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Glauben teilen. Weltweit.

„Hinsehen, die Augen nicht verschließen“

Mitte: Seit mehr als 50 Jahren lebt die Ordensfrau und Ärztin in Pakistan.

Sie führe „ein verrücktes, abenteuerliches, immer wieder in Frage gestelltes Leben“, sagt die Ärztin, Ordensfrau und missio-Projektpartnerin Ruth Pfau über sich. Seit mehr als einem halben Jahrhundert kämpft die 84-Jährige in Pakistan gegen Lepra und für die Armen. Sie ist eine der missio-Glaubenszeugen – eine Frau aus atheistischem Elternhaus, die sich mit 20 Jahren taufen ließ und im Alter existenzielle Fragen stellt.

Sobald jemand sagt, er wolle sich um die Armen kümmern, wird sie hellhörig. So ein Satz geht ihr gewaltig gegen den Strich. Noch schlimmer, wenn dann wieder die Floskel von den Ärmsten der Armen bemüht wird. „Wer ist eigentlich arm?“, fragt Ruth Pfau provozierend. Sie legt den Finger in die Wunde, hält ihrem Publikum vor Augen, wieviel Überheblichkeit in solchen Sätzen mitschwingt. Wie schnell gut gemeintes Engagement paternalistisch zu werden droht. Ziel der Ordensschwester ist vielmehr, „dass wir partnerschaftlich denken, handeln und überzeugt sind, dass wir alle gleich sind“ – unabhängig davon, ob jemand hilft oder Hilfe bekommt.

Sobald sie einmal loslegt, versprüht diese kleine, zierliche Frau mit den schmalen Schultern eine Energie, die ihr niemand zutrauen würde. Von ihren Begleitern gestützt, hat sie die Bühne betreten und Platz genommen. Sie hat sich durch das schloh weiße Haar gestrichen und ein freundliches Lächeln in die Runde geschickt. Ihre Bewegungen sind bedächtig, die hellwachen, warmen Augen in dem von Falten zerfurchten Gesicht aber lassen ahnen, wieviel Kraft und Willensstärke noch immer in ihr stecken.

Die 84-Jährige ist nach Aachen gekommen, um den Bischof-Hemmerle-Preis für ihr Lebenswerk entgegenzunehmen. Im Vorfeld haben missio und die Katholische Hochschule zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion eingeladen. Im Publikum sitzen junge Menschen, die Sozialarbeit studieren und wissen wollen, wie ein Leben aussieht, das einer Berufung folgt. Aber auch eine beachtliche Anzahl Ältere, deren Reaktionen man anmerkt, dass sie die Lepraärztin schon lange bewundern. Jetzt wollen sie die Gelegenheit nutzen, Pakistans berühmtester Ehrenbürgerin persönlich zu begegnen.

Helfen: Für Ruth Pfau ständige Herausforderung.

Nichts Verrückteres als Ordensfrau

Kaum hat Norbert Frieters-Reermann, der die Veranstaltung moderiert, die erste Frage gestellt, hält es Ruth Pfau nicht mehr auf dem Stuhl. Sie steht sie auf, stützt sich an der Lehne ab und übernimmt die Führung. „Ich hätte gerne zwei Minuten gehabt, um etwas zu sagen“, macht die Ordensschwester der „Töchter vom Herzen Mariä“ dem Professor ebenso charmant wie selbstbewusst klar. Und ans Publikum gewandt: „Außerdem sehe ich sie nicht!“

In der nächsten Stunde wird sie trotz der wiederholten Aufforderung, sich doch zu setzen, beharrlich stehen bleiben. Sie wird aus ihrem abenteuerlichen Leben in Pakistan erzählen. Sie wird ihre Zuhörer mitnehmen in eine fremde, faszinierende Welt, sie nachdenklich machen und immer wieder zum Lachen bringen mit ihrem trockenen Humor und den schlagfertigen Antworten. Am Ende werden sie staunen über diese Frau, die auch im hohen Alter so erfrischend jung ist in ihrem Denken, so offen und unvoreingenommen wie manch 20-Jähriger nicht.

„Ich kann mir nichts Verrückteres vorstellen als Ordensfrau oder Priester zu werden“, erklärt die gebürtige Leipzigerin frei heraus und vergleicht eine Berufung mit wahrer Liebe. „Ich denke, eine katholische Ehe kommt in der Verrücktheit sehr nah an den Ordensstand heran.“ Offen erzählt Ruth Pfau, wie sie sich als junge Frau in einen Kollegen verliebt hatte und dann Gottes Pläne die ihren durchkreuzten. Sie spricht davon, dass das „heilig sein im Alltag“ für sie einer der Gründe war, warum sie sich mit 20 Jahren habe taufen lassen. Gottes Gebot „liebet einander ...“, damit könne es jeder aufnehmen. „Dann allerdings kommt das Schwierige: ... wie ich euch geliebt habe. Das muss man mal versuchen! Das ist das, womit ich mich bis heute herumschlage.“

In der gefährlichsten Megacity der Welt

Bei ihrer Arbeit im muslimischen Pakistan versucht Ruth Pfau täglich, es mit dieser Herausforderung aufzunehmen. Seit mehr als 50 Jahren lebt sie in Karachi, laut US-Maga zin „Foreign Policy“ die gefährlichste Megacity der Welt. Die Hafenstadt, einst berühmt wegen ihres intellektuellen und religiösen Reichtums, ihrer Weltoffenheit und Toleranz, gilt heute als Hochburg des Terrors. Anschläge, Entführungen, Morde – allein 2012 mehr als 2000 – gehören zum Alltag. Trotzdem macht Ruth Pfau unbeirrt weiter. Mit 65 Jahren hatte sie sich eigentlich zurückziehen wollen. Ihr Koffer war schon gepackt, als auf einmal ihre pakistanischen Mitarbeiter vor der Tür standen und erklärten: Ein Sohn oder eine Tochter könne das Haus verlassen. Aber dass eine Mutter gehe, sei in ihrer Kultur undenkbar. Ruth Pfau hat ihre Sachen wieder ausgepackt und ist geblieben.

Wenn sie an ihre abenteuer lichen Fahrten und Fußmärsche in die Dörfer des Hindukusch, an Erdbeben, Gewalt, die vielen Rückschläge und Neuanfänge denkt, sagt sie nur: „Ich habe das Glück gehabt, von meinem 30. Lebensjahr an so ein Leben führen zu müssen. Hätte ich davor oder während dessen darüber nachgedacht, hätte ich zu viel Angst gehabt.“ Eine Alternative hätte es für die leidenschaftliche Ärztin und Ordensfrau ohnehin nicht gegeben. „Hinsehen, die Augen nicht verschließen“, etwas tun gegen das Leid: Das ist für sie ein „konstruktiver Umgang mit der Frage nach Sinn“ – und ihre persönliche Art, der Leere zu begegnen, die sie mit zunehmendem Alter empfindet.

„Der Mensch muss aushalten, dass er Gott nicht versteht“, schreibt Ruth Pfau in ihrem neuen Buch „Leben ist anders“, in dem sie auch ihre Glaubenszweifel offen thematisiert. Früher, bekennt die Ordensfrau, die sich selber eine „Intellektuelle ohne mystische Neigung“ nennt, habe sie sich Gottes Nähe gewünscht und gespürt. Heute erlebe sie seine Wirklichkeit „als Rätsel, als Geheimnis“, und sei der Wahrheit damit vermutlich näher als früher. Vor allem jedoch will sie sich das Staunen bewahren: Denn „wer mit dem Staunen anfängt, wird kein Ende finden. Er wird sehen, dass unser Leben durchsickert und durchsetzt ist von et was, was nicht banal ist.“

Beatrix Gramlich

"Liebe kennt kein Warum", ...

sagt Ruth Pfau, eine unserer Glaubenzeugen.
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