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Aktion Schutzengel

Zwei Bräute und ein Hochzeitskleid

Ein Brautkleid fliegt nach Afrika: Susanne Jung spendete ihr schönstes Kleid für das junge Paar. © Bettina Flitner / missio

Sieben Jahre haben sie auf diesen Tag gewartet und für ihre Liebe gekämpft. Sieben Jahre lang wurde immer wieder versucht, diese Hochzeit zu verhindern. In diesem März konnte das kongolesische Paar Emerida und Janvier sich endlich das Ja-Wort geben. Es ist eine Geschichte in Zeiten des Krieges, die Dank der Hilfe aus Deutschland schließlich zu einem Happy-End führt.

Ein Brautkleid geht auf große Reise. Susanne Jung öffnet ihren Kleiderschrank, nimmt behutsam ihr schönstes Kleid vom Bügel. Sorgfältig legt sie es in einen schwarzen Kleidersack. Dazu kommt das Foto ihrer Hochzeit, als sie vor acht Jahren dieses Kleid trug. Eine fremde Frau in Afrika, deren Geschichte sie sehr berührt hat, soll ihr wertvolles Kleidungsstück erhalten.

Von ihrer Heimatstadt Bergheim schickt Susanne Jung das Paket zu missio in Aachen. Sie hatte gelesen, wie das Hilfswerk traumatisierte Opfer des Bürgerkrieges im Kongo unterstützt. Hunderte Frauen, Kinder und Männer suchen Hilfe in den Trauma-Zentren im Osten des Landes, wo seit Jahren ein blutiger Konflikt tobt und die wehrlosen Familien ihres Lebens nicht sicher sind. In dem von missio geförderten Zentrum fin den auch Emerida und Janvier Zuflucht. Stockend erzählt das junge Paar, was ihm zugestoßen ist.

Einen Monat nach ihrer Verlobung waren die beiden von Rebellen überfallen worden. „Ich wohnte noch bei meinen Eltern und hörte nachts Schüsse“, erinnert sich Janvier. Der erste Angriff galt dem Nachbardorf, wo Emeri da lebte. Dann kamen die Rebellen immer näher. Mit vorgehaltenen Kalaschnikows plünderten sie das ganze Hab und Gut von Janviers Eltern. Die Familie kam mit dem Leben davon. Am nächsten Morgen rannte Janvier zur Familie seiner Verlobten. Emerida war nicht mehr da. Die Rebellen hatten sie in den Busch verschleppt.

Monatelang von Rebellen vergewaltigt

Schätzungsweise sechs Millionen Menschen sind im Kongo während des Krieges getötet worden oder an Kriegsfolgen gestorben. Besonders berüchtigt sind die Rebellen wegen ihrer brutalen Massenvergewaltigungen. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen ist der Kongo für Frauen die gefährlichste Region der Welt. Nach fünf Monaten in den Fängen der Rebellen gelang Emerida die Flucht. Alle waren überglücklich, dass sie am Leben war. Emerida war stark geschwächt durch die Zeit im Busch und klagte über Unterleibsschmerzen. Unter Tränen berichtete sie, wie sie Tag für Tag von den Rebellen vergewaltigt wurde. Während Janvier schockiert und besorgt über die Gesundheit seiner zukünftigen Frau war, gingen seine Eltern auf Distanz. Seine Mutter sagte: „Die hat bestimmt Aids bekommen“ und schaute verächtlich auf die junge Frau herab. Schnell sprach sich in den Dörfern herum, Emerida sei eine „Rebellenbraut“.

Traumatisiert: Emerida wurde von Rebellen entführt und vergewaltigt. © Bettina Flitner / missio

Verständnis und Hilfe fanden die Verlobten nur in dem Trauma-Zentrum der katholischen Menschenrechtsorganisation für Gerechtig keit und Frieden. Die psychologisch geschulte Mitarbeiterin Therese Mema kämpft seit Jahren für Betroffene, die von der eigenen Familie und Dorfgemeinschaft diskriminiert werden. Im ersten Schritt begleitet sie die Betroffenen ins Panzi-Krankenhaus, das sich auf die medizinische Versorgung von Opfern sexueller Gewalt spezialisiert hat. Hoffnung kam auf, als Emerida die frohe Botschaft erhielt, sie sei nicht mit dem HI-Virus infiziert. Doch Janviers Eltern trieben weiter einen Keil zwischen das Paar. „Du kannst keine Frau heiraten, die Sex mit Rebellen hatte. Sie ist wie eine Prostitu ierte und wird dir nie treu sein.“ Janvier und Emerida flohen vor der Familie und lebten in einer armseligen Hütte wie Aussätzige. Regelmäßig besuchten sie das Trauma-Zentrum, wo sie Beistand fanden.

Fünf Ziegen für die Hochzeit

Viel Zeit ist vergangen seit der Verlobung. Inzwischen ist Janviers Vater verstorben. Therese Mema und Pfarrer Justin, der Leiter der katholischen Menschenrechtsorganisation, starten einen neuen Versöhnungsversuch. „Ich möchte, dass endlich Frieden einkehrt in eure Familie“, sagt Pfarrer Justin. „Was steht denn der Hochzeit noch entgegen?“ Die Antwort kommt von Janviers älterem Bruder, der inzwischen die Rolle des Familienoberhauptes übernommen hat. „Die Tradition schreibt vor, dass es eine Mitgift geben muss. Fünf Ziegen sind nötig.“

Pfarrer Justin und seine Mitarbeiter sammeln Geld und erhalten über missio Spenden aus Deutschland. Mit dem Geld werden die Ziegen zum Preis von umgerechnet jeweils 40 Euro gekauft, gleichzeitig wird die Hütte des Paares repariert. Denn mit einem neuen Wellblechdach regnet es nicht mehr rein.

Alle helfen dem jungen Paar. Und so ist auch das Brautkleid von Susanne Jung inzwischen von Aachen auf dem Weg zum Flughafen Brüssel. Denn ein missio-Mitarbeiter, der auf dem Weg in den Kongo ist, nimmt das Brautkleid bei der Gelegenheit mit.

Zwei Tage vor der Hochzeit kommt das Kleid in Bukavu an. In einer kleinen Schneiderei treffen sich Therese Mema und Emerida. Sie öffnet den Reißverschluss des schwarzen Kleidersacks aus Deutschland und ist sprachlos. „Dieses wunderschöne Kleid soll für mich sein ... Ich kann es nicht glauben. Wir waren in unserem Dorf immer die Ärmsten.“ Am Samstag, den 1. März 2014, versammeln sich alle in der Katholischen Gemeinde von Kabare. Nur Janviers Mutter ist nicht gekommen. Sie lebt inzwischen in einem 150 Kilometer entfernten Dorf und konnte das Geld für die weite Fahrt nicht aufbringen. Vielleicht hat sie sich auch geschämt, weil sie all die Jahre versucht hat, jene Hochzeit zu verhindern, die heute so festlich gefeiert wird.

Als bei der Trauung dann zweimal die Worte „Ja, ich will“ erklingen, jubelt die Gemeinde in der Kirche. Frauen, Männer und Kinder stehen auf. Zum Rhythmus der Trommel bewegen sie sich tanzend auf das Brautpaar zu. Janviers älterer Bruder ist mit dabei und gratuliert der Braut. „Herzlichen Glückwunsch und willkommen in unserer Familie.“

Jörg Nowak

Linktipp:
Länderübersicht Kongo

Junges Glück

Lesen Sie hier Teil 1 der Geschichte von Emerida und Janvier.
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