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„Dialog ist auch eine Frage der Macht“

Dr. Harald Suermann, Leiter des Missionswissen- schaftlichen Instituts Missio (MWI)

Seit dem Sturz Saddam Husseins sind die Christen im Irak nicht mehr sicher. Mehr als die Hälfte ist vor Terror, Gewalt und Entführungen geflohen. Viele haben im Norden des Landes in der autonomen Region Kurdistan Zuflucht gefunden. Als Modell für den Irak funktioniert Kurdistan trotzdem nicht. Harald Suermann, Leiter des Missionswissenschaftlichen Instituts Missio (MWI), erklärt nach seiner Reise in die Region, warum.

Fünf Tage lang war Harald Suermann mit einer Delegation der Deutschen Bischofskonferenz unter Leitung des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick im Nordirak unterwegs. In Gesprächen mit Politikern, Bischöfen, Priestern, Ordensleuten, sunnitischen Imamen und einem schiitischen Scheikh informierte sich die Gruppe über die aktuelle Situation der Christen vor Ort und demonstrierte dabei vor allem eins: Solidarität.

Herr Professor Suermann, wie haben Sie die Christen m Irak erlebt?

Mich hat der ungeheure Lebenswille beeindruckt, den sie ihrer oft hoffnungslosen Situation entgegensetzen. Gerade Priester und Bischöfe, die entführt oder deren engste Freunde oder Familienangehörige ermordet wurden, sind furchtlos und kehren nach ihrer Freilassung in die Gefahrenzonen nach Bagdad, Kirkuk oder Mossul zurück. Sie tun das, um den Christen beizustehen, die nicht fliehen können oder dem Terror nicht weichen wollen. Und sie tun das aus christlicher Überzeugung.

Wieviele Christen sind zurzeit noch im Land?

Etwa 400.000 – halb so viele wie vor dem Irakkrieg. Es besteht Gefahr, dass Kirche zu einer nicht wahrnehmbaren Minderheit wird. Dabei sind die Christen stolz auf ihre Geschichte im biblischen Stammland: Ur, der Geburtsort Abrahams liegt hier, Babylon, und Niniveh, die Stadt „groß für Gott“.

50.000 Christen sind in den Norden, nach Kurdistan gefohen. Sind sie dort sicherer?

Ja, weil der Sicherheitsapparat der Regionalregierung funktioniert. Die Zentralregierung in Bagdad ist schwach und durch Flügelkämpfe zwischen Sunniten und Schiiten gelähmt. Das Schicksal der Christen ist ihnen egal. Kurdistan hingegen tritt für ein gutes Miteinander der Religionen ein und heißt die Menschen willkommen. Die Flüchtlinge werden in Notunterkünften untergebracht. Religionsfreiheit ist gesetzlich garantiert und wird vor allem auch umgesetzt.

Die irakische Verfassung von 2005 legt aber den Islam als Staatsreligion fest ...

Das gilt für fast alle Verfassungen der Region, die meist auch Religionsfreiheit garantieren. Spielraum gibt es immer in beide Richtungen. Die Frage muss vielmehr lauten: Wie sieht die Verfassungswirklichkeit aus? Und um die ist es in weiten Teilen des Irak nicht gut bestellt.

Taugt Kurdistan als Modell für den Irak ?

Ich fürchte nein. Denn Kurden sehen sich in erster Linie als Kurden und dann als Muslime, während sich Schiiten und Sunniten erst als Muslime und dann als Iraker betrachten.

Was halten Sie von der Idee einer autonomen Christenregion in der Ebene von Niniveh?

Das ist ein politisches, kein kirchliches Vorhaben. Viele Bischöfe lehnen es ab. Eine autonome Region führt nach unserem Gesellschaftsverständnis zu einer Ghettoisierung. Es bedeutet eine Konfessionalisierung der irakischen Staatsstrukturen: ein Vorhaben, das auch Schiiten und Sunniten vorantreiben.

Ist ein christlich-muslimischer Dialog überhaupt möglich? Kann er Gewalt verhindern?

Oft ist der Dialog für Muslime schwierig, da sie unter dem Druck von Fundamentalisten stehen. Interreligiöse Begegnung ist nicht immer eine Frage des guten Willens, sondern auch eine Frage der Macht. Aber ein ernsthaft betriebener Dia log kann gewalttätigen, terroristischen Kräf ten entgegenwirken. Denn er fördert ein positives Bild von den Christen und bremst den Zulauf bei Fundamentalisten.

Wer schürt den Hass gegen Andersgläubige?

Schwer zu sagen. Da spielen internationale Kräfte aus Saudi-Arabien, dem Iran und natürlich Al-Qaida eine Rolle.

Wie engagiert sich im Irak?

missio fördert zahlreiche Ausbildungsprogramme für kirchliche Mitarbeiter. Eines unserer Ziele ist die Einrichtung eines zentralen Büros, um die Diözesen untereinander besser zu vernetzen. Es soll kirchliche Entwicklungsprojekte koordinieren und die Bistümer etwa bei Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Projekten zur Traumabewältigung unterstützen.

Steht es uns überhaupt zu, die Christen im Irak zum Bleiben zu bewegen?

Ob jemand das Land verlässt oder bleibt, können nur die Betroffenen selbst entscheiden. Oft hat die Auswanderung wirtschaftliche Gründe. Wir müssen alles daran setzen, die Lebensbedingungen vor Ort so zu verbessern, dass die Menschen bleiben. Solidarität, das hat man uns während unserer Reise immer wieder versichert, ist enorm wichtig. Jeder von uns kann für die Christen im Irak beten. Und wir müssen uns einmischen!

Beatrix Gramlich

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