Aachen (2008) © Wikimedia Commons / Euku

Vorsitzender des Direktoriums der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen e.V.

1. Was bewog das Direktorium, Papst Franziskus den Karlspreis 2016 anzutragen?

  • Der Internationale Karlspreis ist die wichtigste politische Auszeichnung in Europa. Er wird vergeben für Leistungen, die dem europäischen Integrationsfortschritt dienen.
    Papst Franziskus ist kein Politiker, nicht einmal Europäer. Dennoch soll gerade er Preisträger sein und auf eine politische Option bewusst verzichtet werden, denn: Europa ist angesichts vieler Krisen zerstritten, wirkt mutlos, ist in seinen Strukturen erschüttert und kann derzeit keinen überzeugenden Weg in die Zukunft weisen.
    Die Preisverleihung an den Papst ist vor diesem Hintergrund zunächst ein deutliches Signal an die Politik. Des Weiteren kann der Papst als die moralische Instanz in Europa und der Welt die Leitlinien für die Zukunft wirkungsvoll anmahnen: Solidarität, Toleranz, Mitmenschlichkeit – oder einfacher: die Ideale und Werte, die die europäische Gesellschaft ausmachen, auch die Ideen zur Gründung der EU wieder zu praktizieren und den Menschen in den Mittelpunkt der Politik zu stellen.

2. Welche Hoffnungen für Europa verbinden Sie mit der diesjährigen Vergabe des Karlspreises an Papst Franziskus?

  • Der Papst wird einen Weckruf halten, Mut und Zuversicht aussprechen, Dynamik und Gemeinsinn fordern und sicher auch daran erinnern, dass nur die europäische Gemeinschaft den Herausforderungen der Globalisierung gewachsen ist.

3. Sie werden im Vatikan bei der Übergabe des Karlspreises mit dabei sein. Worauf freuen Sie sich am meisten?

  • Auf das persönliche Gespräch mit Papst Franziskus.

Prälat Dr. Klaus Krämer

missio-Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer

Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio e.V. und des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“

1. Als Präsident der Päpstlicher Missionswerke missio und „Die Sternsinger“ – was sind für Sie die drei wichtigsten Botschaften von Papst Franziskus für Europa?

Papst Franziskus hat einen anderen Blick auf Europa. Als gebürtiger Argentinier weiß er um die Bedeutung eines geeinten und friedlichen Europas für die ganze Welt. Lesbos und Lampedusa sind nur zwei Akzente, ein ganz anders gearteter war seine Rede vor dem Europäischen Parlament. Aber alle Impulse haben das Ziel, darauf aufmerksam zu machen, dass Europa seine Wurzeln nicht vergessen und sich abschotten darf, sondern eine Verantwortung für die Weltgemeinschaft trägt. Damit setzt er deutlich die Botschaft: Denkt an eure Herkunft, erneuert euch und nehmt eure Verantwortung wahr. Der Papst hat für die Nöte unserer Wertegemeinschaft ein sehr waches Auge. Als viele noch um die Finanzkrise rangen, erinnerte er an die Globalisierung der Gleichgültigkeit. Letztlich steht hinter den Diskussionen um Europa die entscheidende Frage: Wie solidarisch gehen wir miteinander um? Ja, auch: Wie barmherzig sind wir mit anderen? Der Papst hat hierfür vielfach deutliche Worte gefunden. Er ist ‚Mahner in der Wüste‘, und zugleich ein Brückenbauer – oftmals im Hintergrund, aber immer mit dem Ziel, Menschen zusammenzuführen und miteinander zu verbinden. Das ist angesichts der Zerrissenheit Europas heute wichtiger denn je!

2. missio steht an der Seite der Flüchtlinge weltweit, auch in Deutschland, und bekämpft mit seiner Arbeit Fluchtursachen. Warum stärkt das aus Ihrer Sicht die europäischen Werte?

missio stärkt die europäischen Werte, in dem wir sie leben. Denn wir stehen an der Seite der Menschen in Afrika, Asien und Ozeanien. Unsere Projektarbeit fördert die Freiheit des Einzelnen, die Wahrung der Menschenrechte, die Schaffung des Friedens, aber auch Solidarität zwischen den einzelnen. Ich denke hierbei an ein Projekt in der Zentralafrikanischen Republik, ein Bischof und ein Imam helfen gemeinsam Flüchtlingen und engagieren sich im interreligiösen Dialog. Der Papst würdigte im vergangenen November bei seinem Besuch in diesem sehr armen Land das Wirken der dortigen Christen. Daran wird deutlich: Wir stehen an der Seite von Papst Franziskus und setzen uns gemeinsam dafür ein, dass aus dem christlichen Glauben entspringende Werte auf der ganzen Welt gestärkt werden.

3. Sie sind Papst Franziskus schon mehrmals persönlich begegnet. Was beeindruckt Sie bei solchen Begegnungen am meisten?

Immer, wenn ich Papst Franziskus begegne, erlebe ich einen Menschen, der aus seinem Glauben ganz selbstverständlich lebt und so sehr überzeugend vermittelt, welche Kraft in der frohen Botschaft des Evangeliums liegt. Diese Freude im Glauben spürte ich oft in den Begegnungen. Hinzu kommt, dass er mir in den Gesprächen ab der ersten Minute stets mit einer herzlichen Offenheit begegnete und der Arbeit der Missionswerke in Deutschland eine hohe Aufmerksamkeit widmete. Dies finde ich bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie vielen verschiedenen Menschen er Tag für Tag begegnet. Zu dieser Offenheit gehört eben auch, dass Papst Franziskus ein waches Interesse für die Anliegen der Weltkirche mitbringt. Ich bin davon überzeugt, dass das Wissen um die weltweite Vernetzung der Kirche seine täglichen Entscheidungen entscheidend beeinflusst. Denn er ist nicht nur ein Pontifex maximus für Europa, sondern für die Welt.

© 2009-2017 missio Aachen