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Inhalt

Im Farbenrausch der Schöpfung

Afrikanische Kinder haben Pater Polykarp Uehlein die Augen geöffnet. Zuerst fühlte er sich von ihnen beim Malen gestört. Dann verstand er, dass sie seine Bilder wie die Erwachsenen als Religionslehre betrachten. Doch der Missionsbenediktiner aus Amorbach, der seit 1963 in Tansania lebt, wollte mehr: Mit seiner Kunst die Schönheit der Schöpfung zeigen und Kirchen zu Sinnhäusern des Glaubens machen. Daran arbeitet er bis heute.

Malerei als Verkündigung: „Mein wichtigstes Mittel ist die Farbe“, sagt Pater Polykarp Uehlein, 84.
Malerei als Verkündigung: „Mein wichtigstes Mittel ist die Farbe“, sagt Pater Polykarp Uehlein, 84.© Cugini

Es war mir immer schwergefallen, unter fremden Augen zu malen. „Schick’ doch die Kinder aus der Kirche, wenn ich arbeite, die sind mir zu laut“, sagte ich 1973 zu Pater Ildefons in der St. Pauls Kirche in Mtwara. Ich saß hoch oben auf dem Gerüst, wo ich Abrahams Opfer malte. Nur war es mir nie klar gewesen, dass es für Kinderaugen eine Freude und gar für kleine Afrikaner eine Sensation sein könnte, etwas Großes und Farbiges, etwas ganz Neues und Unbekanntes auf einer Wand wachsen zu sehen.

Einer von den Jungen hat sich immer wie der heimlich hereingeschlichen und ist still in einer Ecke gestanden. Später hat er mir einmal erzählt, das helle und dunkle Violett im gestreiften Gewand des Paulus habe ihm so gut gefallen. Jahre später ließ Pater Ildefons den Buben selbst einen kleinen Kindergarten ausmalen und gab ihm seine erste Kirchenwand in der Filiale Ziwani. Dort malte Henry in schönem primitiven Stil die heiligen Märtyrer von Uganda. Ich war schon lange von Mtwara weg und sah das alles später. So nahm ich ihn zu mir, den ersten Schüler und jetzt mein Mitmaler Henry Likonde. Später, als ich in der Kirche von Mlangali malte, waren es wieder Kinder, die vor dem Harfe spielenden David, der ganz unten auf der Wand gemalt ist, vor Freude tanzten und seine schönen roten Schuhe besangen. Sakharani, die Kirche in den Usambara-Bergen: Da laufen lange Bildbänder rechts und links auf den Seitenwänden bis zum Altar in angenehmer Sichthöhe, ganz das Richtige für Kinder augen. Mir war klar geworden, was ihnen gefällt.

Und vorne auf der linken Seite, wo die Buben sitzen, waren die Bilder bei David angelangt. Da war er noch ein junger Hirte, der mit seiner Schleuder die wilden Tiere vertrieb und viel leicht auch auf Vögel zielte. Und richtig schön auf Augenhöhe für alle kleinen Anschauer fiel der Riesenangeber Goliath, vom Stein getroffen, mit offenem Mund auf seinen Panzerrücken.

Jahre später habe ich dann das Gleiche zusammen mit Henry im Kindergarten der Maximilian-Kolbe-Gemeinde zu Schweinfurt gemalt: die Geschichte von König David für Kinder. Wenn es den Kindern gefällt, dachte ich, werden wohl auch die Erwachsenen Freu de haben und etwas mehr von der Schrift und vom Glauben lernen.

Es war also Religionslehre in Bildern. Aber das genügte mir nicht. Kirchliche Kunst soll mehr sein und etwas von der Schönheit der Schöpfung, der Menschen und der Dinge zeigen und die Werke Gottes feiern.

Die Kirchen in Tansania, die ich vorfand, waren einfache, rechteckige Gemeinderäume, aber meist gab es nur das Notwendigste: Altar mit Tabernakel, darüber das Kreuz, die Marienstatue auf einem Nebenaltar und einen gerahmten Kreuzweg an den Wänden. Trotzdem waren es für die Menschen hier, die in einfachen Häusern oder Hütten wohnen, besondere, religiös herausgehobene Versammlungsräume. Aber es fehlte etwas Wichtiges: die geistliche Schönheit. Nach einer Ausmalung sollen Kirchen mehr darstellen als vorher, sie sollen großartiger sein, heller, farbiger, auch heiterer, zum Staunen bringen und Freude verbreiten. So wurden meine Kirchen zu Feierräumen, sie wurden zu gebauten und gemalten Rahmen und zu lebendigen Umhüllungen der Kirchenfeste. Sie führen in die Geheimnisse der Liturgie ein und stehen als Klangkörper um das Singen und Trommeln der Gemeinde.

Farbe macht Kirche zum Feierraum

Wie beginne ich nun mit meiner Arbeit, die Wahrheit und Schönheit unseres Glaubens vor die Augen zu stellen mit den Mitteln der Malerei? Ich schaue mich im Raum um. Wie ist die Helligkeit? Wo ist es zu dunkel? Was wirkt ärmlich und muss verbessert werden? Welche Farbigkeit ist die geeignete? Wie mache ich den Raum optisch weiter und froher? Das sind die Grundfragen, die ich mir stelle und nicht die Fragen nach den religiösen Inhalten. Das kommt später.

Ist die Raumfrage geklärt, beginne ich auf Papier mit abstrakten Farbstudien. Die Farbe ist mein wichtigstes Mittel. Sie verwandelt den Raum, überzieht und verbindet in großer Bewegung Wände zu einem einheitlichen Farb- und Bildzelt. Es kommt zu einem Schwingen und Tanzen von Farbflächen und Bändern, die dann wie Blüten aufbrechen und Geschichten erzählen. So taucht das große Geschehen auf: die Heilsgeschichte.

Die Geschichte Gottes mit den Menschen, die Geschichte des Heilbringers Jesus Christus und unserer Gemeinschaft in ihm. Dieses weite Thema faltet sich auf: Leben und Wirken Christi, Abendmahl, Passion, Auferstehung, Pfingsten und Leben der Kirche.

Heilsgeschichte ist Gegenwart, man sieht den Menschen von heute in meinen Bildern. In einem Kreuzweg zeigt das Gesicht Simons von Cyrene die Züge des großen Tansania-Präsidenten Julius Nyerere oder Pilatus trägt weiße Handschuhe und das Gesicht von Mao. Dafür hat der verhungerte Lazarus die Gestalt des verhafteten polnischen Gewerkschaftsführers Lech Walesa. Im Abendmahl der St. Pauls Kirche zu Mtwara versammeln sich alle Rassen als die Apostel um den Herrn. Der Kirchenraum wird optisch zu einem „Sinnhaus“ des Glaubens.

Polykarp Uehlein

Weitergabe: Henry Likonde (li.) schaute dem Pater als Kind beim Malen zu – und wurde sein Schüler.
Weitergabe: Henry Likonde (li.) schaute dem Pater als Kind beim Malen zu – und wurde sein Schüler.© Cugini

Interview

„Ich zeige Erlösungsgeschichte in afrikanischer Umgebung“

Pater Polykarp, welche Bedeutung hat Kunst für Sie – persönlich und als Missionar?

Kunst ist ein entscheidendes Element der Menschwerdung, eine glückhafte Weiterführung der Schöpfung zum Wohl und zur Freude der Menschen. Als Missionar möchte ich die Erlösung durch Christus im Bild zeigen.

Worum geht es Ihnen in Ihrer Malerei?

Es geht mir darum, dem Geist und den Sinnen in der Gestaltung von Dingen, der Welt und der Menschen Schönheit und Wahrheit zu zeigen. Und das in erster Linie mit dem Gedanken an Kinder: Schauen, Hören, Wissen und Fühlen erweitert unser Bild von der Welt, erweitert den Horizont.

Ist Ihre Kunst eine Brücke zwischen den Welten, zwischen Europa und Afrika?

Eigentlich nicht. Ich zeige nicht Europa, sondern Erlösungsgeschichte mit afrikanischer Umgebung im Bild. Die anderen Fächer habe ich der Schule überlassen.

Was bedeutet Ihre Kunst in einer Gesellschaft, in der viele Menschen nicht lesen und schreiben können?

Die Menschen, mit denen ich lebe, haben ein bildliches Verständnis. Deswegen male ich.

In Europa ist häufig von Inkulturation in Liturgie und Kunst die Rede. Brauchen wir überhaupt eine inkulturierte Kunst oder ist das eher eine intellektuelle Diskussion?

Im Kirchbau und in der Bebilderung hat sich in den vergangenen 50 Jahren einiges geändert. Weihnachten, Ostern, Pfingsten wurde Bild. Gut gesetzte Farben haben einfache Kirchen zu Feierhallen gemacht. Hier treffen Kulturen in Bild und Wort aufeinander. Wir lernen voneinander, geben und nehmen. Christus verbindet, er ist unser Bruder.

Wie geben Sie Ihre Kunst weiter?

Durch meine Schüler Henry Likonde und Sigfried Hittu, durch Bekanntwerden, durch Aufträge und mit finanzieller Hilfe aus meiner Heimat und dem Bistum Würzburg, wofür ich herzlich danke.

Beatrix Gramlich

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