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Bedrängte Christen

Naher Osten: Frieden mit der Religion?

Rund 1,5 Millionen Euro hat missio in den vergangenen beiden Jahren für den interreligiösen Dialog seiner Partner in Afrika und Asien investiert. Warum diese Arbeit so wertvoll ist, zeigte das Menschenrechtswerk Ende März Journalisten bei einer Reise in den Libanon und in den Irak. Projektbesuche und Gespräche mit missio-Partnern wiesen Wege zu einem demokratischen, multireligiösen Nahen Osten.

Michel Jalakh (2.v.li.): „Dass Christen im Nahen Osten bleiben, liegt auch im europäischen Interesse.“ © Andy Spyra / missio

„Der Westen erzählt den Konflikt im Nahen Osten zu schnell allein nach dem Muster Muslime gegen Christen“, sagt der Fotograf Andy Spyra. In die Schlagzeilen schaffen es Gräuel des so genannten Islamischen Staates. „Die innerislamische Spaltung und welche Folgen das hat, wird übersehen, das ist mir hier im Libanon klar geworden.“ Der Reporter sucht mit vier Kollegen bei Kirchenvertretern und muslimischen Würdenträgern Antworten auf schwierige Fragen: Welche Friedensvision kann es für den Nahen Osten überhaupt geben? Und welche Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit der Religionen?

Seit Jahrzehnten leiden hier die Menschen unter den Spannungen zwischen den muslimischen Konfessionen. Im Kern streiten Sunniten, Schiiten und andere muslimische Gruppen darum, wer den Islam wahrhaft lehrt und lebt. Daraus speisen sich konkurrierende Identitäten, Machtansprüche, Ideologien und zuletzt Hass und Krieg. „Deshalb ist die innere Reformfähigkeit des Islam der Knackpunkt, die pluralistische, demokratische Gesellschaften voraussetzt – und genau daran müssen wir arbeiten“, sagt Fadi Daou, Priester der maronitischen Kirche. „Despotische Regime und religiöse Extremisten wollen diese innere Reform nicht.“

„Wir Muslime brauchen die Christen“

Fadi Daou leitet in Beirut die interreligiöse Adyan-Stiftung. Diese vermittelt jungen Männern und Frauen der Region das Handwerkszeug für den Aufbau bürgerlicher, pluralistischer, multireligiöser und offener Gesellschaften. missio und das Missionswissenschaftliche Institut Missio (MWI) unterstützen diese Arbeit.

Michel Jalakh ist Generalsekretär des „Middle East Council of Churches“, einer Plattform für 27 christliche Kirchen und Denominationen im Nahen und Mittleren Osten. Er sieht im interreligiösen Dialog auch eine Chance für die Muslime: „Sie kämpfen weltweit gerade um ihr Image.“

Tod im Kirchendienst

Zwischen 2004 und 2013 sind weltweit 230 kirchliche Mitarbeiter ermordet worden. Im vergangenen Jahr (2014) waren es 26, darunter drei Bischöfe. Dies meldet die Nachrichtenagentur Fides der Päpstlichen Missionswerke. Oft lägen nur wenige Informationen über die Todesumstände vor. Sie reichten vom Raubmord bis zum politischen Mord. Sorge bereite weiterhin das Schicksal vermisster Mitarbeiter, darunter kongolesische Augustiner, die 2012 in Nordkivu in der Demokratischen Republik Kongo entführt wurden und der italienische Jesuitenpater Paolo Dall’Oglio, der 2013 in Syrien verschleppt wurde.

missio unterstützt zudem die Sektion Mittlerer Osten der „World Student Christian Federation“ mit Sitz in Beirut. Ihr gehören 19 christliche Jugendbewegungen im Libanon, Irak, Syrien, Ägypten, Jordanien, im Sudan und in Palästina an. Sie stärken mit Kursen und christlich-muslimischen Dialogprogrammen junge Menschen – immerhin sind beispielsweise im Libanon 45 Prozent der Bevölkerung nicht älter als 25 Jahre. Sie sollen künftig in ihren zumeist instabilen, durch Gewalt und hohen Auswanderungsdruck geprägten Ländern verantwortliche Positionen in Kirche und Gesellschaft einnehmen. Die Vision: Einen religiös und kulturell vielfältigen, friedlichen, pluralistischen und bürgerlichen Nahen und Mittleren Osten Wirklichkeit werden zu lassen. „Wir Muslime brauchen die Christen im Libanon und gesamten Nahen Osten“, sagt denn auch der schiitische Sheikh Hussein Shehade. Er arbeitet mit der Adyan-Stiftung zusammen. So wie der sunnitische Iman Muhammad Abou Zeid. Er kann sich ein Leben ohne Christen zwischen Kairo und Bagdad nicht vorstellen. Die Adyan-Stiftung fördert seine Arbeit für syrische sunnitische Flüchtlingskinder.

„Ausbildung rettet den Nahen Osten“

„Für mich klingen diese muslimische Stimmen glaubwürdig", sagt Radio-Journalist Dirk Planert. „Das glaube ich auch. Aber ob das religiöse Establishment damit bis zur Basis und den Politikern durchdringt, weiß ich nicht“, hält sich der Nahost-Fachautor des Magazins Zenith, Nils Metzger, zurück. Wie Violetta Hagen von der „Stuttgarter Zeitung“, die ein „sehr kompliziertes Land“ kennengelernt hat. Gelernt hat Burkhard Jürgens von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), „dass auch eine noch so gut gemeinte Solidarität mit nur einer Religionsgruppe kontraproduktiv ist.“ Eine Empfehlung hat Nils Metzger für missio noch: „Eigentlich müsstet ihr mit dem Slogan ,Ausbildung rettet den Nahen Osten' werben, das ist das richtige Konzept.“

Johannes Seibel

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