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Glauben teilen. Weltweit.

Liebe deinen Nachbarn wie dich selbst

Begegnung in der Gemeinde Hl. Herz in Mumbai © Jutta Hajek / missio

missio hat den Aufbau von Kleinen Christlichen Gemeinschaften (KCG) in Deutschland initiiert und fördert diesen pastoralen Ansatz seit Jahren. Mit allen Sinnen erfahren, wie KCGs in Indien funktionieren, wollten 17 Christen aus den Bistümern Limburg, Essen und Freiburg. Sie machten sich auf den Weg nach Mumbai und Thrissur und kamen zurück mit einem Koffer voller Ideen, wie Kirche in Deutschland lebendiger werden kann.

„Der Herr sprach zu Mose: Schick einige Männer aus ... Habt Mut und bringt Früchte mit“, liest Jacqueline Schlesinger, missio-Referentin aus dem Bistum Limburg, in der Kapelle des Frankfurter Flughafens. Mit Matthias Struth, Seelsorger der Universitätsklinik Frankfurt, leitet sie die zweiwöchige Reise, bei der die Teilnehmer Kleine Christliche Gemeinschaften in Indien erleben wollen. Bei der Ankunft in Mumbai werden die Gäste von Jugendpfarrer Anthony Fernandes, Alison Pereira und Marita Fernandes erwartet. Die Fahrt führt vor bei an Dharavi, dem zweitgrößten Slum Asiens. Seine Bewohner haben immerhin ein Dach über dem Kopf. Es gibt Läden, Werkstätten, ein Krankenhaus und KCGs. Die Ärmsten Mumbais nächtigen auf Bürgersteigen und unter Brücken. In Atma Darshan, wo die Reisegruppe wohnt, wartet das Begrüßungskomitee. Trainerin Marita Nazareth hat viele Begegnungen eingefädelt. Mehrmals war sie im Bistum Limburg, um Workshops zu leiten. Dabei hat sie dort das Feuer für Kleine Christliche Gemeinschaften entzündet.

Ein paar Stunden auf den Backwaters in Kerala zum Verschnaufen und zur Reflexion. © Jutta Hajek / missio

Wir werden ein Leib

Vor der Einführung von KCGs fühlten sich die Menschen in Mumbai von der Kirche alleingelassen. Es sei darum gegangen, sie zum Mitmachen zu bewegen und zu integrieren, berichtet Bosco Penha, damals Leiter des Priesterseminars und später Weihbischof. 1980 fand in Mumbai die erste Bischofssynode statt. Jemand erzählte von Basisgemeinden in Brasilien. Die Mehrheit wünschte sich das auch für Mumbai und beauftragte Bosco Penha damit. Heute gebe es in Mumbai über 2.000 KCGs, die von „Animatoren“ geleitet werden. Die meisten von ihnen sind Frauen oder Senioren. Sie besuchen jede der etwa zehn Familien, für die sie zuständig sind, einmal im Monat. In Leitergruppen organisieren sie Kranken- und Altenbesuche, gemeinsames Beten, liturgische Dienste, Weiterbildung, Bürgeraktionen für Gleichberechtigung, für eine bessere Wasserversorgung und gegen Wohnungsnot.

„Die Eucharistie ist eine Einladung an alle, als Familie zu leben. Indem wir am Leib Christi teilhaben, werden wir ein Leib“, mahnt Bischof Bosco. Am Wochenende besuchten zwar 80 Prozent der Katholiken die Messe, aber während der Woche sei nicht viel Liebe untereinander zu spüren gewesen, sagt er und erzählt von einer Familie. Der Sohn war Trinker. Oft habe er nachts seine Eltern geschlagen. Die beiden riefen um Hilfe, aber nichts geschah. Nach der Einführung von KCG beschlossen fünf Gruppenleiter: „Wenn wir das nächste Mal Geschrei hören, gehen wir hin.“ Der junge Mann erwiderte ihnen: „Das geht euch nichts an!“ Die Gruppenleiter schalteten aber, wie angekündigt, die Polizei ein. Die machte dem Sohn klar, dass sie ihn in Haft nehmen würden, sollte er seine Eltern noch einmal schlagen. Es kam nie wieder vor.

Alison Pereira und Jacqueline Schlesinger auf der Geburtsstation des Krankenhauses. © Jutta Hajek / missio

Nirmala Alvares öffnet das Fenster. Die Vorhänge bauschen sich auf im Wind, der vom Meer hereinweht. Wir hocken auf dem Sofa und nippen grünen Tee. Nirmala ist Privatlehrerin, ihr Mann Arun Alvares Kleinunternehmer. Schwägerin Rebecca kommt vorbei. Wie Arun ist sie gewählte Leiterin einer KCG. Eric Pinto, ein Freund, schaut herein. Der 70-Jährige ist Mitglied im Pfarrgemeinderat von St. Victoria und Bindeglied zur KCG. Pinto berichtet von seinen Besuchen bei Armen, deren Wohnungen in Mahim, einem Ortsteil Mumbais, nahe bei denen der Mittelschicht liegen: „Diese Leute können kaum an Treffen teilnehmen. Sie müssen ihre Wassertanks füllen und am Abend die Kinder unterrichten. Es ist ihnen peinlich, darüber zu sprechen.“ In der Siedlung Jehangar Bang hätten früher die Schwarzbrenner gewohnt, erzählt er. Sie fühlten sich unter den Mittelständlern nicht wohl. Die Überwindung der Klassenunterschiede sieht Pinto als eine Herausforderung für KCGs.

Vorurteile abbauen

Auch Religionsunterschiede können das Zusammenleben erschweren. Christen sind in Indien eine Minderheit und stellen nur 2,3 Prozent der Bevölkerung. Über 80 Prozent sind Hindus, daneben gibt es Muslime, Sikhs, Jains, Buddhisten und Angehörige anderer Religionen. Der Dialog mit Hindus sei intensiv, mit Muslimen eher schwierig, berichtet Bischof Agnelo Gracias. KCGs bemühten sich, die Kommunikation zu fördern. „Wir helfen uns immer gegenseitig, egal ob jemand katholisch ist oder nicht“, bekräftigt Maria D’Souza aus einer KCG der Pfarrei Hl. Familie. Sie führt uns in winzigen Häusern herum, die in Gässchen dicht an dicht stehen. Pfarrer Gerald erzählt von zwei benachbarten Familien, die zehn Jahre lang kein Wort gewechselt hatten. Bei einer Gebetsnovene mussten sie einander das Bild Jesu weiterreichen und zusammen beten, wobei sie sich dann versöhnten. Marita Nazareth berichtet, wie sich Hindus und Muslime in ihrer Tanzgruppe anfangs misstrauisch beäugten, aber beim gemeinsamen Tanzen lernten, Vorurteile abzubauen.

Unterkunft Kerala - Divine Vocationist Seminary in Thrissur © Gabriel Benz / missio

Junge Leute sind die Kirche von heute

„Meine Mutter ist meine Inspiration. Sie hat mich regelmäßig in den Gottesdienst geschickt. So habe ich eine Beziehung zur Kirche und zu Gott bekommen. In der Jugendgruppe kann ich andere motivieren und von ihnen lernen“, sagt Alison Pereira, 25 Jahre, und Jugendsprecher in der Katholischen Bischofskonferenz von Indien. Er begleitet die deutsche Reisegruppe und arbeitet dafür mehrere Nachtschichten hintereinander. Fast die Hälfte der indischen Bevölkerung ist jünger als 30 Jahre. Für die Jugendlichen bietet die Kirche gute Möglichkeiten, sich zu organisieren. Diözesan-Jugendpfarrer Anthony plädiert dafür, den Jugendlichen Verantwortung zu übertragen: „Die jungen Leute sind die Kirche von heute!“ Welche Freude den Jugendlichen die Gemeinschaft bereitet, zeigen sie bei Tanzvorführungen im Gemeindezentrum Heiliges Herz. Der „Tanz der Fischer“ und die filigranen Bewegungen der weiß gekleideten Mädchen begeistern alle. „KCGs haben eine Woge des Wandels in unserer Gemeinde ausgelöst“, schwärmt Flavy D’Souza, KCG-Projektleiterin dieser Pfarrei. „Die Bibel wird wieder aus der Schublade hervorgeholt und miteinander gelesen.“ KCGs seien eine lebenswichtige Verbindung zwischen den Menschen und der Kirche und ein Instrument, um die Vision der Pfarrei zu verwirklichen.

In der zweiten Woche ist Pfarrer Chacko dabei. Er hat sich frei genommen, um den Deutschen etwas vom Bundesstaat Kerala und den KCGs dort zu zeigen. Gemeinsam mit Adrian Rosario, Mitarbeiter der Diözese Mumbai, findet eine Reflexion statt. „Was habe ich davon, wenn ich bei KCG mitmache?“, das frage sich jeder, so Rosario. „Darauf müssen wir Antworten finden.“ Bei den Bedürfnissen der Menschen anzusetzen und Leiter auszubilden seien erste Schritte. Diesen auch Verantwortung geben, sei ebenso unerlässlich.

Zu Gast bei Arun, Nim und Rebecca Alvares in Mahim, Mumbai © Jutta Hajek / missio

Früchte der Reise

Anja Funk, missio-Diözesanreferentin aus Essen, erinnert daran, dass Mumbai bereits seit 30 Jahren mit KCGs arbeitet. „Wir müssen Orte schaffen, wo Talente eingebracht werden können“, regt sie an. Pfarrer Franz Meister wünscht sich, „dass die Trauerstimmung, die sich bei vielen eingenistet hat, sich in Freude am Glauben umwandelt und dass die Frage, die oft im Freundeskreis oder in der Arbeit gestellt wird: ‚Was, Du gehst in die Kirche?‘ sich umkehrt in: ‚Was, Du gehst noch nicht?‘“

Christa Scherbaum aus St. Birgid in Wiesbaden träumt davon, „dass Glaube keine Privatsache ist, sondern dass wir offen auf einander zugehen und helfen.“ Alle haben gelernt: KCGs funktionieren nur mit einem intensiven Beziehungsnetz. Positive Gefühle wie Freude, Liebe und innerer Frieden sind ihr Brennstoff. Die Früchte dieser Reise sind Ideen, wohin der Weg der Kirche in Deutschland führen kann und Freude über den Austausch. „Wir kennen euch erst kurz, aber wir werden euch vermissen“, ruft uns eine junge Frau nach.

Jutta Hajek

Weitere Informationen zum Thema Kleine Christliche Gemeinschaften finden Sie auf www.kcg-net.eu.

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