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Der „Lebendige Rosenkranz“

Pragmatische Mission: Pauline Jaricot will Gott einen Platz im Leben der Menschen geben. © missio-Archiv

Als „Balsam für die Wunden der Gesellschaft“ bezeichnete Leo XIII. den Rosenkranz. Und so war es nur konsequent, dass der Papst 1854 den Oktober zum Rosenkranzmonat bestimmte. Der Gedanke, dass sich diese Andachtsübung positiv auf das soziale Miteinander der Menschen auswirken könne, ist heute vielen Christen fremd. Pauline-Marie Jaricot wäre von der päpstlichen Initiative begeistert gewesen.

Zeit ihres Lebens treibt Pauline-Marie Jaricot die Frage um, wie Menschen zum christlichen Glauben und damit zum Heil kommen können. Die Sorge um die Erlösung der anderen ist für sie wie ein Motor, der sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Dabei ist es für die Gründerin der Laienmissionsbewegung zweitrangig, ob die Menschen Jesus wie in den Missionsländern noch gar nicht kennengelernt oder aber wie in ihrer französischen Heimat das Interesse am Glauben verloren haben. Eine Gesellschaft ohne Glauben an Jesus Christus hat in ihren Augen keine Zukunft. Doch Jaricot ist keine Träumerin. Sie kennt das Elend der Arbeiter in den Seidenfabriken und weiß: Leib und Seele gehören nun einmal zusammen.

Wer in der Sklaverei pausenloser Arbeit gefangen ist, wird „weder Sinn für die Freuden der Familie haben noch wird er die Freude des Glaubens erfahren“. Gegen diese Missstände anzugehen und besonders den Armen „den Trost und die Hoffnung des Glaubens wiederzuschenken“, wird zu ihrer persönlichen Mission, ihr wichtigstes Werkzeug: der Rosenkranz.

Dass diese Andachtsform im Frankreich nach Napoleon nur noch „von Berufs wegen, von Alten oder von Menschen, die nichts anderes zu tun haben“ gepflegt wird, treibt sie erst recht an, das von ihr so geliebte Rosenkranzgebet wieder zu einer Massenbewegung zu machen. Nach einer Zeit der Kontemplation und überstandener Krankheit – Jaricot ist inzwischen 27 Jahre alt und ihr Werk der Glaubensverbreitung liegt längst in anderen Händen – ist die Zeit reif für ein neues Projekt: „Mir schien die Stunde gekommen zu sein, den seit langem gefassten Plan einer für alle offenen Vereinigung zu verwirklichen, die mit dem Gebet Einheit herstellen könnte und deren einzige und kurze, für niemanden abschreckende Übung den Gläubigen die Gewohnheit der täglichen Betrachtung, selbst wenn sie nur einige Minuten dauert, über die Geheimnisse des Lebens und Sterbens Jesu Christi erleichtern könnte.“

Es zeugt von Jaricots Realitätssinn und pädagogischem Gespür, dass sie nach einer Form des Rosenkranzgebets sucht, die den beschränkten Möglichkeiten oder auch nur der allzu menschlichen Schwäche des Einzelnen Rechnung trägt. Das Gebet soll niemanden überfordern und sich regelmäßig in den Alltag integrieren lassen. Weil dies jedoch den wenigsten Menschen auf Dauer gelingen wird, wenn sie auf sich allein gestellt sind, will Jaricot die Betenden aus ihrer Vereinzelung herausholen. In Gemeinschaft mit anderen würden auch die Mittelmäßigen mitgezogen werden, hofft sie, ja selbst die, die nichts als guten Willen mitbringen.

Die Initiative soll funktionieren wie ein Kohlefeuer: Man nehme fünfzehn Kohlestückchen. Eines brennt, drei bis vier glühen vor sich hin und der Rest ist überhaupt nicht entzündet. Wirft man die Kohlen zusammen, so werden sie alle hell auflodern. Was also liegt näher als das Erfolgsmodell der Laienmissionsbewegung, die nach dem Schneeballsystem arbeitenden Zehnergruppen, für die neue Initiative weiterzuentwickeln? Dieses Mal sind Jaricots „Kohlefeuer“ Gebetsgruppen von jeweils fünfzehn Männern und Frauen, die sich den Rosenkranz untereinander aufteilen und so auch für Arbeiter zugänglich machen sollen.

Mitgliederzahlen verdoppeln sich

Indem sich jedes Mitglied verpflichtet, täglich ein festgelegtes Gesätz zu beten, betet die Gruppe jeden Tag einen ganzen Rosenkranz. 1826 startet der „Lebendige Rosenkranz“ in einigen Gemeinden in und um Lyon, um sich von dort aus mit beeindruckender Geschwindigkeit bis nach Asien auszubreiten. 1832 erteilt Papst Gregor XVI. der Gebetsgemeinschaft die offizielle Genehmigung. Bereits 1834 zählt das Netzwerk in Frankreich eine Million Mitglieder, bis Jaricots Tod wird sich die Mitgliederzahl mehr als verdoppeln.

Das Haus Lorette, die spirituelle und logistische Zentrale des „Lebendigen Rosenkranzes“, wird zu einem Ort der Begegnung, an dem die überzeugte Laienchristin Pauline Jaricot ihre Begabung als geistliche Lehrerin und Autorin entfalten kann. Ihre Rundbriefe an die Gebetsgruppen werden aufgrund der Reflexionen und glaubenspraktischen Empfehlungen hoch geschätzt. Sie zeigen, dass das Erfolgsgeheimnis des „Lebendigen Rosenkranzes“ nicht auf die kluge Struktur der Initiative reduziert werden darf. Bis heute ist die Kraft zu spüren, die von Jaricots spirituellem Weg, ihrem unbedingten Gottvertrauen und ihrer leidenschaftlichen Sorge um das Heil ihrer Mitmenschen ausgeht.

Katja Heidemanns

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