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Die Mutter der Laienmission

Gut situiert: Die junge, hübsche Pauline Jaricot. © missio-Archiv

Heute ist es für Katholiken selbstverständlich, sich weltkirchlich zu engagieren. Junge Christen gehen als Missionare auf Zeit in alle Länder, in denen christliche Gemeinschaften aktiv sind. Vor 200 Jahren war das undenkbar. Die Fabrikantentochter Pauline-Marie Jaricot, deren Todestag sich am 9. Januar 2012 zum 150. Mal jährte, musste Wege finden, ihre Leidenschaft für die Mission zu leben – mit ungeahnten Folgen bis hin zu missio.

Anfangs verläuft ihr Leben genau so, wie es sich im 18. Jahrhun dert für eine Tochter aus gutem Hause gehört: Pauline-Marie Jaricot, die am 22. Juli 1799 als jüngstes von acht Kindern eines reichen Seidenfabrikanten in Lyon zur Welt kommt, genießt das elegante gesellschaftliche Leben und die Möglichkeiten, die ihr der Wohlstand der Familie bietet. Das Nesthäkchen wächst in einer liebe vollen, zutiefst christlichen Familie auf und zeigt sich schon als Kind sehr empfänglich für religiöse Erfahrungen. Doch nichts deutet darauf hin, dass Pauline das missionarische Handeln der Kirche schon bald revolutionieren wird.

Sie ist gerade siebzehn, als sie mit ihrem bisherigen Lebensstil radikal bricht. Nach eigenem Bekunden fällt ihr das zwar entsetzlich schwer. Aber als sie die Predigt eines Lyoner Priesters hört, kann sie nicht anders. Pauline selbst bezeichnet seine Worte als Wendepunkt, der sie alles in Frage stellen lässt, was ihr bis dahin wichtig war.

Schnell entwickelt die junge Französin einen hellwachen Blick für die elenden Lebensbedingungen, unter denen die Arbeiter im Zuge der industriellen Revolution leiden. Die überzeugte Katholikin sucht ihre eigenen Antworten und legt dabei ein enormes Organisationstalent an den Tag. Sie widmet sich der Armenfürsorge, organisiert Einkommen schaffende Maßnahmen für arbeitslose Mädchen, kümmert sich um Kranke und in Not geratene Menschen. Ihre Empörung über das Elend und die Verzweif lung der Arbeiter wird sich die Fabrikantentochter zeitlebens erhalten. Dabei ruhig zu bleiben, schreibt sie später, gelinge ihr oft nur, wenn sie sich alles in den Mund stopfe, was gerade zur Hand sei.

Bei allem sozialen Engagement spürt Pauline aber auch, dass das Elend der Armen tiefer geht und karitative Maßnahmen allein nicht genügen. Die Französische Revolution hat ihre Spuren hinterlassen. Die junge Frau, die für sich selbst den Weg des gottgeweihten, ehelosen Lebens wählt, will der geistlichen Dürre und spirituellen Not ihrer Zeit entgegenwirken. Gott den Platz in einer Gesellschaft zurückzugeben, die lebt, als gäbe es Gott nicht, wird zu ihrer Lebensaufgabe.

Revolutionär: In dieser Seidenfabrik startete sie mit Gebet und einem Sou pro Woche die Laienmission.
Revolutionär: In dieser Seidenfabrik startete sie mit Gebet und einem Sou pro Woche die Laienmission. © missio-Archiv

Mitstreiterinnen findet Pauline weniger in ihrem eigenen gesellschaftlichen Umfeld als unter den armen Arbeiterinnen und Dienstmädchen der Stadt, die sie um sich sammelt, um sie für ein Leben nach christlichen Werten zu gewinnen. Pauline ist überzeugt: Kein katholischer Christ wird seine Seele retten können, wenn er sich nicht für das Seelenheil der anderen einsetzt. Tief verankert in einer Herz-Jesu-Spiritualität möchte sie dem in ihrer Gesellschaft so sehr verkannten Herzen Jesu Wiedergutmachung leisten. Ihrer kleinen Bewegung gibt sie den klingenden Namen „Frauen der Wiedergutmachung“.

Pauline will ihre religiöse Erfahrung mit so vielen Menschen wie möglich teilen. Und so beschränkt sich ihr Engagement nicht lange auf die französische Gesellschaft. Bestärkt durch ihren zwei Jahre älteren Bruder Phileas, der ihr eng verbunden ist und später Priester wird, entdeckt sie ihre Leidenschaft für die Überseemission. Zwar bleibt ihr als Laienkatholikin selbst der Weg dorthin verwehrt, und es wird noch mehr als 100 Jahre dauern, bis Frauen außerhalb einer Ordensgemeinschaft in die Mission gehen können. Doch Pauline findet ihren eigenen Weg.

Die Wirren der Revolution haben die Missionsarbeit französischer Ordensgemeinschaften in eine tiefe Krise gestürzt. Die Missionsstationen befinden sich in einer desolaten finanziellen Situation. Inspiriert von der protestantischen Missionsbewegung in Großbritannien organisiert die mittlerweile 19-Jährige Gruppen nach dem Schnellballsystem, die die Mission durch ihr Gebet und ihre regelmäßige Spende, den berühmten Sou pro Woche, unterstützen. Was unter den Mädchen von Paulines Wiedergutmachungs-Bewegung beginnt, erreicht bald Tausende. Die Aktion wird zur Geburtsstunde der katholischen Laienmissionsbewegung. Es dauert nicht lange, bis Verantwortliche der Kirche auf die erfolgreiche Initiative aufmerksam werden und sie übernehmen. Die eigentliche Gründung der Gesellschaft zur Verbreitung des Glaubens, auf die heutige Missionswerke wie missio zurückgehen, findet jedoch ohne Pauline statt. Mit 22 Jahren folgt sie schweren Herzens der Weisung ihres Beichtvaters, der die begabte geistliche Schriftstellerin zur Kontemplation berufen sieht, und zieht sich für Jahre aus dem aktiven Leben zurück.

Pauline Jaricot hat mit ihrer Initiative eine grenzüberschreitende Solidarität von Laien in der Kirche begründet. Soziales Handeln und Glaubensweitergabe gehörten für sie untrennbar zusammen. Aus Anlass ihres 150. Todestages am 9. Januar 2012 werden wir in diesem Jahr in lockerer Folge über ihr Leben und Werk berichten.

Katja Heidemanns

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