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„Verdrängen des Leids macht die Gesellschaft brutal.“

Er selber sagt, dass es stimmt: Pater Anselm Grün schreibt jeden Dienstag und Donnerstag von sechs bis acht. Mit dieser Disziplin hat der 70-Jährige bis heute mehr als 300, vor allem spirituelle Bücher veröffentlicht. Bei einer missio-Veranstaltung in Aachen sprach der Benediktiner mit BWL-Diplom, der über Karl Rahner promoviert hat, von Angst und Hoffnung in Zeiten des Terrors.

Angst überwinden: Wer Angst zulässt, so Pater Anselm Grün, kann sie relativieren, den Augenblick bewusst leben und dankbar sein.
Angst überwinden: Wer Angst zulässt, so Pater Anselm Grün, kann sie relativieren, den Augenblick bewusst leben und dankbar sein. © Harald Oppitz / KNA

Pater Anselm, was sagen Sie den Menschen, die angesichts von Terror und Gewalt Angst haben? Was gibt uns Christen Halt?

Natürlich sind Attentate wie in Paris grausam, aber umso wichtiger ist es, im eigenen Herzen Frieden zu finden. Ich glaube, die Sehnsucht nach Frieden ist in allen Menschen groß. Und da hat das Christentum eine wichtige Botschaft: Versöhnung, Frieden. Wir müssen die Attentate im Kopf überwinden und nicht allein mit Gewalt.

Als Christen sollen wir ja sogar unsere Feinde lieben ...

Manche meinen, die Feindesliebe wäre eine Überforderung. Bei Lukas heißt es: Die Konkretisierung der Feindesliebe ist: „Segnet, die Euch verfluchen.“ Manchmal bitte ich beim Segnungskurs darum, dass man jemanden segnet, mit dem man schwer auskommt. Eine Frau meinte, dass sie das unmöglich tun könne. Aber dann hat sie es doch probiert und gemerkt, dass das Segnen ein Schutz für sie selbst war. Sie ist aus der Opferrolle ausgestiegen. Wir müssen von der Opferrolle Abschied nehmen, sonst werden wir selbst zu Tätern. Segnen ist etwas Aktives. Ich schicke Segen, das tut mir gut, und ich habe Hoffnung für den anderen. Es wäre sicherlich in dieser Zeit ein Weg, Segen zu schicken, in der Hoffnung, dass Menschen verwandelt werden. Dass diejenigen, die zerrissen sind, Versöhnung finden im Herzen, dass der Segen Gottes sie mit Frieden erfüllt.

Wie können wir der Versuchung widerstehen, Gewalt mit Gegengewalt zu begegnen?

Natürlich ist es wichtig, dass wir uns wehren, dass wir schauen: Was können wir machen? Aber nicht aus Rache. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Die Frage ist vielmehr: Was sind die Ursachen für Gewalt? Die Ursachen sind Unsicherheit, Angst. Wenn einer alle Ungläubigen bekämpfen muss, dann hat er Angst vor dem Unglauben im eigenen Herzen. Eigentlich bekämpfen die Terroristen ihre eigene Unsicherheit. Da ist es Aufgabe des Islam, klar zu sagen, was Glaube ist und was nicht.

Was bedeutet in unseren Zeiten die Zusage „Fürchtet euch nicht“?

Wir haben natürlich trotzdem Angst. Angst vor dem Tod hat jeder. Keiner weiß, wann wir sterben. Aber wenn wir mit der Angst sprechen, dann ist die Angst die Einladung, im Augenblick zu leben, dankbar zu leben. Und zu sagen, durch was ich sterbe, ob durch Krankheit, durch einen Unfall oder sonst etwas, das ist nicht so entscheidend, sondern das Vertrauen: Wir sind in Gottes Hand – und auch im Tod sind wir in Gottes Hand.

Was können wir tun, um dieses Vertrauen zu erreichen?

Vertrauen kann nicht gegen die Angst errungen werden, sondern nur im Gespräch mit der Angst. Wenn ich die Angst zulasse, kann ich sie relativieren. Gerade die Todesangst lädt mich ein, jetzt im Augenblick zu leben und den Menschen, denen ich begegne, freundlich und bewusst zu begegnen.

Kann die Auferstehung uns Christen Kraft für den Alltag geben?

Der Tod ist für uns nicht das letzte Wort, sondern wir glauben an die Auferstehung. Das heißt, das Leben ist begrenzt, und wenn wir um diese Begrenzung wissen, dann leben wir intensiv. C.G. Jung, der Schweizer Therapeut sagt, ab der Lebensmitte bleibt nur der lebendig, der zu sterben bereit ist. Und es sind auch diejenigen, die nie gelebt haben, die dann Angst haben. Denn ungelebtes Leben kann man nicht loslassen.

Das müssen Sie erklären!

Wenn ich von anderen gelebt werde und nicht selber lebe, nicht bewusst lebe, sondern mich leben lasse. In der Bibel heißt es, „sie starben satt an Leben“. Wenn ich bewusst lebe, dann kann ich auch loslassen. Aber wer krampfhaft festhält – das sind meistens die Menschen, die nie gelebt haben.

Das heißt also, achtsam zu sein?

Im Augenblick leben, wahrnehmen, was ist eine Begegnung, was ist ein Gespräch? Das Geheimnis des Lebens in jedem Augenblick spüren, das Licht spüren in diesem Augenblick.

Worauf können wir im Anblick von Leid unsere Hoffnung setzen?

Das Christentum ist ja gerade in der Fastenzeit, in der Passionszeit, das Gedächtnis des Leidens. Und wir merken, wo Leiden verdrängt wird, wird die Gesellschaft immer brutaler. Indem wir an das Leiden Jesu denken und seinem Leid das Leiden dieser Welt gegenwärtig machen, humanisieren wir die Gesellschaft. Das Verdrängen des Leids macht die Gesellschaft hart und brutal. Das Gedächtnis des Leidens zeigt den Leidenden, dass sie nicht ausgeschlossen sind, sondern zur Gemeinschaft gehören und, so hat Paulus erzählt, die Gemeinschaft mit Jesus erfahren können.

Interview: Beatrix Gramlich

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