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Nigeria im Chaos: Zwischen Hilflosigkeit und Frustration

Fr. George Ehusani (Abuja, Nigeria) © Bettina Tiburzy / missio

28. Januar 2012

Pfarrer George Ehusani ist der ehemalige Generalsekretär der Nigerianischen Bischofskonferenz. Bei seinem Besuch in Aachen (26.01.2012) berichtet er über die dramatische Lage in seinem Heimatland und wie sich die Menschen angesichts der Bedrohung durch die islamistische Terrorgruppe Boko Haram fühlen.

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat in Kano den bislang schwersten Terrorangriff ausgeführt. Was war Ihre Reaktion, als Sie davon hörten?

Fr. Ehusani: Wie viele Nigerianer war ich geschockt und fassungslos darüber, dass Boko Haram die Drohung, Nigeria unregierbar zu machen, auszuführen scheint. Dass sie mit immer größeren Bombenanschlägen dem Ziel immer näher kommen.

Ich war geschockt und auch frustriert, dass die Regierungs- und Sicherheitskräfte den Plan im Vorfeld nicht erkannt haben. Besonders, da die Zahl der vielen gleichzeitigen Bombenexplosionen sehr viel Planung und Koordinierung gebraucht haben dürften. Und unsere Geheimdienste haben das nicht erkannt. Das hat ein Gefühl der Hilflosigkeit erzeugt, Hilflosigkeit angesichts von Boko Haram.

Wie ist die Situation im Moment? Wie ist die Atmosphäre?

Fr. Ehusani: Es gibt eine fühlbare Anspannung im Land. Die Menschen haben Angst. Wir haben das Gefühl, dass wir verwundbar sind - sehr verwundbar. Die Menschen gehen ihren alltäglichen Angelegenheiten nach, mit Ausnahme von Kano, wo die Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. Ansonsten leben die Menschen ihren Alltag und sind besorgt über die Zukunft Nigerias.

Es ist auch berichtet worden, dass es Anschläge auf Kirchen in Bauchi gegeben hat. Stimmt das?

Fr. Ehusani: Wenige Tage nach den Anschlägen in Kano mit vielen Toten griff Boko Haram in Bauchi zwei Kirchen an und zerstörte sie. Dabei ist meines Wissens niemand gestorben. Außerdem sind eine Reihe von Polizeistationen in Bauchi angegriffen worden. Dabei starben elf Menschen. Boko Haram hat sich auch dazu bekannt.

Bauchi ist schon lange ein „Hotspot“ für Fundamentalisten. Dies war das erste Mal, dass es in Bauchi solch koordinierte Bombenanschläge gab. Mit den Anschlägen auf Kano hat eine neue Phase begonnen. Zuvor gab es Anschläge auf einzelne Orte wie das Polizeihauptquartier, das UN-Gebäude, eine Armeebaracke. Und jetzt hat Boko Haram Anschläge auf mehrere Orte zur gleichen Zeit gestartet.

Sind die Hauptmotive für die Konflikte religiöser Natur?

Fr. Ehusani: Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Die Anschläge an Weihnachten richteten sich gegen Kirchen und Christen. In ihren Statements hat Boko Haram gefordert, dass Christen den Norden verlassen sollen. Es handelt sich also um koordinierte Attacken auf Christen und auf Kirchen.

Aber die Angriffe richteten sich auch gegen die Infrastruktur der Regierung, besonders gegen die Polizei, gegen die Sicherheitskräfte und das UN-Gebäude. Christen sind also nicht die einzigen, die angegriffen worden sind. Christen und Regierungsorgane, insbesondere Sicherheitsorgane sind Ziele. Wenn jemand ein Statement gegen Boko Haram macht, richtet sich die Gewalt gegen die Person oder die Institution, die diese Person repräsentiert. Wir wissen, dass sie mit Christen ein Problem haben. Denn natürlich können Christen der Einführung der Scharia nicht zustimmen. Also wollen sie die Christen loswerden, bevor sie das islamische Recht einführen können.

Können wir das also Verfolgung von Christen nennen? Ich zögere, es so zu nennen, denn wir haben keine Kenntnis über eine große Organisation oder eine große islamische Persönlichkeit, die sich zu Boko Haram und ihren Taten bekennt oder für sie spricht. Ich kann also nicht sagen, dass die Muslime die Christen in Nigeria bekämpfen. Boko Haram ist eine Randgruppe. Doch wir wissen nicht, woher sie kommen und warum sie so viel Schlagkraft haben.

Gibt es Christen, die jetzt den Norden verlassen?

Fr. Ehusani: Es gibt Christen, die aus verschiedenen Regionen jetzt den Norden verlassen und in den Süden gehen. Und das ist ein schlechtes Zeichen. Wenn viele Leute in den Süden kommen und berichten, was sie erlitten haben, von toten Verwandten und Freunden erzählen, könnte das für die Menschen aus dem Norden, die im Süden leben, eine Gefährdung darstellen. Wir hoffen, dass die Regierung schnell etwas tun kann, um einen Exodus, eine solche Bewegung in den Süden aufzuhalten.

Gibt es Unterstützer von Boko Haram in der Regierung?

Fr. Ehusani: Wir befürchten, dass möglicherweise einige Regierungsvertreter oder Politiker die Gruppe unterstützen. Denn solch koordinierte Anschläge, Bomben, die an strategischen ausgewählten Orten gleichzeitig explodieren, brauchen eine gute Planung. Und das bedeutet, dass die Attentäter nicht irgendwelche Ganoven von der Straße sind.

Warum richten sich die Angriffe gegen Polizei und Sicherheitskräfte?

Fr. Ehusani: Die Regierung hat die Polizei und Soldaten mobilisiert, um die Mitglieder von Boko Haram zu verhaften. Und sie haben willkürlich Leute gefangen genommen. Sie für eine Zeit ohne Verfahren festgehalten. Sie haben Leute aus nächster Nähe erschossen, von denen sie glaubten, sie gehörten zu Boko Haram. Und der Sprecher von Boko Haram rechtfertigt die Terrorangriffe auf Polizeistationen, in dem er sagte, dass sei die Rache dafür. Keine Anzahl von Opfern könne hoch genug sein, um den Tod ihres Anführers Mohammed Yusuf aufzuwiegen, der von der Polizei erschossen worden ist. In dieser Logik kann man sagen, dass sie jeden Polizisten in Nigeria töten wollen.

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