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„Ich hatte nicht die geringste Erfahrung“

Sie sind Anwalt der Armen, Seelsorger und Entwicklungshelfer in einer Person: Auf den Priester setzen die Menschen in Afrika oft ihre ganze Hoffnung. Zwei Pfarrer aus Äthiopien berichten, wie sie mit völlig unerwarteten Aufgaben zurechtkommen.

Wie erleben Sie die Arbeit im Flüchtlingslager?

Als eine reiche, tiefe Erfahrung. Im Lager gibt es viele Herausforderungen – was das Leben der Flüchtlinge angeht, aber auch aufgrund der verschiedenen Menschen mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen. Sie zu begleiten, verpflichtet einen, offen zu sein, geduldig und bereit, sie auf vielerlei Weise zu unterstützen.

Pfarrer Ghidey Alema (60, r.) ist eigentlich Gemeindepriester in Shire im Norden Äthiopiens. Im Juli 2013 beauftragte ihn der Bischof von Adigrat, Tesfay Medhin, sich gemeinsam mit einem zweiten Priester um die eritreischen Flüchtlinge in den vier Lagern nahe der Grenze zu kümmern. Eine zeitraubende Zusatzaufgabe. Für eine Strecke durch das Simin-Gebirge braucht „Abba Ghidey“, wie die Flüchtlinge ihn liebevoll nennen, zwei Stunden.
Pfarrer Ghidey Alema (r.) kümmert sich um eritreische Flüchtlinge in vier Lagern im Norden Äthiopiens. © Hartmut Schwarzbach / missio

Was sind die größten Herausforderungen?

Für mich ist die größte Herausforderung die große Zahl junger Leute, die illegal aus dem Camp fliehen. Auf der Suche nach einem besseren Leben machen sie sich auf die riskante Reise in die sogenannten reichen Länder und sind stattdessen mit Not und oft dem Tod konfrontiert. Ich treffe sie einige Wochen lang im Lager, und dann sind sie auf einmal nicht mehr da. Es fällt mir schwer, das anzunehmen, weil ich mich unfähig fühle, noch irgendetwas für sie zu tun. Das ist wirklich ein großes Problem.

Die zweite Herausforderung ist die extreme Armut der Flüchtlinge: Ihnen fehlt es an so Vielem, sogar um ein einfaches Leben zu führen. Aber wir Priester können nicht alle Not lindern. Es ist sehr schwer, ihr Leid zu sehen und nicht in der Lage zu sein, irgendetwas dagegen zu tun. Ich weiß, dass nur das Gebet und die Gnade Gottes eine Antwort auf ihren Hilferuf sein kann.

Welche Voraussetzungen braucht man für die Arbeit im Flüchtlingslager?

Ich glaube, dass sicherlich Geduld, die Fähigkeit zuzuhören – auch über eine lange Zeit –, die Fähigkeit, aus psychologischer und sozialer Sicht zu beraten extrem wichtig für diese Menschen sind, die so viele Verletzungen in sich tragen.

Haben Sie sich gut auf diese Aufgaben vorbereitet gefühlt?

Auf diese spezielle Arbeit bestimmt nicht. Aber dank Gottes Gnade und meiner früheren Erfahrungen kam ich damit zurecht. Ich habe drei Jahre an der Grenze zwischen Äthiopien und Eritrea verbracht, als Krieg zwischen den beiden Ländern herrschte. In dieser Zeit habe ich mit Leuten zusammengelebt, die ihr Zuhause und ihr Land an der Front zurückgelassen hatten, um zu überleben. Und ich bin seit 20 Jahren Priester: Diese zwei Erfahrungen helfen mir, es mit dem neuen Dienst aufzunehmen, den die Kirche mir anvertraut hat.

Welche Unterstützung würden Sie sich für Ihre Arbeit wünschen?

Wegen der Entfernung zwischen unserer Pfarrei in Shire und den vier Flüchtlingslagern, in denen wir arbeiten, sind wir nicht in der Lage, auf alle Anfragen und Bedürfnisse der Menschen dort zu reagieren. Wir würden unter den Flüchtlingen gerne Menschen finden, die die Bereitschaft haben und fähig sind, uns zu helfen und uns zu vertreten, wenn wir nicht im Camp sind, um unseren Dienst dort fortzusetzen und auszuweiten. Um das zu erreichen, brauchen wir Menschen, die die Flüchtlinge ausbilden und ein solches Programm ermöglichen.

Hätten Sie sich gewünscht, besser für die Arbeit mit den Flüchtlingen ausgebildet zu sein?

Ja, ich denke, dass eine Art Soziologie- oder Psychologiestudium oder Kenntnisse über Migration hilfreich wären. Wenn es Gottes Wille ist. Ich bin sehr froh über dieses Interview. Es gibt mir Gelegenheit, meinen Dienst zu überdenken und neu zu lesen.

Wie erleben Sie die Arbeit im Gefängnis?

Meine Arbeit im Gefängnis ist eine große Herausforderung. Jemanden leiden zu sehen, bricht mir das Herz. Und es ist wirklich hart, das jeden Tag zu erleben. Diese demütigende und unmenschliche Behandlung der Häftlinge hinzunehmen, bereitet mir Kopfzerbrechen.

Pfarrer Girma Firrissa (62, r.) ist Diözesanpriester in Addis Abeba. Vor elf Jahren betraute ihn der Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyeseus Demerew Souraphie, mit der Gefängnisseelsorge im Bistum. Eine Herkulesaufgabe. Das Erzbistum hat die Fläche von Großbritannien, manche der insgesamt 40 Haftanstalten sind 400 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Mit einem kleinen Team von Laien betreut Pfarrer Firrissa die Häftlinge in elf Gefängnissen.
Pfarrer Girma Firrissa (r.) leitet die Gefängnisseelsorge im Bistum Addis Abeba. © Hartmut Schwarzbach / missio

Was sind die größten Herausforderungen?

Im Gefängnis gibt es zahlreiche Herausforderungen, besonders die Lebensbedingungen der Häftlinge, der Mangel an sauberen Schlafplätzen, an ordentlichem Essen, an medizinischer Behandlung und Medikamenten.

Welche Voraussetzung braucht man für die Arbeit mit Häftlingen?

Fachkompetenz in Psychologie und Beratung auf dem aktuellsten Stand.

Haben Sie sich gut auf diese Aufgabe vorbereitet gefühlt?

Am Anfang hatte ich nicht die geringste Erfahrung in der Arbeit mit Gefangenen. Das macht die Arbeit schwierig. Nach und nach bin ich jedoch mit dem System zurechtgekommen und jetzt versuche ich, die Verhältnisse ein wenig zu verstehen.

Welche Unterstützung würden Sie sich für Ihre Arbeit wünschen?

Oh, ich brauche Unterstützung in vielerlei Hinsicht, um die Probleme bewältigen zu können – oder zumindest einige davon. Aber dazu benötigt man ausreichende finanzielle Mittel. Was die fachlichen Voraussetzungen angeht, brauche ich natürlich die Fähigkeit, einem verwundbaren Häftling zur Seite zu stehen. Da sie keine eigene Stimme haben, möchte ich, wenn möglich, vor Gericht Gehör verschaffen. Ich will die Psyche der Gefangenen verstehen, daher muss ich mir Fachwissen in Psychologie und psychologischer Beratung aneignen.

Hätten Sie sich gewünscht, besser für die Arbeit mit den Gefangenen ausgebildet zu sein?

Ja, ich wäre gerne besser qualifiziert für die Gefängnisseelsorge und zwar so, dass ich die Häftlinge psychologisch, moralisch und durch entsprechende Beratung unterstützen kann. Außerdem würde ich ihnen gerne helfen, ihr eigenes Leben zu verstehen und wertzuschätzen, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sie zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft zu machen.

Die Fragen stellte Beatrix Gramlich.

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