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Kano: Eine Stadt in Angst

missio-Länderreferent Toni Görtz

1. März 2012

missio-Länderreferent Toni Görtz berichtet von seinem Besuch im Jan./Feb. 2012 in der nigerianischen Stadt Kano. Dort traf er u.a. Bischof Joseph Niyiring. In der Stadt im Norden Nigerias hatten am 20. Januar 2012 bei Angriffen der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram auf die Sicherheitskräfte mehr als 180 Menschen ihr Leben verloren.

Teil 1 von 3

Das Flugzeug von Abuja nach Kano fliegt für mich fast allein. Aber es fliegt, denn auf dem Rückweg wird es vollgepackt sein, wie jeden Tag seit jenem verhängnisvollen 20. Januar. Immer noch sind Schwarzafrikaner, Christen und Muslime aus dem Süden, auf der Flucht.

Fr. Alex Shukau, Pfarrer der Stadtgemeine St. Thomas und gleichzeitig Sekretär des Bischofs, holt mich am Flughafen ab. In seiner Kirche gebe es jetzt nur noch zwei statt vier Messen am Wochenende, für insgesamt 3.000 Katholiken. Sonst seien 6.000 gekommen. Zahlreiche kirchliche Aktivitäten, Kurse und Versammlungen seien zum Erliegen gekommen. Von 18 Uhr bis 6 Uhr morgens herrsche Ausgangssperre. Wie viele Menschen geflohen seien, könne keiner sagen. Manche verkröchen sich auch in ihren Häusern und wagten sich nicht mehr auf die Straßen.

Die sind an einem normalen Werktag so ausgestorben wie sonst nur am Freitag, wenn die Muslime in der Moschee beten. Nahezu menschenleer. In manchen Vierteln bleiben fast alle Geschäfte geschlossen. Nur wenige Autos sind unterwegs – die sich aber vor den zahlreichen Polizei- und Militärkontrollen stauen.

© Fritz Stark

Verschärfte Sicherheitskontrollen

Mopedfahrer müssen jedes Mal absteigen, wenn sie an den Uniformierten mit Maschinenpistolen vorbei wollen. Wer nicht als mutmaßlicher Attentäter erschossen werden will, schiebt sein Zweirad. Bis wir am Bischofshaus ankommen, haben wir den Kofferraum dreimal geöffnet. Fast alle Banken sind geschlossen, wegen der Angst, Boko Haram könne sich frisches Geld besorgen. Der Markt ist wie ausgestorben. Wo sich Menschen versammeln, droht die tödliche Gefahr.

Trotz der Angst, die aus den Augen spricht und die auch kaum jemand kleinredet, werden dann die Geschichten erzählt von dem, was passiert ist. Bei Abuja, Diözese Minna, sprengte ein Attentäter an Weihnachten eine Gemeinde in die Luft. 48 Menschen starben, über Hundert wurden verletzt. Das war der Beginn der großen Unruhen. Der Attentäter von Madalla wurde anschließend von der Polizei gefasst. Und er entkam aus dem Gewahrsam. Wie kann das sein? Das sei ein Beweis, dass es Sympathisanten für die Attentäter bis in höchste Kreise gebe. Und jetzt habe man den Mann auf der Flucht, kurz vor der Grenze nach Kamerun, wieder gefasst. Dass er gefoltert wird, „um mehr zu erfahren“, finden die meisten hier „ganz normal“.

Und dann immer wieder die Erinnerung an die Detonationen und Schüsse in Kano vom 20. Januar, die die 10-Millionen-Stadt verändert haben, an die toten Passanten auf den Straßen, an zerbombte Polizeistationen, abgefackelte Autos ...

Angreifer in Uniformen

Die Attentäter seien im langen Kaftan verkleidet an die Orte ihrer Überfälle gekommen, um dann alle gleichzeitig die weiten Gewänder auszuziehen. Uniformen hätten sie darunter getragen und ihre tödlichen Waffen. Auf Kommando hätten sie zugeschlagen. Bomben in Polizeistationen detonieren lassen. Viele Passanten, die gerade vom Markt oder von der Arbeit kamen, fielen ihnen zum Opfer.

Das offizielle Ziel von Boko Haram sei es, so der Pfarrer am Steuer, in ganz Nigeria die Scharia in ihrer strengen Form zu installieren. Dazu passten aber die Attentate nicht. Und selbst konservative Muslime beteuerten, sie hätten mit all dem nichts zu tun. „Boko Haram, das ist keine Sekte, sondern nur ein Terrortrupp.“

Christen und Muslime fühlen sich gleichermaßen bedroht. Bisher sind von den Attentätern mehr Muslime getötet worden als Christen. Viele Muslime, so der Pfarrer, beten und fasten um Besserung der Lage.

Bischof John Niyiring, Kano (Nigeria)

Christen und Muslime schon vorher besorgt

Bischof John Niyiring, ein Mann der systematisch denkt und viel Geschichtsbewusstsein an den Tag legt, erzählt in aller Ruhe und der Reihe nach.

Nach Weihnachten, als das Ende der Benzinpreis-Subventionen den Treibstoffpreis von heute auf morgen verdoppelte, habe sich der Volkszorn auf den Straßen entladen. Aufgebrachte Demonstranten seien auch an seinem Haus vorbei gezogen.

Am Sonntag, den 15. Januar, – die Streiks lähmten das Land schon zwei Wochen lang – habe er in Kano an einem „Treffen besorgter Bürger“ teilgenommen, mit ihm viele hochrangige Muslime, Geschäftsleute und Politiker.

Mit Blick auf die Toten von Madalla wurde diskutiert, wie in Kano das Zusammenleben friedlich erhalten werden könne. Die hochrangige Delegation beschloss eine große gemeinsame Informationskampagne: Muslime und Protestanten kamen am Sonntag in die Kathedrale und predigten. Bischof John war Redner bei Veranstaltungen an einem anderen Ort.

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