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Die soziale Vorkämpferin

Pauline Jaricot will soziale Gerechtigkeit. Schon früh hat sie ein Herz für die Armen. © missio-Archiv

Ihre Bedeutung für die katholische Laienmissionsbewegung und das Rosenkranzgebet haben sie bekannt gemacht. Über ihr Eintreten für Arbeiterrechte dagegen wissen wir wenig. Mit ihrer Vision von gerechten Arbeitszeiten und Löhnen, menschenwürdigen Wohnverhältnissen und Gewinnbeteiligung nahm Pauline-Marie Jaricot wesentliche Forderungen der katholischen Soziallehre vorweg.

Für die kleine Pauline ist die Sache ganz einfach. Die Quelle im Brunnen versiege nicht, hatte ihr die Mutter erklärt. Also wünscht sich die Siebenjährige einen Brunnen voll Gold für die Notleidenden, damit die Armut ein Ende habe. Ihre lebenspraktische Art wird sich die mutige Französin Zeit ihres Lebens erhalten, auch wenn sie später erkennen muss, dass Geld und Gold allein die verzweifelte Lage der Arbeiter kaum ändern.

Das Lyon Pauline Jaricots im 19. Jahrhundert ist das Zentrum von Frankreichs Seidenindustrie. Die Stadt zählt 165 000 Einwohner, etwa 30 000 sind in den Seidenwebereien beschäftigt. Die Arbeiter leben unter erbärmlichen Umständen, oft in den Werkstätten der Familienbetriebe, die selbst für die Besitzer kaum genug abwerfen. Die harten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiterfamilien beschäftigen Pauline. Sie selbst genießt eine sorglose Jugend. Auch ihre Familie verdient ihr Geld mit Seide und lebt nicht schlecht davon. Pauline stehen alle Wege offen. Doch ihr karitatives Engagement und die Suche nach Unterstützern ihrer Missionsbewegung bringen sie früh in Kontakt mit den Armen. Anders als in ihren Gesellschaftskreisen üblich, weigert sich Pauline, Armut als Folge von Faulheit zu betrachten. Sie sieht das Leid der Arbeiter, die 16 Stunden am Tag unter härtesten Bedingungen schuften und trotzdem kein Essen auf den Tisch bringen können, und notiert: „Beim Arbeiter schwächt das Elend nach und nach den Mut und die Tugend. Die reichen Leute ahnen in ihrem Überfluss und in ihrer Sicherheit gar nicht, was ein Vater oder eine Mutter empfinden, wenn die Kinder nach Brot verlangen, während es an Arbeit mangelt oder eine Krankheit jede Arbeit unmöglich macht.“

Haus Lorette

Pauline versucht auf ihre Weise, das Leid zu lindern. Sie pflegt Kranke, unterrichtet die sich selbst überlassenen Kinder und verschafft jungen Frauen Arbeit in der Seidenfabrik ihres Schwagers. Immer bemüht sie sich dabei, die Hilfe zum Lebensunterhalt mit Hilfe zum Glauben zu verbinden. Die in der

Fabrik wohnenden Arbeiterinnen versucht Pauline, nach Art eines katholischen Mädcheninternats zu organisieren – Hausordnung und religiöse Unterweisung eingeschlossen. Die Bilanz ihrer Initiativen zur Bekehrung der Arbeiterschaft ist durchwachsen, aber Pauline lässt sich nicht entmutigen. Überzeugt, dass alle Menschen als Kinder Gottes das Recht auf ein menschenwürdiges Leben haben, will sie soziale Grenzen überwinden und ihre religiöse Erfahrung mit den Armen teilen.

In Lyon wird die Lage für die Arbeiter und deren Familien immer dramatischer. Die industrielle Revolution beschleunigt die Verelendung. Heimweber und kleine Familienbetriebe können nicht mithalten mit der kostengünstigeren Produktion der mechanischen Webstühle in den Fabriken. Wurden zuvor Festpreise gezahlt, regiert jetzt das Gesetz des Marktes. Arbeitern wird bei Strafe verboten, sich zu organisieren. 1831 und 1834 versuchen Seidenweber den Aufstand, beide Male´wird der Protest vom Militär blutig niedergeschlagen. Pauline erlebt die Aufstände aus nächster Nähe, spürt die Tragweite der Arbeiterfrage. Ohne soziale und politische Hintergründe völlig zu erfassen, sucht sie eigene Antworten. Sie nimmt wahr, wie den Armen, die durch die industrielle Revolution ihre Arbeit verloren haben, selbst die Kraft fehlt, um Brot zu betteln. Für das Klima von Gewalt und offener Verzweiflung gibt es für sie nur eine Lösung: die Rückkehr zum Glauben. Wie viele sozial engagierte Katholiken ihrer Zeit ist sie überzeugt, dass der Verlust des Glaubens durch die französische Revolution die Wurzel der gesellschaftlichen Konflikte ist.

Pauline träumt davon, eine christliche Gemeinschaft von Arbeitern aufzubauen, in der die Löhne reichen, um die Familien zu ernähren, Kinder unterrichtet, Alte und Kranke versorgt werden. Da ihr Vermögen nicht reicht, um das Projekt zu realisieren, wirbt sie um Einlagen in die von ihr gegründete „Bank des Himmels“. Vor allem bei den „kleinen“ Leuten findet sie Unterstützer. 1845 erwirbt sie eine Fabrik mit kleinen Hochöfen in der Nähe von Apt (Vaucluse), die nach gerechten, sozialen Grundsätzen geführt werden soll. Zu spät erkennt Pauline, dass das Kapital von ihren Geschäftspartnern veruntreut wurde. Nach langen Prozessen und vielen Demütigungen steht sie mit leeren Händen da.

Verzweifelt versucht sie in ihren letzten zehn Lebensjahren, wenigstens den einfachen Leuten ihre Einlagen zurückzuzahlen. Sie selbst lebt von der Armenfürsorge der Pfarrgemeinde. Ihr Kampf gegen soziale Missstände bringt sie am Ende dorthin, wo sie sich Christus immer am nächsten gefühlt hat: Sie teilt die Lebensbedingungen der Armen. Pauline Jaricot stirbt mit 62 Jahren einsam, verarmt und krank, aber nicht verbittert.

Katja Heidemanns

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