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Statement von Prälat Dr. Klaus Krämer zum DBK-Pressegespräch „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in Ägypten“

missio-Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer

Es gilt das gesprochene Wort.

29. November 2012

missio engagiert sich seit vielen Jahrzehnten in Ägypten. Daher haben wir mit einer Mischung aus Hoffnung und Besorgnis die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen der letzten zwei Jahre wahrgenommen. Mit großer Spannung haben auch wir in den Tagen des Arabischen Frühlings Richtung Tahrir-Platz geschaut. Verfassungsreferendum und die Wahl Mohammed Mursis ließen uns weiter aufmerksam sein. Erneut stand Ägypten in den vergangenen Wochen im Mittelpunkt des Interesses, als es zwischen Palästinensern und Israelis vermittelte. Auch wir blicken gespannt auf dieses Land am Nil-Delta. Wohin wird es sich entwickeln? Wie wird es sich in der Zukunft positionieren? Ich freue mich sehr, dass unser Bemühen, in diesem Wandlungsprozess nicht die Christen in Ägypten zu vergessen, auf ein so großes Interesse Ihrerseits trifft.

Erzbischof Schick hat bereits darauf verwiesen, dass sich die deutsche Regierung für eine umfangreiche Gewährung der Religionsfreiheit in der neu zu gestaltenden Gesellschaft Ägyptens einsetzt. Vielleicht ist es ein Zeichen in die richtige Richtung, dass in der vergangenen Woche Präsident Mursi dem neuen koptischen Patriarchen gleiche Rechte für Christen wie für alle anderen Bürger zugesichert hat. Zugleich sehe ich mit Erschrecken, wie viel Gewalt Ägypten in diesen Tagen wieder beherrscht. Anlass dafür ist die umstrittene Verfassungserklärung Mursis, die ihm weitreichende Rechte einräumt und dadurch andere rechtsstaatliche Verfassungsorgane ausschaltet. Es sorgt mich, dass das derzeitige Verhalten des Präsidenten Mursi die Möglichkeit eröffnet, das Land totalitär zu führen. Es braucht eine Gewaltenteilung von Regierung, Parlament und Justiz, da dies die Grundsätze einer funktionierenden Demokratie sind. Dieser Prozess einer demokratischen Öffnung des Landes, der so hoffnungsvoll im Januar 2011 begann, muss

fortgesetzt werden. Ägypten braucht keinen neuen Pharao, Ägypten muss ein Land werden, in dem auch Christen einen Platz finden, wo sie sich in Freiheit zu ihren Glauben bekennen und diesen praktizieren können. Die jüngsten Entwicklungen verlangen unsere Aufmerksamkeit, wie sich die Lage in Ägypten weiter entwickeln wird und ob die Diskriminierungen gegen ägyptische Christen in den kommenden Monaten abnehmen. Uns, dem Hilfswerk missio, ist es ein Anliegen, die Christen in Ägypten zu stärken und die Kirche in dem Land zu unterstützen.

Natürlich bleibt die Kirche in Ägypten, zu der knapp zehn Prozent der Bevölkerung des Landes gehören, von den gesellschaftlichen Umwälzungen im Land am Nil nicht verschont. Bereits in der letzten Phase der Ära Mubarak kam es zu einem Exodus der Christen. Ungewissheit und Angst im Blick auf die Zukunft haben dies in den vergangenen Monaten verschärft. Vor allem Vermögende und gut ausgebildete Christen verlassen das Land. Benachteiligungen und die fehlende Möglichkeit zur freien Entfaltung, auch im Bereich des Religiösen, sind Katalysatoren dafür.

Rund 90 Prozent der ägyptischen Bevölkerung sind Muslime, gerade einmal etwa zehn Prozent Christen. Neben der koptisch-orthodoxen Kirche mit ihren rund acht Millionen Gläubigen ist die koptisch-katholische Kirche mit circa 165.000 Getauften mit Abstand die größte Konfession. In der Vergangenheit mussten die Christen in Ägypten immer wieder Nachteile aufgrund ihres Glaubens erleiden. Wohin sich jedoch das Land weiter entwickeln wird, kann derzeit keiner abschätzen. Gerade in dieser Situation ist es auch die Aufgabe der christlichen Kirche, zusammen zu stehen und gemeinsam nicht nur in einen Dialog untereinander zu treten, sondern sich zu bemühen, auch mit dem Islam und jenen, die in der Gesellschaft Ägyptens Verantwortung tragen, in einen Austausch zu kommen. Diesen Dialog erleichtern nach meinem Eindruck weder die Muslimbrüder, die das Land im Parlament mehrheitlich vertreten, noch fundamentalistische Kräfte, die sich in den vergangenen vierzig Jahren immer stärker radikalisierte und durch die Revolution in dieser Entwicklung bestärkt wurde. Die Kirche in Ägypten ist in dieser schwierigen Situation mit ihrer Seelsorge herausgefordert: Armut und soziale Not, zugleich Segregation und Diskriminierung bestimmen das derzeitige Handeln der Christen in Ägypten. Doch gerade in den aktuellen Umbrüchen, in denen auch die Position der Religionen neu definiert wird, hat die christliche Kirche in Ägypten um ihre Freiheit zu kämpfen.

Überlebenswichtig für die katholische Kirche in dem Land am Nil dürfte daher ihr diakonisches Handeln im Einsatz für mehr Gerechtigkeit und Frieden sowie die Förderung des christlich-muslimischen Zusammenlebens sein. Die Christen Ägyptens werden dann als gesellschaftlich relevante und akzeptierte Kraft wahrgenommen, wenn es ihnen gelingt, aus dem Glauben heraus Verantwortung für das Land und dessen Menschen zu übernehmen. Dazu hat missio in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl von Projekten unterstützt. Ich möchte Ihnen zwei dieser Projekte kurz vorstellen, um Ihnen zu verdeutlichen, wie wichtig das Wirken der Kirche als Hoffnungsträgerin für das Land am Nil ist.

missio unterstützt unter anderem derzeit eine ägyptische Organisation, die sich um ärmere Schulkinder in Kairo kümmert. Dort werden nicht nur Weiterbildungen für Lehrer angeboten, sondern auch Kinder außerschulisch begleitet und betreut. Gerade nach dem Arabischen Frühling, in dem gesellschaftliche Werte ins Wanken geraten sind, gibt die Schule den Kindern die Möglichkeit, Toleranz von klein auf zu lernen und Untersciede zu akzeptieren, indem man dem Anderen die Freiheit der Entscheidung lässt. Diese Weiterbildungs-Angebote sind ein wichtiger Baustein für die Zukunft Ägyptens. Denn die Kinder von heute werden die Gestalter des Lebens von morgen sein. So übernimmt die katholische Kirche in Ägypten mit ihrer Weiterbildung der Lehrer schon heute Verantwortung für ein tolerantes und frei denkendes Ägypten der Zukunft.

Ein zweites Projekt beeindruckt mich: Ein christliches Institut in Kairo unterstützt den interreligiösen Dialog, die Menschenrechts- und Friedensarbeit wie auch die Kommunikation in der Ökumene, indem es Nachrichten über die westliche Welt und den Nahen Osten kritisch sichtet, kommentiert und erklärt. Damit leistet es schon heute einen wichtigen Dienst für die Verständigung zwischen Muslimen und Christen und zur Konfliktvermeidung. Allein diese zwei dargestellten Beispiele zeigen, wie notwendig und wie wertvoll die Arbeit der ägyptischen Christen im diakonischen Bereich sowie im Gebiet des Erziehungswesens ist, um einen Beitrag zu einer friedlichen und in Freiheit miteinander lebenden Gesellschaft zu leisten.

Dabei kann gerade die Religionsfreiheit zu einem Schlüssel für einen gelingenden Dialog werden – in der Gesellschaft wie auch zwischen den Religionen und Konfessionen. Doch für solch einen Dialog braucht es als Voraussetzung die Anerkennung der Gewissensentscheidung der jeweiligen Person. Die Entscheidung für eine Religion kann allein im Gewissen des einzelnen gefällt werden. Das Recht auf Religionsfreiheit ist also ein unveräußerliches Recht der Person. Dieses besteht „unabhängig von der objektiven Wahrheit der religiösen Überzeugung des einzelnen und unabhängig von seinem subjektiven Bemühen um diese Wahrheit“. Die Formulierung als Menschenrecht ist die rechtlich institutionalisierte Form der Achtung des Glaubens. Weder der Staat noch die Kirche dürfen dieses Recht begrenzen. Aus der Achtung des Glaubens folgt ebenfalls die Freiheit in der aus dem Glauben hervorgehenden Lebens- und Handlungsweise.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat dies in der Erklärung dignitatis humanae formuliert. Die Kirche wird im Bewusstsein dieses grundlegenden Elements der Würde des Menschen nicht nur zum Anwalt des Menschenrechts auf Religionsfreiheit für Christen, sondern fordert, fördert und anerkennt diese Freiheit auch für andere. Aus diesem Bewusstsein heraus engagiert sich missio für die freie Religionsausübung. Deswegen hat missio nicht nur in der neuen Reihe Länderberichte Religionsfreiheit Ägypten als eines der ersten Länder untersucht und die Resultate in einer Publikation veröffentlicht, sondern weist als Hilfswerk auch in Deutschland auf die Bedeutung der Religionsfreiheit und die Situation der ägyptischen Christen hin.

Denn Ägypten gehört zu jenen Ländern, in denen zwar eine Glaubens- und Kultusfreiheit, nicht aber Religionsfreiheit existiert, wie sie etwa in Artikel 18 des Internationalen

Paktes über bürgerliche und politische Rechte definiert ist. So sind Apostasie und Konversion in diesem Land weiterhin ein Tabu. Trotz der durch die Ratifizierung des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte eingegangenen Selbstverpflichtung zur Einhaltung des Menschenrechts der freien Religionsausübung hindert die

Regierung muslimische Staatsbürger, eine Religion oder Weltanschauung eigener Wahl anzunehmen. Des Weiteren zwingt sie ihre Staatsbürger, die Religionszugehörigkeit in Personalausweisen und Personenstandsregistern offen zu legen. In der Vergangenheit führten außerdem starke Reglements für Kirchenbaumaßnahmen zu Streitigkeiten mit den regionalen Regierungen. Es wird den Religionsgemeinschaften kein Rechtsstatus verliehen, der es ihnen ermöglicht, sich in angemessener Weise so zu organisieren, dass sie ihre Aufgaben erfüllen können. In den Schulen ist zwar christlicher wie auch muslimischer Religionsunterricht möglich, jedoch wird nicht zwischen den verschiedenen Konfessionen unterschieden. Außerdem wird bestimmten Religionsgemeinschaften keine Möglichkeit zur Durchführung von Religionsunterricht in staatlichen Schulen gewährt.

Im kommenden Jahr wird missio in seiner Inlandsarbeit in besonderer Weise auf die Situation der Christen in Ägypten aufmerksam machen. Auch im Rahmen der deutschlandweiten Kampagne zum Sonntag der Weltmission 2013 wird die Situation der Kirche im nordafrikanischen Land im Mittelpunkt stehen. Einen besonderen inhaltlichen Akzent setzt missio mit einer Konferenz zur Situation der Christen in Ägypten, die vom 22. bis 23. Januar 2013 in Kairo stattfinden wird. Wir möchten vor Ort die Einschränkung der Religionsfreiheit thematisieren. Vertreter der Kirchen in dem nordafrikanischen Land werden die Situation der Christen in der derzeitigen Umbruchsituation darstellen und Perspektiven präsentieren, wie die Kirchen auf die Transformationsprozesse in der arabischen Welt reagieren kann.

Wir verstehen einen in Freiheit gelebten Glauben, der die Würde des Menschen mit allen daraus resultierenden Rechten anerkennt, als entscheidendes Element für eine friedliche und gelungene Zukunft Ägyptens. Denn die Freiheit ist der Schlüssel zum gewaltfreien und respektvollen Dialog der Religionen und damit ein Beitrag für eine Gesellschaft der Offenheit und Toleranz.

Vielen Dank.

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