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Ebadi: Stoppt Diskriminierung der Christen

Shirin Ebadi war die erste Richterin im Iran und erhielt 2003 als erste muslimische Frau den Friedensnobelpreis. Sie lebt seit Ende 2009 im englischen Exil. missio Aachen veranstaltete im September 2015 eine Tagung über die bedrängte Lage der Christen im Iran, an der Shirin Ebadi und weitere Iran-Experten teilnahmen. Ihre Botschaft: Der Iran muss die Diskriminierung der Christen und anderer religiöser Minderheiten beenden.

Shirin Ebadi: „Die Diskriminierung der Christen im Iran ist ein politisches Problem.“
Shirin Ebadi: „Die Diskriminierung der Christen im Iran ist ein politisches Problem.“ © Bernd Weishaupt / missio

Frau Ebadi, die Christen im Iran sind eine kleine Minderheit. Welchen Beitrag leisten sie aus Ihrer Sicht für das Land?

Die christliche Minderheit sorgt für eine kulturelle Vielfalt im Iran. Und diese Vielfalt ist wichtig, wenn man bürgerliche Gesellschaften aufbauen möchte.

Sehen das die Vertreter des offiziellen Irans auch so, wenn es um die bürgerliche Gesellschaft des Landes geht?

Der Iran weiß nicht so recht, wie er mit zwei entscheidenden internationalen Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen umgehen soll, die er ratifiziert hat. Das eine ist der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, das andere der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte. Gemäß diesen Rechten dürfte es keinerlei Diskriminierung im Land geben. Die gibt es aber. Die Regierung des Irans muss endlich begreifen, dass sie sich nun einmal dieser Wertewelt verpflichtet hat und entsprechend handeln muss. Infolgedessen darf es keinerlei weitere Diskriminierung mehr gegenüber der christlichen Minderheit im Iran geben.

Was sollten Nicht-Regierungsorganisationen im Westen tun, um den religiösen und anderen Minderheiten im Iran zu helfen?

Die religiösen Minderheiten im Iran leiden unter Gesetzen und einem Regierungshandeln, die Diskriminierung fördern. Das Entscheidende, was westliche Nicht-Regierungsorganisationen unternehmen können, ist, dafür zu sorgen, dass die Welt über diese Diskriminierung etwa im Fall der Christen informiert wird. Und sie müssen dagegen protestieren. Sie müssen den Iran immer wieder damit konfrontieren, dass er die zwei genannten Abkommen der Vereinten Nationen über grundlegende bürgerliche Rechte ratifiziert hat. Wenn Vertreter von westlichen Nicht-Regierungsorganisationen den Iran besuchen, dann empfehle ich, dass sie immer das Gespräch mit der Regierung suchen. Sie können eine Anfrage stellen, ob sie Gefangene besuchen dürfen. Wenn das verweigert wird, dann sollten sie die Angehörigen dieser Gefangenen besuchen. Eines gilt immer: sich niemals einschüchtern lassen.

Gibt es im Iran überhaupt Persönlichkeiten oder gesellschaftliche Gruppen, die mit Minderheiten wie den Christen einen echten Dialog führen wollen?

Ja, es gibt einige Geistliche im Iran, die diesen Dialog führen wollen. Sie glauben wirklich, dass es einen echten Dialog und wechselseitige Beziehungen mit anderen Religionen geben sollte. Doch diese fortschrittlichen Geistlichen haben keine politischen Positionen inne. Das ist das Problem. Und ich muss immer wieder herausstellen, dass die Diskriminierung der Christen im Iran nicht eine religiöse Frage oder in der Religion an sich begründet liegt, sondern ein politisches Problem ist. Es ist das Problem einer iranischen Regierung, die ihre internationalen Verpflichtungen mit Blick auf die unteilbaren Menschenrechte einfach nicht erfüllen will.

Im Gespräch: Shirin Ebadi mit missio-Präsident Klaus Krämer. © Johannes Seibel / missio

Sie sagen, bei der Diskriminierung von Christen spielt die Religionszugehörigkeit eigentlich keine Rolle. Aber für die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten, unter denen dann auch Christen leiden, ist doch eigentlich die Spannung zwischen den muslimischen Konfessionen der Sunniten und Schiiten der Auslöser. Wird man diesen Konflikt lösen können?

Die Unterschiede, die zwischen Sunniten und Schiiten bestehen – oder auch nicht –, sind politische Differenzen, die von politischen Mächten geschürt werden. Die politischen Führer im Islam dieser Region gehören zumeist einer dieser beiden Hauptgruppen des Islam an, auf die sie sich bei ihren Auseinandersetzungen entsprechend beziehen. In Wahrheit aber benutzen sie Religion nur als einen Vorwand, um ihre politischen Differenzen auszutragen. Das geschah ja auch während der Zeit des Nationalismus in Europa, dass die Nation politisch instrumentalisiert wurde. Meiner Meinung darf deshalb der Islam kein politischer Islam sein. Religion und Politik müssen getrennt werden, damit Religion nicht mehr weiter als ein politisches Machtmittel benutzt werden kann. Das ist die Herausforderung.

Frau Ebadi, begrüßen Sie eigentlich das jüngste Atomabkommen des Westens mit dem Iran?

Ja, das war eine gute Nachricht, da nun die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran aufgrund der Vereinbarung aufgehoben werden. Die Sanktionen haben die iranische Bevölkerung sehr arm gemacht, so dass ich über dieses Nuklearabkommen sehr froh bin.

Westliche Kommentatoren sehen deshalb den iranischen Ministerpräsidenten Hassan Rohani als Hoffnungsträger. Sie auch?

Rohani hat keine Macht und keine Autorität. Unter ihm ist keine Verbesserung in der Frage der Menschenrechte und Religionsfreiheit zu erkennen. In der iranischen Verfassung haben die geistlichen obersten Führer die Macht, nicht der Ministerpräsident. Sie haben Rohani allein wegen des Drucks der Wirtschaftssanktionen erlaubt, das Atomabkommen zu unterzeichnen.

Das Interview führte Johannes Seibel.

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