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Aktion Schutzenegel

Mein Brautkleid für Afrika

Ein junges Paar überlebt den Bürgerkrieg im Kongo, aber kurz nach der Verlobung wird die Braut von Rebellen vergewaltigt und deshalb von den Schwiegereltern verstoßen. Nach traumatischen Jahren wollen Emerida und Janvier endlich Hochzeit feiern. Die Braut träumt von einem weißen Kleid, aber ist so arm, dass daran nicht zu denken ist. Jetzt erfüllt ihr eine Straßenbahnerin aus Deutschland den Wunsch.

Voller Vorfreude: Emerida M’Nfundiko und Janvier Centwali sind glücklich, dass sie mit Hilfe aus Deutschland nun endlich heiraten können.
Voller Vorfreude: Emerida M’Nfundiko und Janvier Centwali sind glücklich, dass sie mit Hilfe aus Deutschland nun endlich heiraten können. © Harald Oppitz / missio

Für die meisten Frauen ist es das wertvollste Kleidungsstück, das sie besitzen. Wenige Stunden nur getragen und dennoch so teuer wie kaum ein zweites. Rund 100.000 kirchliche Trauungen werden Jahr für Jahr in Deutschland gefeiert. Genauso viele Brautkleider verschwinden nach ihrem kurzen, aber glänzendem Auftritt in der Kirche für alle Ewigkeit im Dunkel der Kleiderschränke. Den Traum von einem weißen Hochzeitskleid hatte sich auch Susanne Jung aus Nordrhein-Westfalen erfüllt. Im Januar 2006 gab sie ihrem Mann auf dem Standesamt das Ja-Wort, im Juni folgte die kirchliche Trauung ganz in Weiß. Seitdem ist sie glücklich verheiratet. Ihr Kleid der Kleider hat sie sorgsam im Schrank aufbewahrt.

Geschenk für eine unbekannte Afrikanerin

Nach all den Jahren will die 50-Jährige es nun vom Bügel nehmen und einer afrikanischen Frau schenken, die sie noch nie getroffen hat. Das himmlische Second-Hand-Stück soll auf eine Reise von vielen Tausend Kilometern gehen. „Die Frauenzeitschrift TINA hatte über ein junges Paar aus dem Kongo berichtet“, erinnert sich Susanne Jung. Der Text handelt von dem missio-Hilfsprojekt im Osten des afrikanischen Landes.

Verschiedener könnten die Welten der beiden Bräute nicht sein. Susanne Jung wohnt in Bergheim bei Köln und ist bei der Rheinbahn angestellt. Dort hat sie als Straßenbahnfahrerin und Kontrolleurin gearbeitet und ist nun im Innendienst tätig. In der Heimat der afrikanischen Braut herrschen bittere Armut und seit Jahren ein blutiger Bürgerkrieg, der wegen der brutalen Vergewaltigungen berüchtigt ist. Susanne Jung liest die Geschichte von Janvier Centwali und seiner Freundin Emerida M'Nfundiko. Sie ist berührt von deren Schicksal. Das Paar ist verliebt, verlobt und voller Träume. Sie wünschen sich Kinder und ein Stückchen Land, das sie bewirtschaften wollen. Doch wenige Tage nach der Verlobung überfallen Rebellen ihr Dorf und vergewaltigen die Frau. Sie kommen mit dem nackten Leben davon. Doch anstatt dem traumatisierten Opfer zu helfen, wird es verachtet. Die Schwiegereltern lassen die Hochzeit platzen. Denn Vergewaltigung sei eine Schande und ihr Sohn könne eine solche Frau nicht heiraten. Einzig ihr Verlobter steht zu ihr. Er hält es nicht mehr bei seinen kaltherzigen Eltern aus und sucht verzweifelt Hilfe.

Das Trauma überwinden

„Als ich gelesen habe, was der Frau zugestoßen ist und dass die Schwiegereltern die Hochzeit abgesagt haben, da ich habe gedacht, so was darf es gar nicht geben“, sagt Susanne Jung empört. Ein wenig Hoffnung kommt bei ihr auf, als sie hört, dass das junge Paar Zuflucht und Hilfe in einem von missio unterstützten Trauma-Zentrum erhalten hat. Es ist ein langer Prozess, die seelischen Wunden zu heilen und sich der Anfeindungen der Familie zu widersetzen. Inzwischen lebt das kongolesische Paar in einer bescheidenen Hütte ohne Strom und fließend Wasser. Gerne würden sie endlich Hochzeit feiern, doch sie sind so arm, dass es ihnen an allem fehlt. Auch das Geld für die notwendige Mitgift können sie ohne die Hilfe der Schwiegereltern nicht aufbringen.

Geteiltes Glück:Mit ihrem Kleid macht Susanne Jung einer Braut im Kongo ein großes Geschenk. © privat

„Ich möchte so gerne in einem richtigen Brautkleid heiraten“, träumt die junge Verlobte. Als Susanne Jung das liest, ist ihr klar. „Die Braut bekommt mein Hochzeitskleid.“ Sie selber sei so erzogen worden, stets zu helfen, wenn jemand in Not ist. Dann erinnert sie sich an die Zeit als sie noch ein kleines Mädchen war. Im Ort hatte es gebrannt und mehrere Familien waren ob dachlos geworden. „Wir nahmen dann ein Nachbarkind für einige Zeit bei uns auf.“ Ihr eigenes Kleid soll das Hochzeitsgeschenk für das kongolesische Paar sein.

Für die bevorstehende Trauung hätte das Paar keinen besseren Priester als Pfarrer Justin finden können. Denn der missio-Projektpartner koordiniert als Direktor der katholischen Menschenrechtsorganisation „Gerechtigkeit und Frieden“ die Arbeit in den Trauma-Zentren. „Ich weiß noch als ich Emerida und Janvier zum ersten Mal sah. Sie konnten nicht darüber sprechen, was ihnen angetan wurde. Sprachlos und verstört starrten sie auf den Boden.“ 600 Frauen, Männern und Kindern, die wie das junge Paar Opfer des Krieges geworden waren, konnte das Team des katholischen Priesters durch Spenden aus Deutschland helfen.

In der Kirche, wo die Trauung stattfinden soll, hat viele Jahre lang einer der besten Freunde von Pfarrer Justin gearbeitet. Mit ihm studierte er zusammen Theologie. Doch weil er Frieden predigte, geriet er ins Visier der Rebellen. Nachts überfielen sie das Pfarrhaus und erschossen den Geistlichen. Hier im Osten Kongos leiden alle unter der unsäglichen Gewalt. Gerade deshalb fiebern alle der bevorstehenden Hochzeit entgegen. Es soll ein Freudenfest werden und Hoffnung bringen in Zeiten des Krieges. Noch vor der Hochzeit will Pfarrer Justin, der überall als moralische Instanz gilt, auf die Schwiergereltern zugehen und ihnen ins Gewissen reden. Nur so könnte in die Familie wieder Frieden einkehren.

Mit Nadeln und Improvisationstalent

Sorgfältig verpackt Susanne Jung den langen Rock mit den Ornamenten und das weiße Oberteil in einen schwarzen Kleidersack. Mit Hilfe von missio wird das Paket in den Kongo gebracht. „Ob das Kleid auch wirklich passt?“, sorgt sich die Bergheimerin. Doch darüber muss sie sich keine Gedanken machen. Mit afrikanischem Improvisationstalent und ein paar Nadeln wird schon alles passend gemacht.

Nur einen Moment hatte Susanne Jung überlegt, was ihr Mann zu ihrer Entscheidung sagen könnte. Denn so einfach gibt niemand ein solches Erinnerungsstück ab. „Ich habe ihn dann einfach vor vollendete Tatsachen gestellt“, erklärt sie schmunzelnd. „Schließlich ist es mein Hochzeitskleid.“ Dem Paket legt sie einen kurzen Brief bei. „Ich hoffe, dass das Kleid dem jungen Paar Glück bringen wird.“ Hinzu kommt eines ihrer Hochzeitsfotos, auf dem sie mit ihrem Mann in die Kamera lächelt. Und insgeheim hofft sie, vielleicht aus dem fernen Kongo auch ein Bild zu bekommen, auf dem die afrikanische Braut ganz in Weiß mit ihrem Bräutigam zu Altar schreitet und sich freut, dass das Kleid nochmals in hellen Glanz erstrahlt.

Jörg Nowak

Linktipp:
Länderübersicht Kongo

Junges Glück

Lesen Sie hier Teil 2 der Geschichte von Emerida und Janvier.
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