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Weg durch die Hölle: Als Kindersoldat musste Thomas im Busch ums Überleben kämpfen. © Bettina Flittner / missio

Kindersoldat wird Priester

Eine glückliche Kindheit verlebt der ugandische Junge Thomas Omony. Dann überfallen Rebellen seine Schule. Mit 40 Schülern wird er entführt und ein Kindersoldat.

Thomas Omony hat alle Hausaufgaben fertig. Jetzt kann er mit seinen Freunden auf dem Bolzplatz hinter der Kirche Fußball spielen. „Endlich ist Wochenende“, atmet der 17-Jährige auf. Nach einer anstrengenden Schulwoche und vielen geschossenen Toren kehrt am Abend langsam Ruhe in dem katholischen Internat ein. Die Dämmerung hat den Himmel schon verdunkelt, als Thomas die schwere rote Eisentür zum Schlafsaal öffnet. „Hallo Isaak“, begrüßt er seinen jüngeren Mitschüler. „Ich muss direkt schlafen gehen, ichbin so müde.“ Thomas beendet seinen Tag mit dem Vaterunser. „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“, betet er. Draußen patrouillieren zwei Regierungssoldaten zur Sicherheit der Schüler. Denn die katholische Schule des kleinen Priesterseminars von Gulu liegt im Norden Ugandas. Seit 1987 leben die Menschen hier in Angst und Schrecken vor der sogenannten Lord’s Resistance Army (LRA). Von der UNO wird die LRA als die „wohl brutalste Rebellengruppe der Welt“ bezeichnet. Ohne konkrete politische Ziele kämpfen und plündern sie im Norden Ugandas, dem Sudan und in der Demokratischen Republik Kongo.

Es ist kurz nach Mitternacht, als Schüsse Thomas aus dem Schlaf reißen. Er springt aus dem Bett und wagt einen kurzen Blick aus dem Fenster. „Die Rebellen kommen!“ Die wachhabenden Soldaten sind weg. Als sie die Rebellen sahen, warfen sie ihre Gewehre ins Gras und rannten um ihr Leben. „Los, macht die Tür auf“, brüllt einer der Rebellen. Thomas und die anderen Schüler erstarren vor Furcht. Dann feuert ein Bewaffneter auf das Schloss der Eisentür. Thomas und Isaak verstecken sich unter dem Bett. Sie ziehen die Decke so weit runter, um nicht entdeckt zu werden. Nur der Fuß von Thomas lugt unter dem Bett hervor.

Kindersoldat wird Priester

Priesterseminar: Stephen und Thomas studieren Theologie und wollen als Gemeindepfarrer arbeiten. © Bettina Flittner / missio

In den Händen der Rebellen

Die ersten Schüler, die in der Nähe des Eingangs geschlafen hatten, werden von den Rebellen nach draußen gebracht und mit dicken Seilen um den Bauch aneinander gefesselt. Einer der Rebellen kehrt in den Schlafsaal zurück und leuchtet mit einer Taschenlampe durch den weiten Raum. „Hey, da ist ja noch jemand. Komm sofort raus oder ich knall dich ab.“ Thomas kriecht unter dem Bett hervor und zieht sofort die Bettdecke wieder runter, damit Isaak nicht gesehen wird. Der Bewaffnete bringt Thomas zu den anderen Gefangenen. „Hoffentlich überlebt wenigstens Isaak“, denkt Thomas.

41 Schüler im Alter von 12 bis 18 Jahren sind die Beute der Rebellen. Thomas muss die ganze Nacht durchmarschieren und kiloschwere Lebensmittel schleppen. Plötzlich werden die Rebellen nervös. Am Horizont ertönt ein lautes Rattern, mehrere kleine Punkte sind am Himmel zu erkennen. Armeehubschrauber sind den Entführern auf der Spur. Durch den Überfall auf die Schule ist die ganze Region in Aufruhr. Die Regierung hat Soldaten geschickt, Erzbischof Odama setzt sich für die Freilassung ein, internationale Medien wie BBC berichten. Die Eltern der Entführten versammeln sich regelmäßig zum Gebet.

Den Rebellen auf der Spur

„Los, alle verstecken“, rufen die Rebellen. Thomas und die anderen Jungen suchen Deckung unter den Bäumen und Büschen. Nur einer von ihnen bleibt wie versteinert stehen. „Jetzt versteck dich endlich“, brüllt der Kommandant. Als die Helikopter am Horizont verschwunden sind, befiehlt der Kommandant: „Er hat sich nicht versteckt und wir wären fast entdeckt worden. Bringt den Jungen um.“ Thomas und die anderen Schüler nehmen ihren ganzen Mut zusammen. „Wir flehen Sie an. Lassen Sie ihn am Leben. Er hatte nur Angst, er wollte niemandem schaden. Bitte!“ Der Kommandant zögert. Dann sagt er. „Gut, wir lassen dich leben. Aber beim nächsten Mal bist du tot. Und wehe, jemand von euch wagt es zu fliehen. Den bringen wir um.“

Am nächsten Tag kommen sie an einem Acker vorbei. Ein Bauer schleppt einen Sack Manoikpflanzen. Als er die Rebellen sieht, rennt er weg. Doch er hat keine Chance. „Zieht ihm die Kleider aus, fesselt ihn und stülpt ihm den Sack über“, lautet der Befehl. „Los, alle mitmachen. Jeder nimmt sich einen dicken Ast und dann prügelt ihr ihn tot.“ Keiner der Schüler bewegt sich. „Entweder ihr macht mit oder ihr werdet selber getötet.“ Während die vor Angst zitternden Schüler die Äste nehmen, werden sie selber von den Rebellen geschlagen. Am Abend sitzen die traumatisierten Schüler zusammen. Thomas beginnt zu beten: „Herr, vergib uns! Wir mussten es tun, wir konnten nicht anders. Wir wurden gezwungen. Vergib uns unsere Schuld.“

Während der nächsten Wochen werden die Schüler von den Rebellen im Busch trainiert. Thomas muss lernen, wie er mit einer Kalaschnikow umgehen muss und wie Landminen eingesetzt werden. Die Rebellen ziehen immer mehr Kämpfer zusammen. Weil Thomas sehr klug ist, wird er von seinem Kommandant immer wieder für Schreibdienste eingesetzt. Dabei erfährt Thomas, dass die Rebellen an einer Landstraße vorbei Richtung Sudan ziehen wollen. Inzwischen ist die Truppe auf 500 Personen angewachsen.

In der Nacht vor dem Abmarsch riskiert Thomas sein Leben. Im Schutz der Dunkelheit nutzt er einen unbeobachteten Moment und versteckt sich in einem mit Gestrüpp überdeckten Erdhügel. Am nächsten Morgen geht sein Plan auf. Die Rebellen wollen keine Zeit verlieren und brechen schon bald die Suche nach ihm ab. Thomas folgt den Rebellen in sicherem Abstand, um so zu der Landstraße zu gelangen. Nach sechs Stunden erreicht er ein kleines Dorf. Die Bewohner bringen den erschöpften Jungen in ein Haus, in dem er von Ordensschwestern versorgt wird.

Kindersoldat wird Priester

Mahnmal: Mit einem Weggefährten betet Thomas für die Opfer des Krieges. © Bettina Flittner / missio

Ein Missionar als Vorbild

„Gott hat einem Plan für mich“, sagt Thomas nach seiner Flucht und will weiter an seinem Traum festhalten, den er schon vor der Entführung hatte. Er will die katholische Schule abschließen, Theologie studieren und Priester werden. „Ein italienischer Missionar hat in unserer Gemeinde früher gepredigt. Er ist mein großes Vorbild.“ Natürlich sei es für ihn keine leichte Entscheidung gewesen. „Unsere afrikanische Tradition sagt: Ein Mann muss eine Familie und viele Kinder haben. Doch ich weiß, was ich will.“ Aus Sicherheitsgründen ist Thomas nicht mehr an seiner alten Schule. Denn allzu zu oft kommen die Rebellen zurück und nehmen Rache. Heute studiert der 26-Jährige Theologie in dem über 400 Kilometer entfernten Großen Priesterseminar in Katingondo im Süden des Landes, der von dem Bürgerkrieg stets vorschont geblieben ist.

Im Jahr 1911 wurde hier das Priesterseminar gegründet. „Seitdem sind hier über 1700 Priester ausgebildet worden“, weiß der Rektor Hermann Kituuma. Für ihn ist es nicht nur wichtig, dass die Seminaristen qualifizierte Seelsorger werden. Deshalb lernt Thomas nicht nur Latein, Italienisch und Bibelinterpretation, er muss auch wissen wie man einen Acker bestellt. „Denn wer als Gemeindepfarrer arbeitet, muss sich selbst mit Nahrungsmitteln versorgen und ein eigenes Stück Land bewirtschaften können“, so lautet die Philosophie des Priesterseminars. Nur eins bereitet dem Direktor des Priesterseminars Sorgen. Die Räumlichkeiten platzen aus allen Nähten, weil sie für 150 Studenten ausgerichtet sind. Zurzeit wollen 250 junge Männer Priester werden. „Ich bin überzeugt, Thomas wird ein ausgezeichneter Priester und Seelsorger werden, der die Sorgen und Nöte der Menschen hier in Uganda wie kein zweiter kennt.“

Jörg Nowak / missio

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