Sie haben Javascript deaktiviert. Möglicherweise stehen Ihnen dadurch einige Features nicht zur Verfügung. Bitte aktivieren Sie Javascript.

Subnavigation und Schnelleinstieg

Ihr Kontakt zu missio

Unsere Servicezeiten ,
Mo.-Do. 8-17 Uhr Fr. 8-13 Uhr

Goethestr. 43 , 52064 Aachen

Tel.:
0800 / 38 38 393
Kontaktformular:
zum Kontaktformular
Wir bauen ein Haus für Alle Solidarität mit bedrängten Christen Glauben teilen. Weltweit. Aktion Schutzengel - Für Familien in Not. Weltweit.

Projektauswahl

Filterkriterien
.
missio im Web 2.0: Facebook, Twitter, Google+, Youtube, Instagram, Blog » Twitter » Instagram » Youtube » Blog » Google+ » Facebook

Inhalt

Christen in Bedrängnis

Ökumene: Im Libanon trifft Papst Benedikt den griechisch-melkitischkatholischen Patriarchen Gregorios III. Laham, dessen Amtssitz Damaskus ist. © Michaela Koller / KNA

Naher Osten

Seit dem „Arabischen Frühling“ weht den Christen im Orient ein eisiger Wind entgegen. Wo früher Diktatoren Ordnung und Religionsfreiheit mit Gewalt sicherten, konnten im staatlichen Kollaps vielerorts die Islamisten erstarken. Bei seiner Libanonreise wollte Papst Benedikt XVI. ein Zeichen der Hoffnung für die Christen im Nahen Osten setzen. Der melkitische Patriarch Gregorios III. sieht deren Zukunft optimistisch.

Vatikansprecher Pater Federico Lombardi sagte, Papst Benedikt XVI. habe keinen Moment lang daran gezweifelt, die Reise in den Libanon durchzuführen, trotz realer Gefahren und absehbarer Anstrengungen. Welche Bedeutung hat nun dieser Besuch gehabt, Eure Seligkeit?

Patriarch Gregorios III.: Es waren historische Tage in der Geschichte des Libanon und des ganzen Nahen Ostens. Der vorherige Papst Johannes Paul II. hat den Libanon als Botschaft betrachtet und bezeichnet. Ich analysiere das so, dass Papst Benedikt sich nun gesagt haben mag, dass er durch diese Botschaft wiederum seine Botschaft weitergeben kann. Sein Besuch war ein Besuch „ad intra“ für den Libanon und „ad extra“ für die ganze Welt, was er auch in allen seinen Ansprachen gesagt hat. In der Synode im Oktober 2010 waren die Patriarchen und Bischöfe der verschiedenen katholischen Kirchen des Ostens und auch Orthodoxe, Muslime und Juden vertreten. Nun wollte der Papst dem großen Mosaik des Nahen Ostens hier begegnen.

Die Christen sind hier seit 2000 Jahren präsent und immer in der Literatur, in der Dichtung und Kunst wirksam gewesen. Die arabische Kultur wurde auch besonders durch die arabischen Christen geprägt. Ich habe Präsident Michel Suleiman gebeten, die wesentlichen Reden offiziell an die arabischen Staatsoberhäupter zu schicken. Wir haben das richtige Programm für den Arabischen Frühling. Schon die Synode war eine Vorwegnahme dieser Freiheitsbestrebungen.

Lässt sich auch das päpstliche Schreiben „Die Kirche im Nahen Osten“ als programmatisch bezeichnen?

Patriarch Gregorios III.: Das ist wirklich eine Vision, die man mit den Worten zusammenfassen könnte: Ihr seid das Licht der Welt, das Salz der Erde. Ihr seid der Sauerteig. Wir sind eine kleine Herde, die aber keine Angst hat und die sich nicht zurückhalten darf. Wir spielen eine große Rolle für die große Herde ...

... aber die Christen werden immer weniger.

Patriarch Gregorios III.: Seit 64 Jahren haben wir den Nahostkonflikt. Nach jedem Krieg und jeder Krise fand eine neue Auswanderungswelle statt. Den Europäern sagen wir: Wir brauchen Ihre Unterstützung nicht, denn wir sind schon erwachsen. Aber wir brauchen die Lösung des Nahostkonflikts. Sie haben Israel ins Leben gerufen. Ich habe nichts dagegen, als Priester, als Patriarch, als Syrer. Aber lassen Sie jetzt auch einen Raum für Palästina. Als die Europäer im vorigen September die Chance hatten, Palästina anzuerkennen, sagte sogar der Vatikan, es müsse alles durch Gespräche herbeigeführt werden. Vor 64 Jahren haben sie uns nicht angehört.

Patriarch Gregorios III. Laham

... wurde 1933 in Daraya, Syrien, geboren, studierte im Libanon und in Rom und wurde 1959 zum Priester, 1981 zum Bischof geweiht. Seit der Wahl zum Patriarchen der griechisch-melkitisch-katholischen Kirche von Antiochien im Jahr 2000 ist er Oberhaupt von 2,4 Millionen arabischsprachigen Katholiken des byzantinischen Ritus. Melkiten sind nach der maronitischen die zweitgrößte katholische Kirche des Orients.

Christen in Bedrängnis

Was können die Christen als Sauerteig in ihren Gesellschaften bewirken?

Patriarch Gregorios III.: Wir haben in der Vergangenheit in allen Bereichen unserer Gesellschaft mitgewirkt. Ein Beispiel ist die Einrichtung von Krankenhäusern. Im Libanon, in Syrien, Jordanien, Ägypten, Irak und Palästina wie auch Israel: überall haben wir unsere Werke, Waisenhäuser, Schulen, Sonderschulen, Begegnungs- und Kulturzentren. Das ist unser Beitrag für unsere Welt, vor allem für unsere Armen. Und die Nutznießer dieser Einrichtungen sind überwiegend Muslime. Seit langer Zeit sind unsere Institutionen offen für alle. Und an vielen Orten werden sie von mehr Muslimen als Christen genutzt. In Palästina haben wir vier Kliniken gegründet, mit jährlich insgesamt 90 000 Patienten, davon sind weit mehr als 90 Prozent Muslime. Auch in unserem Waisenhaus im Südlibanon sind mittlerweile überwiegend muslimische Kinder untergebracht. Das ist unser Beitrag in der Geschichte und das wird auch in Zukunft so weitergehen.

Wie sieht es auf politischer Ebene aus?

Patriarch Gregorios III.: Auch in der Frage der Gewissensfreiheit, der Freiheit der Presse und des Wortes sowie bei der Demokratisierung, waren wir diejenigen, die immer wieder nachgehakt haben. Ich habe bereits zum Anfang der Krise in Syrien im April vorigen Jahres eine Liste von Fragen eingereicht, die vom Staat beantwortet werden sollten. Ich musste niemanden fragen und habe frei gehandelt. Wir hängen nicht am Regime, sondern sind freie Christen, die wirklich ihre Rolle wahrnehmen.

Wie sehen Sie denn aber gerade in Syrien die Zukunft der Christen?

Patriarch Gregorios III.: Wenn diese Situation länger andauert, leiden die Christen am meisten. Inzwischen werden bei uns jeden Tag Leute entführt, darunter auch Christen. Wir sind Opfer in diesem Chaos, nicht spezielles Ziel. Es könnte auch sein, dass einige Gruppen das Ziel haben, Christen zu töten.

Wie sieht es denn mit der Einheit der Christen in der Region aus?

Patriarch Gregorios III.: Die beste Ökumene in der Welt ist die im Nahen Osten. Die oberste Ebene ist der Middle East Council of Churches, in dem alle vier Familien vertreten sind: die Katholiken, die orientalischen und orthodoxen Kirchen und die Protestanten. Es gibt eine einmalige Atmosphäre.

Wie wirkte der Besuch von Papst Benedikt XVI. auf die Muslime?

Patriarch Gregorios III.: Dort, wo der Papst landete, ist ja schiitisches Gebiet. Und sie kamen in Massen, als er dort auf dem Weg nach Harissa vorbeifuhr, Frauen in Schwarz und viele Kinder. Es war unglaublich, dieses Bild. Beim Jugendtreffen waren Muslime dabei, sowohl aus dem Libanon wie auch aus anderen Ländern. Und auch bei der großen Messe am Sonntag.

Wie gehen Sie jetzt mit dem Dokument über die Ergebnisse der Nahostsynode um, das der Papst hier unterschrieben hat?

Patriarch Gregorios III.: Es ruft die Christen dazu auf, gemeinsam mit den Muslimen für Werte wie Freiheitsrecht, Demokratie und interreligiöse Verständigung einzutreten. Wir müssen jetzt damit an die Öffentlichkeit gehen. Das werde ich tun.

Michaela Koller

© 2009-2017 missio Aachen