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Kriege, Kämpfe zwischen Israelis und Arabern, Konflikte zwischen Religionen und Volksgruppen: Der Nahe Osten ist schon lange Krisenregion. Christen sind in ihrer biblischen Heimat die Minderheit. Sie werden benachteiligt, wandern aus oder fliehen – wie aus dem Irak – vor fanatischen Muslimen. Die Zukunft der christlichen Kirchen im Orient steht auf dem Spiel. Eine Herausforderung für die Nahost-Synode im Oktober in Rom.

Protest: Irakische Christen demonstrieren in Brüssel mit dem Bild ihres ermordeten Bischofs.
Protest: Irakische Christen demonstrieren in Brüssel mit dem Bild ihres ermordeten Bischofs.

Für die Christen im Irak ist die Situation besonders kritisch. Hunderttausende sind bereits aus ihrer Heimat geflohen – vor Krieg und Terror, vor fanatischen Muslimen, vor den Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten, die die Christen beschuldigen, mit der jeweils anderen Seite zu kollaborieren. In den Nachbarländern Syrien, Jordanien und der Türkei müssen sie um ihren

Flüchtlingsstatus kämpfen und sich ohne Arbeitserlaubnis durchschlagen. „Kriegsähnliche Zustände im Irak, Schwierigkeiten als religiöse Minderheit in der Türkei, konfessionelle politische Auseinandersetzungen in Ägypten“ – nennt Harald Suermann als Gründe, die die Christen im Nahen Osten zum Auswandern treiben. Wird ihr Exodus nicht gestoppt, stirbt das Christentum in seiner biblischen Heimat aus. Wege aus den Krisen in der Region versuchte die Nahost-Synode vom 12. bis 24. Oktober in Rom aufzuzeigen. Suermann, missio-Länderreferent, Leiter des Missionswissenschaftlichen Instituts Missio (MWI) und Professor für den Christlichen Orient, war einer der Teilnehmer. Im Vorfeld der Kirchenversammlung sprach er mit dem missio-Magazin.

„In einem islamistischen Staat sind Christen in Gefahr.”

Harald Suermann, 54, Synoden-Teilnehmer

Interview

Herr Professor Suermann, Louis Sako, der Bischof von Kirkuk im Nordirak, hat mit vielen Amtsbrüdern auf die Einberufung der Nahost-Synode gedrungen. Warum?

In der Region gibt es eine Anhäufung von Problemen. Und gerade jetzt haben wir eine sehr kritische Situation im Irak. Ein Großteil der Christen, die Hälfte vielleicht, hat das Land verlassen. Sie leben als Flüchtlinge in den Nachbarländern, wo sie kaum Perspektiven haben. Zudem gibt es Hunderttausende innerirakische Flüchtlinge, die vom Süden in den Norden des Landes geflohen sind.

Wieso hat sich die Situation für die Christen im Irak so verschlechtert?

Ein totalitärer Staat wie unter Saddam Hussein bietet durch totale Kontrolle Sicherheit, solange man sich nicht explizit gegen den Diktator wehrt. Heute gibt es stattdessen radikale kleine Gruppen. Muslimische Schiiten und Sunniten bedienen sich bei ihren Auseinandersetzungen radikaler Milizen. Christen geraten zwischen die Fronten oder werden vertrieben, weil in den Vorstellungen von einem islamistischen Staat kein Platz für sie ist. Es gibt eine regelrechte Entführungsindustrie, die sich auf lohnende Ziele wie die christliche Mittelschicht stürzt.

Aber die Lage der Christen im Irak war nicht der einzige Grund für die Synode ...

Nein. Wir haben weitere Konfliktfelder wie Palästina, die israelisch-palästinensischen Auseinandersetzungen, wo es um wirtschaftliche Fragen geht und wo vor allem Christen die Region verlassen. In Bethlehem, das einmal eine große christliche Stadt war, sind Christen heute in der Minderheit. Früher waren 80 Prozent der Einwohner christlich, heute nur noch halb so viele.

Ist die Situation für Minderheiten im Nahen Osten grundsätzlich schwierig?

Nein, das kommt auf die Länder an. Sehr schwierig ist es für Christen in der Türkei, im Irak, in Ägypten, aber auch in Palästina. In Syrien haben sie eine gute Stellung, ähnlich im Libanon und in Jordanien.

Womit kann man Christen überzeugen, in ihrer angestammten Heimat zu bleiben?

Die Argumente, die man vor Ort hört, kommen aus einer emotionalen Bindung heraus: Man gehört zu einem Volk. Es gibt die Argumente, „Das ist unsere Heimat“ und „Wir haben hier den Auftrag, eine Gesellschaft aufzubauen“. Aber natürlich steht das Überleben letztlich vor der Heimat.

Dialog: Harald Suermann (r.) sucht Kontakt zu ägyptischen Muslimen, die mit Christen im Streit liegen.
Dialog: Harald Suermann (r.) sucht Kontakt zu ägyptischen Muslimen, die mit Christen im Streit liegen.

Was kann eine Synode zur Lösung dieser Probleme beitragen?

Die Konflikte wurden als Grundübel der Region benannt – jedoch mit dem Hinweis, dass Kirche sie nicht lösen kann. Das ist die Aufgabe der Politik.

Und worin besteht die Aufgabe der Kirche?

Sie kann Christen animieren, sich nicht in Ghettos in ihre Stadtviertel zurückzuziehen. Und sie kann vor allem die Laien ermutigen, an einer zukunftsfähigen arabischen Gesellschaft mitzuwirken.

Ist das für Christen realistisch, ohne sich in Gefahr zu bringen?

Eindeutig a. Denn dasselbe fordert auch ein moderner muslimischer Bevölkerungsanteil. Mit ihm zusammen sollten die Christen einen positiven säkularen Staat aufbauen.

Und der ist für Christen besonders wichtig ...

... weil sie dann gleichgestellt sind. Ein Staat mit traditionellen islamischen Vorstellungen geht davon aus, dass Christen Bürger zweiter Klasse sind, die zwar keinen Militärdienst leisten, dafür aber eine bestimmte Steuer zahlen müssen, die manche Berufe oder Funktionen nicht ausüben dürfen.

Sind sich die christlichen Kirchen im Orient in ihren Anliegen einig?

Die Ökumene steckt in einer Krise. Ich halte es für ein Grundübel, dass die Kirchen vor allem in der Hierarchie stark darauf achten, getrennt zu bleiben und sich nur mit den eigenen „Schäflein“ zu befassen. So interessiert sich die eine Kirche wenig für die Flüchtlinge der anderen, obwohl beide katholisch sind.

Wenn der Dialog schon dort schwierig ist, was lässt sich dann überhaupt erreichen?

Über den interreligiösen Dialog wird man in Glaubensfragen nur schwer zu einer Annäherung kommen. Aber man kann Verständnis für die Positionen des anderen wecken. Auf dieser Basis lässt sich im gesellschaftspolitischen Bereich viel erreichen. Etwa bei den Menschenrechten, der Religionsfreiheit, im Bemühen um einen gemeinsamen säkularen Staat. Über diese Dinge sollten die christlichen Kirchen reden und gemeinsam daran arbeiten.

bg

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