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Aktion Schutzengel

„Bei mir löst es Kampfesgeist aus“

Blick nach vorn: Der Pazifist Martin Kobler kämpft im Kongo gegen die Milizen und für die Menschen. © UN Photo / Liechti

Im Osten des Kongo kämpfen Rebellengruppen um Rohstoffe und Einfluss. Sie zwingen Kinder unter die Waffen, morden, brandschatzen, plündern und vergewaltigen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es fünf bis sechs Millionen Tote. Eine schwierige Mission für den UN-Sonderbeauftragten Martin Kobler. Im Interview erklärt der 61-Jährige, warum er die Herausforderung trotzdem annimmt.

Herr Kobler, die Lage im Osten des Kongo ist eine der brutalsten der Welt. Was können Sie da überhaupt bewirken?

Wir haben im Prinzip drei neue Instrumente: Das eine ist der offensive Kampfauftrag mit der Interventionsbrigade. Sie hat den Auftrag, bewaffnete Gruppen zu neutralisieren. Wenn das nicht friedlich geht, dann eben mit bewaffneten Mitteln. Das zweite ist das Abkommen von Addis Abeba, in dem sich der Kongo zu einem demokratischen Prozess verpflichtet. Die Staaten in der Region der Großen Seen verpflichten sich, keine Rebellen im Osten des Kongo zu unterstützen und zu einer Politik der guten Nachbarschaft. Das dritte ist die Zusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft und der Beauftragten für die Großen Seen.

Von der Büroleitung bei Joschka Fischer über UN-Missionen in Afghanistan und im Irak in den Ost-Kongo. Was treibt Sie von einem Krisen herd zum nächsten?

Ich bin in Waldshut-Tiengen relativ behütet aufgewachsen. Die Schule, der Auslandsbezug, den sie hatte, hat mich geprägt. Dazu kommt ein starker humanitärer Beweggrund, das Schicksal der Menschen durch diplomatisch-politische Mittel zu verbessern. Die Leute im Kongo können sich selbst nicht immer gegen Machthaber, die Rebellen und andere Kräfte wehren. Die UNO kann das manchmal besser. Wir haben für die Leute da zu sein – mit verschiedenen Mitteln.

Die UNO wurde oft kritisiert, dass sie bei Kriegsverbrechen passiv bleibe. Sind Sie als Pazifist eines Besseren belehrt worden?

Ich komme grundsätzlich aus der pazifistischen Ecke. Auf der anderen Seite finde ich, Pazifismus und friedliche Mittel finden ein Ende, wo die Rechte anderer auf massive Weise verletzt werden. Im Kongo reden wir da von Kindersoldaten, wir haben Massenvergewaltigungen, niedergebrannte Dörfer und die abscheulichsten Menschenrechtsverletzungen.

Ihr eigentliches Büro ist in der Hauptstadt Kinshasa, 2.000 Kilometer entfernt. Aber sie selbst sind viel in der Konfliktregion.

Ich bin im Regelfall von Montag bis Mittwoch in der Hauptstadt, dann drei Tage im Osten. Jetzt ziehen mehrere hundert Kollegen in den Osten. Absicht ist, Gebiete militärisch zu befreien, dann aber mit zivilem Personal in diese Gebiete zu gehen – in diese sogenannten Inseln der Stabilität – bis die kongolesische Regierung in der Lage ist, selbst mit Personal und öffentlichen Dienstleistungen nachzurücken.

Wie lebt man in einer Region, die eine solche Verrohung erlebt hat und erlebt?

Ich lasse das persönlich nahe an mich herankommen. Natürlich ist es furchtbar, sich von diesen Grausamkeiten berichten zu lassen, viele Leichen sehen zu müssen, verbrannte Häuser, verkohlte Menschen. Aber bei mir löst es einen Kampfesgeist aus. Wenn ich es nicht an mich ranlassen würde, würde ich wahrscheinlich zynisch werden.

Auf Augenhöhe:Martin Kobler will das harte Leben im Kongo nahe an sich heranlassen. © UN Photo / Liechti

Was sind die Ursachen für den Konflikt?

Dass wir wenig davon hören liegt daran, dass es ein implodierender Konflikt ist. Er strahlt nicht in Nachbarländer aus wie der islamische Fundamentalismus. Die Grundursa chen des Konfliktes sind zweierlei. Das ist mangelnde staatliche Autorität. Da ist eine politische Elite, die das Land aufbauen muss und mit Schwierigkeiten kämpft. Das zweite ist das regionale Umfeld. Der Kongo hat neun Anrainerstaaten. Ganz wichtig sind dabei Ruanda, Uganda, Burundi, Tansania mit ihren eigenen Interessen.

Welche Rolle spielen Konfliktmineralien?

Sie sind eine der Grundursachen. Man sieht, dass die bewaffneten Gruppen sich der Mineralien bedienen, um ihre Waffen zu kaufen.

Welche Möglichkeiten gibt es, diese Dynamik bei den Konfliktmineralien zu stoppen?

Deutschland hat ein Projekt, die Minen zu validieren, das heißt Arbeitsbedingungen zu überwachen, aber auch den geregelten, kontrollierten Transport von der Mine zu den Verkaufsstellen bis hin zum Endverbraucher zu organisieren. Kinderarbeit ist verboten, schwangere Frauen dürfen dort nicht arbeiten, die Armee muss sich fernhalten. Die Minen verlieren ihren Status, wenn wir bei Inspektionen wiederholt Verstöße feststellen.

Sie haben das Fairphone positiv erwähnt ...

Ich setze erhebliche Hoffnungen nicht nur in das Fairphone, sondern ich setze erhebliche Hoffnungen in alle Firmen: Sie sollten keine Blutmineralien in den Telefonen verwenden. Ich versuche, die UNO dafür zu interessieren, dass wir mehr Fairphones einsetzen und somit ein Beispiel auch für die Großen sind.

Sie wissen, dass es große Kritik von Seiten der Industrie gibt. Es heißt, der Ankauf von Mineralien aus dem Kongo sei stark zurück gegangen, egal ob saubere oder Konfliktmineralien. Es sei für die Industrie viel zu kompliziert, diese Trennlinie zu ziehen.

Die Industrie muss zurückkommen – aber unter der Bedingung, sauber zu produzieren. Wenn sie Menschen ausbeutet und Minen mit Kinderarbeit betreibt, in denen sie bei Regen überflutet werden und ertrinken oder mangels Sauerstoff in den Schächten ersticken, dann soll die Industrie auch nicht zurück kommen.

Was ist Ihre Vision für einen Kongo 2025?

Ich hoffe, dass es bis dahin gelingt, den Osten zu stabilisieren. Dass sich die Inseln der Stabilität verbinden und nur noch Inseln der Instabilität übrig bleiben. Es ist wichtig, dass alle einsehen, dass sie mit Stabilität besser leben können als mit Instabilität und mit diesen Partikularinteressen, die sich um die Mineralien ranken. Da müssen alle zusammenarbeiten: missio, Nichtregierungsorganisationen, UNO und UNO-Organisationen. Wir müssen alle am selben Strang ziehen.

Interview: Erhard Brunn

Linktipps:
Aktion Schutzengel- Saubere Handys
Länderübersicht DR Kongo
Das Fairphone

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