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„Trotz aller Leiden erlebten wir Augenblicke der Gnade“

Der syrisch-katholische Priester Jacques Mourad wurde von Terroristen des „Islamischen Staates“ entführt. Am 10. Oktober 2015 konnte er fliehen. Er glaubt: Gerettet hat ihn sein lebenslanger Einsatz für den christlich-muslimischen Dialog. Ein Gespräch.

Das Schicksal des 2013 entführten Jesuiten Paolo Dall’ Oglio, der seine Gemeinschaft nach dem alten Felsenkloster Mar Musa nannte, ist weiterhin unklar.
Das Schicksal des 2013 entführten Jesuiten Paolo Dall’ Oglio, der seine Gemeinschaft nach dem alten Felsenkloster Mar Musa nannte, ist weiterhin unklar. © Hartmut Schwarzbach / missio

Herr Mourad, haben Sie sich in fünf Monaten Gefangenschaft verändert?

Ich? Nein, ich habe das gleiche Lächeln, die gleiche Hoffnung, das gleiche Engagement in meinem Glauben.

Aber Sie und Ihr Mitgefangener waren im Hauptquartier des sogenannten „Islamischen Staates“ in Raqqa in einem Badezimmer eingesperrt. Diese Terrororganisation gilt als eine der grausamsten. Wie konnten Sie das aushalten?

Als wir nach Raqqa gebracht wurden, waren meine Augen verbunden und meine Hände gefesselt. Wir sind sehr schnell und sehr lange gefahren. Man weiß nichts, man sieht nichts. Man hat das Gefühl, dass das Leben bald zu Ende ist, dass die Zukunft finster ist. Aber ich konnte gleichzeitig auch so etwas wie einen inneren Schrei hören, dass ich letzten Endes meiner Freiheit im wahrsten Sinne des Wortes entgegenfahre. Dieser Schrei kam aus dem Tiefsten meines Herzens und er hat mir Geduld und Mut gegeben. So haben wir diese Zeit verbracht.

Können Sie dieses Gefühl noch näher beschreiben?

Trotz aller Leiden erlebten wir Augenblicke der Gnade, die meine Seele nicht unberührt ließen und die Zeit verwandelten. Gott hat mir einen wunderbaren inneren Frieden gegeben. Mir half das Gebet des Rosenkranzes. Wenn ich mich an Maria wende, fühle ich wirklich einen Zustand des tiefen inneren Friedens.

Was passiert aber, wenn man wie Sie in Raqqa konkret mit dem Tod bedroht wird?

Dieser Frieden hat alle Traurigkeit, allen Schmerz, alles Leid, das man sich für jemanden vorstellen kann, der in Gefangenschaft sitzt, verschwinden lassen. Selbst als sie mir drohten, dass ich enthauptet werde, wenn ich nicht zum Islam konvertieren wolle, fühlte ich mich in diesem inneren Frieden geborgen. Ich habe immer volles Vertrauen in Gott gehabt, dass er alles ändern, alles umwandeln kann. So ist es einfach.

Jacques Mourad

Jacques Mourad ist syrisch-katholischer Priester. Er ist Mitglied der Gemeinschaft Mar Musa, die zuletzt im 1600 Jahre alten Kloster Mar Elian nahe der syrischen Ortschaft Karjatain wirkte. Diese Gemeinschaft lebt den christlich-islamischen Dialog alltäglich.
© Matthias Vogt / missio

... ist syrisch-katholischer Priester. Er ist Mitglied der Gemeinschaft Mar Musa, die zuletzt im 1.600 Jahre alten Kloster Mar Elian nahe der syrischen Ortschaft Karjatain wirkte. Diese Gemeinschaft lebt den christlich-islamischen Dialog alltäglich gemeinsam mit Muslimen. Am 15. Mai 2015 wurde Jacques Mourad vermutlich von Terroristen des sogenannten Islamischen Staates (IS) entführt. Sie hielten ihn bis zum 11. August 2015 im syrischen Raqqa gefangen. Später wurde er in die Nähe von Palmyra gebracht. Von dort aus konnte er am 1. September nach Karjatain zurück kehren. Am 10. Oktober gelang Jacques Mourad mithilfe eines muslimischen Einheimischen die Flucht. IS-Terroristen zerstörten das Kloster Mar Elian im August 2015. Es war ein Zentrum der syrisch-katholischen Kirche. Zum Fest des Hl. Elian, einem Märtyrer aus dem 3. Jahrhundert, pilgerten jährlich am 9. September Tausende Gläubige dorthin.

Aus Raqqa wurden Sie mit anderen Gefangenen zurück nach Karjatain gebracht, wo Sie ja vor ihrer Entführung gelebt hatten. Sie durften die Stadt zwar nicht verlassen, aber konnten sich dort einigermaßen frei bewegen. Warum mussten Sie schließlich am 10. Oktober 2015 endgültig aus Karjatain fliehen?

Am Tag vor meiner Flucht habe ich erfahren, dass mich die Polizei des sogenannten „Islamischen Staates“ sucht, weil ich mitgeholfen habe, dass unverheiratete christliche Frauen fliehen konnten. Diese Frauen sollten mit den Terroristen verheiratet werden. Deshalb musste ich selbst fliehen, weil ich ansonsten jetzt nicht mehr leben würde. Ich konnte mithilfe eines jungen Muslims fliehen. Jetzt sucht uns der sogenannte „Islamische Staat“ beide, um uns zu töten. Deswegen hoffe ich sehr, dass ich für den jungen Muslim etwas tun kann, damit er Syrien verlassen kann, weil es für ihn dort zu gefährlich geworden ist.

Sie sind ein Priester der syrisch-katholischen Kirche und der Gemeinschaft Deir Mar Musa, die den christlich-islamischen Dialog im Alltag lebt. Welche Aufgabe hat die Kirche in Syrien?

Wir wollen im Dienst am Menschen den Opfern, Armen, Familien und Flüchtlingen in Syrien und dem Irak nahe sein, um sie zu trösten. Wir wollen bezeugen, dass Jesus Christus barmherzig ist. Wir wollen, dass die Barmherzigkeit Gottes, die in Jesus Christus Fleisch geworden ist, durch unser Tun weiter Fleisch annimmt.

Was empfinden Sie dann, wenn jetzt so viele Menschen aus Syrien und dem Irak fliehen müssen?

Mein tiefster Wunsch ist es, allen aus diesem Elend zu helfen, nicht allein den Christen. Aber als Priester fühle ich mich besonders für meine Glaubensgeschwister in Syrien verantwortlich. Ich muss immer wieder an die Brüder und Schwestern, die Männer, Frauen und Kinder in meiner Gemeinde denken. Ich frage mich ständig, was die Lösung sein kann, damit diese Menschen nicht fliehen müssen. Ich kenne zum Beispiel zwei junge Mädchen aus Karjatain. Sie wollten dem Tod in Syrien durch Krieg und Bomben entfliehen. Während der Flucht sind sie aber im Mittelmeer ertrunken. Das ist doch keine Lösung. Das alles ist unendlich traurig.

Und was können die Gläubigen in Deutschland für die Menschen in Syrien tun?

Zuerst bitte ich um das Gebet. Ich glaube, dass mich das Gebet aller Menschen, die mich kennen und nicht kennen, und das Gebet der Kirche vor dem Tod bewahrt haben. Für mich ist das Gebet weltweit der erste Weg, uns von diesem Krieg und Leiden, die wir in Syrien erleben müssen, zu befreien. Und das zweite ist: Die Menschen in Deutschland sollen sich für eine politische Lösung der Konflikte im Nahen und Mittleren Osten einsetzen. Ich bin ganz fest überzeugt: Gewalt erzeugt nur Gegengewalt. Vor allem Syrien und Irak brauchen nötiger denn je den Dialog. Wenn wir als Kirche zu diesem Dialog beitragen können, dann sollen wir es tun.

Interview: Matthias Vogt

Linktipp

  • Syrien

    Syrien ist ein Staat in Vorderasien und Teil des Maschrek. Es grenzt im Süden an Israel und Jordanien, im Westen an den Libanon und das Mittelmeer, im Norden an die Türkei und im Osten an den Irak.

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