Sie haben Javascript deaktiviert. Möglicherweise stehen Ihnen dadurch einige Features nicht zur Verfügung. Bitte aktivieren Sie Javascript.

Subnavigation und Schnelleinstieg

Ihr Kontakt zu missio

Unsere Servicezeiten ,
Mo.-Do. 8-17 Uhr Fr. 8-13 Uhr

Goethestr. 43 , 52064 Aachen

Tel.:
0800 / 38 38 393
Kontaktformular:
zum Kontaktformular
Wir bauen ein Haus für Alle Solidarität mit bedrängten Christen Glauben teilen. Weltweit. Aktion Schutzengel - Für Familien in Not. Weltweit.

Projektauswahl

Filterkriterien
.
missio im Web 2.0: Facebook, Twitter, Google+, Youtube, Instagram, Blog » Twitter » Instagram » Youtube » Blog » Google+ » Facebook

Inhalt

Kano: Eine Stadt in Angst

missio-Länderreferent Toni Görtz

1. März 2012

missio-Länderreferent Toni Görtz berichtet von seinem Besuch im Jan./Feb. 2012 in der nigerianischen Stadt Kano. Dort traf er u.a. Bischof Joseph Niyiring. In der Stadt im Norden Nigerias hatten am 20. Januar 2012 bei Angriffen der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram auf die Sicherheitskräfte mehr als 180 Menschen ihr Leben verloren.

Teil 3 von 3

Eine Stadt im Ausnahmezustand

„Jetzt müssen wir uns schützen“, sagt Bischof John, „so gut wir können. Es kommt kein Auto mehr auf einen Kirchenparkplatz, ein Sicherheitskomitee sorgt für Kontrollen von Handtaschen.“

In den katholischen Schulen von Kano – die wegen ihrer besonderen Qualität des Unterrichts vor allem bei reichen Muslimen sehr begehrt sind – fehlt bisher über die Hälfte der Schülerinnen und Schüler. Boko Haram hat gedroht, auch die Kinder mit Bomben zu zerfetzen. Da die Fehlenden jetzt keine Schulgebühren zahlen, fehlt der Kirche das Geld für die Lehrergehälter.

Ich frage den Bischof, wie er sich fühle, wie es ihm persönlich geht. „Ich war sehr besorgt. Menschen verlassen die Diözese. Die Kirche wird buchstäblich gesprengt und zerfällt. Ich habe Angst, dass unsere Politiker die Angelegenheit nicht angemessen behandeln“, antwortet Bischof John.

Und weiter: „Ich habe Angst, dass Priester und Schwestern ermordet werden. Und ich habe Sorge um das Image von Nigeria in der Welt. Ja, ich hatte Angst: Mein Orden (die Augustiner, OSA) hat schon viel erlebt, zum Beispiel in Algerien. Das steckt mir in den Knochen.

Karte von Nigeria

Ich habe große Sorge um die Christen, die aus dem Süden stammen, aber hier ihre Heimat haben. Und ich habe Angst um die wachsende Zahl von einheimischen Christen, die von hier stammen. Wohin sollten die denn gehen?“, fragt der Bischof.

Standhaft trotz Angst

Und dann erzählt er, als Historiker – gleichsam um sich zu beruhigen und als Oberhirte den Stab in der Hand zu behalten – von den Wellen der Verfolgung im frühen Christentum, davon wie das Blut der Märtyrer zum Samen wurde: „Ich gebe die Hoffnung noch lange nicht auf.“

Geholfen habe ihm auch die Lektüre eines Briefes von Augustinus an Honoratus, der sich Angriffen ausgesetzt sah und fragte: „Soll ich gehen oder standhalten?“ St. Augustinus habe sinngemäß geantwortet: „Wir, als Diener der Kirche gehören an unseren Platz. Als Kapitäne können wir nicht das Schiff verlassen. Wir sind keine Angestellten, sondern die Hirten.“

Und nach einer kleinen Pause lacht der Bischof: „Ich möchte meinen Blutdruck und den meiner Priester jetzt nicht messen. Aber wir wissen, wo wir hingehören.“

Und er fügt hinzu: „In einer solchen Situation ist es nicht einfach, die Menschen zu beruhigen.“

Vor Kugelhagel geflohen

Im Kirchengelände bei der St. Louis Schule, gleich neben einer Polizeistation, die zerbombt wurde, treffe ich Pfarrer Monday. Er war hier während der Angriffe, Fensterscheiben sind geborsten, vier Autos, ein Moped und eine Garage sind abgebrannt. Er ist im Kugelhagel hinter die Schule geflohen und mag nicht mehr davon erzählen, wie er sich fühlte. Und wie es jetzt in seinem Innersten aussieht.

Der erlösende Satz nach einem Trauma „Es ist vorbei“, gilt hier noch lange nicht. Keiner weiß, ob und wie es vorbei geht und wann es aufhört. – Die Angst bleibt bleischwer in den Knochen hängen.

Drei Stunden Todesangst

Am Abend sind wir kurz zu Besuch bei Rechtsanwalt Steve, der zuerst sagt, er könne es nicht mehr erzählen. Doch dann fängt er nahtlos an, die Geschichte zu wiederholen von den Bomben im Nachbarhaus, von Leichen auf der Straße, von Schüssen und drei Stunden Todesangst. Mit seiner Frau den zwei jüngsten Kindern hätten sie „hier im Wohnzimmer auf dem Teppich gelegen. Flach auf dem Boden.“

Seine Frau hat am folgenden Tag mit den Kindern die Stadt verlassen. Wann sie wiederkommen, weiß er nicht. Werden sie sich hier jemals wieder zu Hause fühlen?

Toni Görtz

Nachtrag: Dass Kirchen bei den Angriffen vom 20. Januar in Kano zerstört wurden, ist nicht wahr. Das war eine Falschmeldung.

© 2009-2017 missio Aachen