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Aktion Schutzengel

Gold und Coltan für Handys

10.000 Menschen unterstützen bislang die missio-Aktion „Saubere Handys“. Nun weitet sich die Kampagne auf den Kongo aus, wo Rebellen illegalen Handel mit Gold und Coltan betreiben. Die Mobilfunk-Unternehmen geraten unter Druck.

missio-Kampagne im Kongo: Die Minenarbeiter wollen Gold und Coltan zu fairen Preise für Apple & Co. fördern und fordern Schutz vor den Rebellen. © Harald Oppitz / KNA, missio

Pfarrer Justin Nkunzi hat einen seiner besten Freunde verloren. Sie studierten zusammen Theologie und verbrachten viel Zeit miteinander. „Hier im Pfarrhaus von Kabare haben die Rebellen ihn erschossen“, klagt der 44-Jährige. Als Direktor der katholischen Menschenrechtsinitiative „Justice and Peace“ weiß Justin Nkunzi, wie gefährlich es ist, als Priester im Kongo für Frieden zu predigen. Im Osten des afrikanischen Landes wüten seit Jahren blutige Kämpfe. Es geht unter anderem um die reichen Bodenschätze. Die Rebellen erobern gezielt die Gold- und Coltan-Minen. Die Mineralien werden für die Herstellung von Mobiltelefonen benötigt. Durch illegale Verkäufe finanzieren bewaffnete Gruppen ihren Krieg, der wegen brutaler Vergewaltigungen berüchtigt ist.

Niemand ist hier mehr sicher. Auch nicht die Frauen, Kinder und Männer, die neben dem Pfarrhaus von Kabare in einer langen Reihe warten. „Wir haben eine Anlaufstelle mit Trauma-Zentrum für die Opfer des blutigen Konflikts aufgebaut“, berichtet Pfarrer Justin. Seine Mitarbeiterin Thérèse Mema betreut jene, die Opfer brutaler Überfälle wurden. Sie bringt Frauen ins Krankenhaus, die schwanger aus den Fängen der Rebellen fliehen konnten. Sie hilft Familien, deren Väter mit vorgehaltener Kalaschnikow gezwungen wurden, ihre Töchter zu vergewaltigen. Die sadistische Gewalt verbreitet sich wie ein Flächenbrand. Dennoch schafft es Thérèse Mema hier, kleine Wunder zu vollbringen. Mehr als 600 Frauen, Kindern und Männern konnte sie im vergangenen Jahr mit ihrem Team helfen. So gibt es Familien, die nach Monaten und Jahren der Trauer und Traumatisierung neuen Lebensmut gefunden haben. Ermöglicht wird die Arbeit für die notleidenden Menschen in den Trauma-Zentren der katholischen Kirche durch Spenden von missio aus Deutschland. Im Rahmen der Aktion Schutzengel war Pfarrer Justin Nkunzi im vergangenen Jahr beim Katholikentag in Mannheim. Er sprach mit Menschenrechtsexperten, Journalisten und Vertretern der Mobilfunkbranche über die Zusammenhänge zwischen dem Krieg im Kongo und den Handys in der westlichen Welt. Der Pfarrer spürte, dass sich etwas bewegen lässt. Und zwar nicht nur in Deutschland, wo bislang 10.000 Menschen die Aktion „Saubere Handys“ unterstützen.

„Ich muss vor Einbruch der Dunkelheit zurück sein, sonst wird es gefährlich!”

Justin Nkunzi, 44, Pfarrer im Ost-Kongo

Nun will der Direktor von „Justice and Peace“ die Kampagne nach Afrika bringen. „Mit der Aktion gegen Blutmineralien setzen wir uns dafür ein, dass die Menschen im Kongo von den Bodenschätzen profitieren und nicht die Kriegstreiber.“ Am heutigen Tag plant der Seelsorger eine Fahrt zu den Minenarbeitern der Region Walungu. Kurz vor dem Start erhält er vom Pfarrer der dortigen Gemeinde eine dramatische Nachricht: In der Nacht zuvor haben die Rebellen ein Dorf überfallen. „Ich muss also vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück sein, sonst wird es zu gefährlich“, erklärt Priester Justin.

Bei seiner Ankunft wird er von den Minenarbeitern und deren Familien freudig begrüßt. „Endlich interessiert sich jemand für unser Schicksal“, sagen die Menschen. „Vor zwei Wochen haben die Rebellen uns überfallen“, klagt ein Mann, der mit dem Leben davon kam. Minenarbeiter, die es schaffen, ihre wertvollen Mineralien zum Verkauf anzubieten, werden vielfach ausgebeutet. Mehrere Hundert Prozent Gewinn machen die Zwischenhändler. Für die Familien in den Minen bleibt gerade genug zum Leben, aber nichts mehr für Schulgeld und Arztrechnungen übrig. „Ich lade die Handy-Hersteller zu uns in den Kongo ein, damit sie sich ein eigenes Bild machen können über die Notsituation der Familien und jener Männer, die das Gold und das Coltan schürfen“, erklärt Pfarrer Nkunzi.

Im Rahmen unserer Kampagne gegen „Blutige Handys“ haben wir führende Mobilfunkhersteller befragt, wie sie sich für den Einsatz konfliktfreier Rohstoffe engagieren. In unserer Übersicht (PDF) zitieren wir die zentralen Antworten. Eine Recherche von Geneviève Hesse.

Das Geschäft mit den Mobiltelefonen

Jedes Jahr werden alleine in Deutschland 35 Millionen Handys gekauft. Der Wert des hierbei verwendeten Goldes und Coltans beträgt 60 Millionen Euro. Wer wissen will, woher diese wertvollen Mineralien stammen, erhält von den Herstellern ausführliche Informationen über deren Nachhaltigkeitskonzepte und umweltbewusste Unternehmenspolitik. Eine Garantie, dass kein Gold und Coltan von Rebellen über Zwischenhändler gekauft wurde, will kein Unternehmen geben. Angeblich sei es zu schwierig, diese lange Lieferkette nachzuvollziehen. Dass es dennoch gehen kann, beweist nun ein niederländischer Betrieb mit acht Angestellten den Weltkonzernen. „Fairphone“ heißt das Mobiltelefon mit Coltan aus dem kongolesischen „Solutions for Hope-Projekt“, einer garantiert konfliktfreien Initiative.

Jörg Nowak

© privat

Friedel Hütz-Adams, Rohstoff-Experte beimSüdwind-Institut, zum Fairphone: „Bislang übernimmt keines der großen Unternehmen Verantwortung für alle Verästelungen der Wertschöpfungskette. Hier geht Fairphone zumindest den eigenen Absichtserklärungen nach weiter. Von wirklich ‚fair‘ ist das Gerät noch weit entfernt. Aber das ist auch nicht der Anspruch der Niederländer. Sie wollen belegen, dass es möglich ist, die eigene Lieferkette unter Kontrolle zu bekommen. Dazu sind sie in den Kongo gereist und haben besser funktionierende Minen gesucht. Man wollte bewusst nicht den einfachen Weg gehen und die Rohstoffe aus anderen Staaten beziehen. Auch sollen die Geräte in China hergestellt und dort einigermaßen verlässliche Fabriken gesucht werden. Das setzt die Branche unter Druck, da nun vermehrt Kunden nachfragen, warum die großen Hersteller das nicht genauso machen. Und weil die Netzbetreiber jetzt hoffentlich nachfragen bei ihren Lieferanten, die immer erklärt haben, Transparenz in der Herstellungskette sei – wenn überhaupt – nur schwer herzustellen und vor allem sehr teuer.“

Mit der Online- Unterschriften-Aktion für „Saubere Handys“ bittet
missio um Unterstützung für den Appell an die Handy-Hersteller.
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