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Nigeria im Chaos: Zwischen Hilflosigkeit und Frustration

Fr. George Ehusani (Abuja, Nigeria) © Bettina Tiburzy / missio

(Fortsetzung / 28. Januar 2012)

Pfarrer George Ehusani ist der ehemalige Generalsekretär der Nigerianischen Bischofskonferenz. Bei seinem Besuch in Aachen (26.01.2012) berichtet er über die dramatische Lage in seinem Heimatland und wie sich die Menschen angesichts der Bedrohung durch die islamistische Terrorgruppe Boko Haram fühlen.

Glauben Sie, dass Nigeria in zwei Staaten geteilt werden könnte, Nord und Süd?

Fr. Ehusani: Jeder Versuch, Nigeria in zwei Staaten aufzuteilen, wäre töricht. Denn es gibt nicht zwei klar definierte Gruppen, aus denen Nigeria besteht. Wir sind geographisch nicht klar aufgeteilt in Christen und Muslime. Es gibt beispielsweise Christen, die nahe an dem Palast eines Emirs im Norden leben können und Seite an Seite mit Muslimen leben. Manche Christen und Muslime sind miteinander verwandt, Familien miteinander verbunden. Es gibt Christen im Norden, die keine Migranten aus dem Süden Nigerias sind, die schon immer dort lebten. Wie sollten wir das trennen?

Ich selbst komme aus dem „Mittleren Gürtel“ Nigerias. In diesem Teil Nigerias besteht die Bevölkerung zur Hälfte aus Christen und zur anderen Hälfte aus Muslimen. Und diese Gruppen sind miteinander vermischt. Meine eigene Familie ist gemischt. Alle auf Seiten der Familie meiner Mutter sind Muslime. Alle auf Seiten meines Vaters sind Christen. Wie also sollten wir uns aufteilen?

Welche Rolle spielt die wirtschaftliche Situation in Nigeria?

Fr. Ehusani: Die soziale und wirtschaftliche Situation, die weitverbreitete Armut und Hoffnungslosigkeit der Jugend, macht es für Boko Haram leichter, Unterstützer zu finden. Nigeria ist ein Land, in dem mehr als 60 Prozent der Menschen ohne Arbeit sind. In manchen Familien gibt es ein oder zwei Mitglieder, die arbeiten, und zehn oder zwölf Personen, die davon abhängig sind. Und dann gibt es eine Menge Leute mit Universitätsabschluss, die keine Arbeit finden. Ausgebildete junge Menschen, die keine Arbeit finden.

Als der Anführer von Boko Haram die Sekte gründete, lud er Hochschulabsolventen zu sich ein, die seit fünf oder sechs Jahren keinen Job finden konnten. Er bat sie, ihre Abschlussurkunden mitzubringen. Er wollte ihnen demonstrieren, wie nutzlos westliche Bildung ist. Also warf er die Urkunden in ein Feuer.

Es ist leicht, frustrierte Personen in Terroristen zu verwandeln. Die schlechte wirtschaftliche Situation in unserem Land, trotz Ölreichtums, hat eine Atmosphäre geschaffen, in der die Ideologie von Boko Haram bei frustrierten jungen Menschen leicht Verbreitung finden konnte.

Wie sehen sie die Rolle der Medien und ihrer Berichterstattung in diesem Konflikt?

Fr. Ehusani: Ich appelliere an die internationalen Medien, bei solchen Ereignissen umsichtiger und sorgfältiger zu berichten. Denn die Probleme sind sehr viel komplexer, als sie Journalisten oft beschreiben. Die Medien möchten gerne einfache Klassifikationen für komplexe Zusammenhänge finden. Jedes Mal wird dann die Karte Nigeria ins Bild geholt und behauptet, mehrheitlich christliche Südnigerianer kämpfen mit mehrheitlich muslimischen Nordnigerianern. Das ist nicht hilfreich, denn manchmal sind diejenigen, die kämpfen, nicht die wirklich ihre Religion praktizierenden Muslime. Viele christliche Führer verstehen, dass die Probleme komplex sind. Und sie verurteilen nicht pauschal alle Muslime dafür.

Was denken Sie, können europäische Regierungen tun?

Fr. Ehusani: Regierungen können Nigeria dabei helfen, Terroristen ausfindig zu machen. Als Amerika von Terroristen angegriffen wurde, haben viele westliche Nationen mit Amerika bei der Erkennung von terroristischen Machenschaften kooperiert. Ich bin der Meinung, dass es auf diesem Feld der Terrorismusbekämpfung jetzt viel internationale Erfahrung gibt. Und wir sollten davon profitieren. Beispielsweise in der Arbeit des Geheimdienstes, um mit dieser Hilfe herauszufinden, wer sich eigentlich hinter Boko Haram versteckt. Es muss internationale Beziehungen geben. Mit internationaler Unterstützung könnte uns geholfen werden.

Außerdem wäre der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik hilfreich, wenn es darum geht, Handygespräche und SMS-Nachrichten nachzuverfolgen. Solche Technik wird international eingesetzt. Mit solch moderner Technik müsste es möglich sein, diejenigen ausfindig zu machen, die solche Angriffe koordiniert planen, und rechtzeitig die Sicherheitskräfte zu alarmieren. Der Einsatz der Technik könnte helfen und Staaten wie Deutschland könnten uns da helfen.

Was kann missio tun?

Fr. Ehusani: Es gibt kirchliche Gemeinschaften, die zerstört worden sind. Viele Menschen haben Verwandte verloren. Sie haben ihre Einkommensquellen verloren. In Nigeria zahlt ihnen niemand für ihre Verluste etwas. Es gibt keine Kompensation. Innerhalb der Kirche können Organisationen in diesem Bereich etwas tun.

missio hat uns in der Vergangenheit geholfen, als es darum ging, Kirchen und Häuser wiederaufzubauen, die zerstört worden waren. Und auch bei Projekten, bei denen es um die Heilung von Traumata ging. Es gibt zurzeit viele traumatisierte Menschen. Die Menschen sind hungrig. Sie sind frustriert. Sie fühlen sich hilflos. Es ist ein fürchterliches Gefühl, wenn Menschen sich hilflos fühlen.

Jede Art von Programm, in dem Unterstützung und psychologische Hilfe angeboten wird, wäre willkommen. Alles, was die Menschen ermutigt, besonders diejenigen, die von diesen Angriffen schwer gezeichnet worden sind, wäre hilfreich. Und darüber hinaus ist es für uns wichtig zu wissen, dass die internationale Gemeinschaft besorgt ist und wir nicht allein sind. Es geht nicht allein um finanzielle Hilfe.

Fr. Ehusani, vielen Dank für dieses Gespräch.

Das Interview führte Bettina Tiburzy.

Fr. George Ehusani war bis 2007 der Generalsekretär der Nigerianischen Bischofskonferenz. Heute leitet er eine Pfarrei in Abuja. Seit seinem Ausscheiden aus der Bischofskonferenz widmet sich der promovierte Priester einem ambitionierten Projekt für Frieden und Versöhnung: dem Aufbau eines Institutes, in dem kirchliche und weltliche Führungskräfte lernen, verantwortungsvoll mit ihrem Personal und mit den ihnen anvertrauten Geldmitteln umzugehen. Außerdem verfasst Fr. Ehusani regelmäßig Leitartikel im „Guardian“, der renommiertesten Tageszeitung Nigerias.

Lesen Sie hier mehr über » Fr. George Ehusani.

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