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Wer in Bethlehem lebt, sitzt in der Falle. Jerusalem liegt in Sichtweite, doch aus dem Westjordanland darf dorthin niemand ausreisen. Max von Danwitz war Zivildienstleistender an der Bethlehem-Universität und hat inmitten der ummauerten Stadt erstaunliche Freiräume erlebt.

Kontrolle: Warten am Checkpoint in Bethlehem. Palästinenser werden besonders streng kontrolliert.
Kontrolle: Warten am Checkpoint in Bethlehem. Palästinenser werden besonders streng kontrolliert.

Die Mauer ist allgegenwärtig: Ein bis zu acht Meter hoher Betonwall, der das im Westjordanland gelegene Bethlehem hermetisch vom angrenzenden Israel abriegelt. „Man rennt buchstäblich immer wieder gegen die Wand“, sagt Max von Danwitz und erzählt, wie sein sportlicher Ehrgeiz gleich zu Anfang abrupt gebremst wurde. Wie daheim im rheinischen Bergheim hatte er seine Laufschuhe geschnürt und war losgejoggt. Doch die geplante Runde entpuppte sich als unmögliches Unterfangen. Immer wieder endete der 19-Jährige vor den Sperranlagen, die Häuser isolieren, Straßen abriegeln, die Hauptverkehrsader von Jerusalem nach Hebron durchschneiden und eine sechsspurige Straße vollkommen nutzlos machen. Er hätte es ahnen können, hatten sie ihn an der Bethlehem-Universität doch süffisant mit „Willkommen im Freiluftgefängnis“ begrüßt.

„Viele Straßen in Bethlehem enden einfach an der Mauer.”

Max von Danwitz, 19, Zivildienstleistender

Gelebte christliche Solidarität

Dreizehn Monate lang leistete der junge Mann dort Zivildienst – vier Monate länger als in Deutschland. Doch die Erfahrung hat sich gelohnt. „Bethlehem ist ein Schmelztiegel“, sagt er, „in dem viele Kulturen und Religionen aufeinandertreffen.“ An der einzigen katholischen Universtiät im Heiligen Land war von Danwitz mittendrin und hat erlebt, wie das Zusammenleben von Palästinensern und Arabern, Christen und Muslimen funktionieren kann. Er führte Besucher durch die Hochschule, die auch von missio unterstützt wird, arbeitete im Fundraising und beim Internetauftritt mit. Für den aktiven Messdiener war sein Einsatz an Jesu Geburtsort ein Stück gelebte christliche Solidarität. Seine ungewöhnliche Zivildienststelle hatte er über den Deutschen Verein vom Heiligen Lande gefunden.

Doch so klein Bethlehem mit seinen 30.000 Einwohnern auch ist: Die Universität ist eine Welt für sich und eröffnet Freiräume für ein Miteinander über gesellschaftliche und religiöse Schranken hinweg. „Auf dem Campus stehen Männer und Frauen, manche mit Kopftuch, andere ohne, ganz zwanglos zusammen“, erzählt von Danwitz. „Solche Begegnungen sind hier leichter als anderswo in der arabischen Welt.“ So fungiert die Hochschule nicht zuletzt als Modell für eine Gesellschaft, in der Christen nicht mehr durch die falsche Darstellung ihres Glaubens in den Schulbüchern verunglimpft werden.

Austausch: Im Gespräch mit den Studenten kann Max von Danwitz (li.) Schwierigkeiten klären.
Austausch: Im Gespräch mit den Studenten kann Max von Danwitz (li.) Schwierigkeiten klären.

Stipendien sichern das Studium

An der Bethlehem-Universität stellen sie ein Drittel der rund 3000 Studenten, zwei Drittel sind Muslime, alle aber Palästinenser. Um das Verständnis füreinander zu fördern, sind Kurse in Englisch, Arabisch, Christentum und Islam verpflichtend. Angeboten werden vor allem Studiengänge wie Erziehungswissenschaften, Tourismus oder Krankenpflege, deren Absolventen vor Ort gebraucht werden. Viele Studenten können sich den Hochschulbesuch jedoch nur dank eines Stipendiums leisten. Dass eine bayerische Besuchergruppe, die von Danwitz über den Campus führte, spontan eines übernahm, kann er wohl als größten Erfolg seiner Zivildienst-Zeit verbuchen. Doch Geld ist nur eine Hürde – die andere ist die Anfahrt. Während die Studenten aus

Bethlehem und den seit 1948 bestehenden palästinensischen Flüchtlingslagern rings um die Stadt wenigstens kurze Wege haben, müssen ihre Kommilitonen aus Jerusalem jeden Morgen Geduld aufbringen. Zwar besitzen sie – anders als die Einwohner Bethlehems – weitgehende Reisefreiheit. Die Checkpoints an der Grenze zum Westjordanland aber müssen sie trotzdem passieren. „Die Palästinenser werden besonders gründlich kontrolliert“, berichtet von Danwitz. „Die Fahrt ist unkalkulierbar. Manchmal braucht der Bus für die zehn Kilometer eine dreiviertel Stunde, manchmal fast doppelt so lang.“ Für Studenten aus dem Gazastreifen ist es aufgrund der Blockade völlig unmöglich, Bethlehem zu erreichen. Die Universität hat auf die Situation rasch reagiert und überträgt Lehrveranstaltungen per Internet oder Videokonferenz.

Beeindruckende Gastfreundschaft

Am meisten beeindruckt aber hat von Danwitz die Gastfreundschaft, die er erlebten durfte. Immer wieder wurde er von Familien eingeladen und bekam so einen Einblick in deren Alltag, der dank Tourismus und Bauindustrie halbwegs funktioniert. Der junge Deutsche hat den Schmelztiegel Bethlehem genossen und selber erfahren, wie das Miteinander wächst. „Meine beste Freundin“, sagt er, „ist Muslima und kommt aus Hebron.“

bg

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