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Missionswissenschaftliches Institut

„Die Kirche ist nicht vorbereitet“

Seit dem Amtsantritt von Thein Sein 2011 hat sich Myanmar rasant verändert. Der neue Staatspräsident ließ politische Gefangene frei, reichte ethnischen Minderheiten die Hand und öffnete das Land für Reformen. Auch die Kirche hat unter der jahrzehntelangen Militärdiktatur gelitten und theologische Entwicklungen versäumt. John Maung, Stipendiat des Missionswissenschaftlichen Instituts Missio, sieht großen Nachholbedarf.

Die Basis stärken: John Maung will die Laien in seiner Heimatkirche in Myanmar besser ausbilden. © Hartmut Schwarzbach / missio

John Maung war schon eine Weile im Ausland. Er hatte in der philippinischen Hauptstadt Manila an der St. Vincent School of Theology studiert und stand kurz vor dem Abschluss. Eine vergleichbare Ausbildung hätte er zu Hause in Myanmar nie absolvieren können. Da geschah im Herbst 2007 in seiner Heimat, was niemand für möglich gehalten hatte: Buddhistische Mönche verließen scharenweise die Klöster, um den Studenten auf die Straße zu folgen. Gemeinsam protestierten sie gegen die Militärjunta, die das Land seit Jahrzehnten von der Welt abschottete, Ressourcen schonungslos ausbeutete und seinen Bürgern elementare Grundrechte verweigerte. Ungläubig verfolgte die Welt den Aufstand der Männer in den orangefarbenen Gewändern und nannte ihn die „Safranrevolution“. Studenten wie John Maung unterstützten sie aus dem Ausland. „Ich wollte gerade promovieren“, erinnert er sich. „Und auf einmal stand alles Kopf. Ich mischte als Friedensstifter vor allem via Internet mit und organisierte Diskussionsforen.“

Nach wenigen Tagen jedoch schlug das Regime den Protest blutig nieder. Erst Präsident Thein Sein begann 2011 mit einer vorsichtigen Demokratisierung des Landes. Doch die lange Zeit der Diktatur hat auch die katholische Kirche in ihrer Entwicklung behindert. Dabei könnte sie nun eine wichtige Rolle im beginnenden Versöhnungsprozess übernehmen. Der Theologe John Maung erläutert, vor welchen Herausforderungen die Kirche in Myanmar steht und warum er Versöhnung zu seinem Promotionsthema gemacht hat.

Vielfalt: Das Studium in Manila eröffnet Welten. © Hartmut Schwarzbach / missio

Herr Maung, wie schätzen Sie die aktuelle Situation in Myanmar ein?

Viele Veränderungen, Reformen, zumindest in der Regierungsschicht. Aber für die Menschen, die arm sind, bleibt es ein langer Weg auf rauhem Boden.

Was bedeuten diese Veränderungen im Hinblick auf die katholische Kirche?

Die Veränderungen der Regierung haben nicht viel mit der Kirche zu tun. Die Kirche ist nicht darauf vorbereitet, solche Veränderungen zu akzeptieren. Im vergangenen Jahr habe ich Priester, Ordensleute und Laien gefragt: „Ist die Kirche bereit, Demokratie zu akzeptieren?“ Die meisten sagten: „Nein, noch nicht.“ Sie würden gerne alles so lassen wie es ist.

Sie haben sich von Manila aus für die Safranrevolution engagiert. Bei der Kirche in Myanmar kam das weniger gut an. Warum?

Die Kirche war in einem Dilemma. Politische Einmischung war gefährlich, die Reaktion des Militärregimes schwer vorhersehbar. Trotzdem war ich der Meinung, dass wir uns als Christen für Menschenrechte und Demokratie einsetzen müssen.

Zwei Jahre später gründeten Sie dann eine Hilfsorganisation. Wie kam es dazu?

Eigentlich hatte ich nicht die Absicht, aber Erzbischof Charles Bô ermutigte mich. Ich möchte, dass die Armen, die die keine Stimme haben, eine bekommen. So habe ich die „Agentur für die Dorfentwicklung“ gegründet, um der indigenen Bevölkerung in den abgeschiedenen Regionen zu helfen. Ich glaube, dass besonders Angehörige ethnischer Minderheiten über das gesellschaftliche Umfeld und ihre politischen Rechte aufgeklärt werden müssen.

Toleriert das Regime Ihre Arbeit?

Es kontrolliert sie. Nach dem „Unlawful Associations Act“, einem Gesetz, das noch aus der britischen Kolonialzeit stammt, sind Versammlungen von fünf oder mehr Personen verboten. Danach können wir jederzeit verhaftet werden. Wer einen Nachtclub, ein Bierlokal oder Restaurants aufmachen will, bekommt die Genehmigung dafür innerhalb einer Woche. Bei NGOs (Nichtregierungsorganisationen) dauert es ein halbes Jahr. Die Regierung hat Angst vor ihnen. Denn jede Revolution in unserem Land hat durch Organisationen der Zivilgesellschaft begonnen.

Missionswissenschaftliches Institut

Das Missionswissenschaftliche Institut Missio e.V. (MWI) fördert Wissenschaft, Lehre und Forschung in der katholischen Missionsarbeit. Mit Hilfe von Stipendien ermöglicht es jungen, begabten Christen eine akademische Ausbildung, bereitet sie damit auf Führungsaufgaben in den Ortskirchen vor und trägt nachhaltig dazu bei, in ihren Heimatländern Zukunft zu gestalten.

... www.mwi-aachen.org

Sie promovieren über „Versöhnung“. Ein christliches oder eher politisches Thema?

Ich habe mich dafür entschieden, weil wir seit der britischen Kolonialzeit zahlreiche ethnische Konflikte in Myanmar haben. Der Bürgerkrieg hält nach 60 Jahren immer noch an. Es heißt, es sei der längste Bürgerkrieg der Welt. Daher brauchen wir Versöhnung: nationale und ethnische Versöhnung, Versöhnung mit der Kultur, Religion, Ökologie und Versöhnung der Menschen untereinander.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit danach?

Ich werde weiter mit Laien arbeiten und versuchen, sie durch theologische und politische Bildung sowie soziale Aktivitäten zu stärken. Mir schwebt eine Art Theologisches Institut für Laien vor, das gleichzeitig soziales Institut ist: soziale Lehre und katholische Lehre – das sollte doch zusammen funktionieren, oder?

So ein Institut gibt es in Myanmar bisher nicht. Das ist schon lange mein Traum. Ich persönlich interessiere mich für den interreligiösen Dialog, kontextuelle Christologie und kontextuelle Missionswissenschaft (die beim sozialen und kulturellen Umfeld ansetzt, Anm. d. Red.). Aus den katholischen Gebieten, in die ich gehe, studieren viele in Europa, und wenn sie zurückkommen, schreiben sie nichts. Aber wie soll es gehen, solange wir keine offizielle Kirchengeschichte von Myanmar haben?

Warum haben Sie sich für Manila als Studienort entschieden?

Viele Priester und Ordensleute aus Myanmar studieren in Frankreich oder Rom, und wenn sie zurückkommen, sind sie sehr idealistisch. Sie lernen im Ausland zum Beispiel Informationstechnologie, aber wir arbeiten hier noch mit dem Ochsenkarren. In den ländlichen Gebieten gibt es keine Elektrizität, keine Straßen. Für viele ist es daher schwer, von Europa in ihre Heimat zurückzukehren und wieder anders zu arbeiten. Ich habe Manila vorgezogen, weil es offen ist und Menschen aus Afrika, Europa, Asien zum Studieren hierher kommen. Es ist eine Art Schmelztiegel. Für mich macht es keinen Sinn, die Weltreligionen in Europa zu studieren, wo es kaum Hindus oder Buddhisten gibt. In Manila studieren Menschen aus Westindien, Vietnam, China, und wir tauschen uns aus. Ich lerne nicht so viel aus Büchern, von anderen lerne ich mehr. Das mag ich.

Interview: Beatrix Gramlich

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