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„Wir brauchen den interreligiösen Dialog für unser Überleben“

Armut, Verzweiflung und immer wieder Terroranschläge der radikalen Islamistengruppe Boko Haram auf Kirchen in Nigeria. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas, in dem fast so viele Christen wie Muslime leben, kommt nicht zur Ruhe. Pfarrer George Ehusani, ehemaliger Generalsekretär der Nigerianischen Bischofskonferenz, erklärt, wie die Situation zwischen den Religionsgemeinschaften angesichts der jüngsten Angriffe aussieht, wieso Boko Haram Selbstmordattentäter rekrutieren kann und warum der interreligiöse Dialog so wichtig ist.

Interview mit dem nigerianischen Priester Fr. George Ehusani

14. November 2012

Erst Ende Oktober gab es einen Anschlag auf die Kirche St. Rita’s in Kaduna. Ein Selbstmordattentäter fuhr mit einem Auto in die Kirche. Acht Menschen starben und es gab viele Verletzte. Wissen Sie, wer dafür verantwortlich ist?

Fr. George Ehusani: Die Art des Angriffs weist auf Boko Haram. Sie greifen Menschen während des Gottesdienstes an. Dieses Mal während der Wandlung, als die Menschen niederknieten. Der Angriff erfolgte durch die Wand des Altarraums. Besonders betroffen waren Kinder und Jugendliche, die zum Chor gehören. Alles deutet auf Boko Haram, aber wir können nicht hundert prozentig sicher sein, denn mir ist nicht bekannt, dass sich die Gruppe dazu bekannt hätte.

Nach dem Angriff gab es Berichte, dass aufgebrachte Jugendliche Rache geübt hätten? Können Sie das bestätigen?

Fr. George Ehusani: In den vergangenen Jahren haben Angriffe auf Kirchen nicht zu Racheakten geführt. Doch jetzt wird es immer schwieriger, wütende Jugendliche zurückzuhalten. Manchmal sind es noch nicht einmal christliche Jugendliche, sondern aufgebrachte junge Menschen, die wütend sind und glauben, das Gesetz in die eigene Hand nehmen zu müssen, weil sie glauben, dass es kein Gesetz gibt, das sie schützt. Doch es gibt keine koordinierten Angriffe vonseiten der Christen, keine Racheaktionen. Die hat es nie gegeben.

Fr. George Ehusani (Abuja, Nigeria)
© Bettina Tiburzy / missio

Glauben Sie, dass Nigeria auf einen Religionskrieg zusteuern könnte?

Fr. George Ehusani: Noch scheint mir das weit hergeholt. Die überwältigende Mehrheit der Christen und Muslime in Nigeria lebt friedlich zusammen. Und mein Nachbar, der ein Christ oder ein Muslim ist, hat mir nichts getan. Wir wissen, dass es keine nationale Agenda der Muslime in Nigeria gibt, Kirchen anzugreifen, auch wenn die muslimischen Führer keine Kontrolle über die extremistischen Kräfte haben.

In den letzten Jahren gab es eine Reihe von Anschlägen, die Boko Haram zugeschrieben werden. Konnten bislang Attentäter vor Gericht gestellt werden?

Fr. George Ehusani: Tausende Menschen sind durch Angriffe von Boko Haram gestorben. Doch nur zwei Täter sind bislang verurteilt worden und sitzen eine Haftstrafe ab. Das ist wirklich sehr peinlich und beschämend. Es zeigt die ganze Ineffizienz des Rechtssystems und der Sicherheitsdienste. Sie können die Angriffe nicht verhindern und die Täter nicht fassen. Es gab zwar Festnahmen, aber die Verdächtigen sind wieder befreit worden oder konnten nach ihrer Verhaftung entkommen.

Glauben Sie, dass die Angriffe von Boko Haram auf Kirchen darauf zielen, eine gewaltsame Reaktion der Christen zu provozieren?

Fr. George Ehusani: Wir wissen, dass es in Nigeria radikale fundamentalistische Muslime gibt, die nirgendwo eine Kirche und auch keine Christen sehen wollen. Das hat eine lange Tradition. Sie wollen das islamische Recht, die Scharia, in ganz Nigeria einführen.

Doch wir wissen auch, dass das nicht die Einstellung der meisten Muslime in Nigeria ist. Das hilft uns. Es macht es leichter, an unsere Christen zu appellieren, nicht in die Hände derjenigen zu spielen, die es nicht gut mit uns und unserem Land meinen.

Wie wichtig ist die Religion für Nigerianer?

Fr. George Ehusani: Die Religion ist sehr wichtig für Nigerianer. Sie hält viele Menschen aufrecht, gibt ihnen eine Art Balance und Hoffnung. Besonders in diesen sehr ernsten Zeiten mit großen Sicherheitsproblemen und der schlechten wirtschaftlichen Lage. Es ist die Religion, die ihnen sagt, die Gerechtigkeit wird am Ende siegen. Sie hilft, einen klaren Kopf zu behalten und nicht durchzudrehen. Sonst hätte es sicher noch viel mehr Gewalt gegeben.

Warum kann die nigerianische Regierung Boko Haram nicht unter Kontrolle bringen?

Fr. George Ehusani: Im Großen und Ganzen ist die Regierung nicht glaubwürdig. Wenn es der Regierung an Glaubwürdigkeit fehlt, hat sie auch keine wirkliche Macht und keinen Einfluss. Sie kann die Leute nicht zur Ordnung rufen. Es fehlen Führungspersönlichkeiten. Leute, die die Fähigkeit besitzen, andere zu überzeugen. Wir haben es bislang nicht geschafft, nationale Führungspersönlichkeiten zu finden. Leute, die im ganzen Land anerkannt sind.

Außerdem fehlt es der Regierung an effizienten Sicherheitskräften und Nachrichtendiensten. Sie sind schlecht ausgebildet und können nicht helfen. Wir sind auch nicht sicher, ob es in den oberen Zirkeln der Sicherheitskräfte nicht Sympathisanten von Boko Haram gibt. Präsident Goodluck Jonathan hat selber den Verdacht ausgesprochen, dass die Gruppe seine Regierung infiltriert haben könnte.

Kommen all diese Faktoren zusammen, kann man sagen, wir haben nicht wirklich eine handlungsfähige Regierung. Der Staat versagt. Er kann Leben und Eigentum seiner Bürger nicht schützen.

Wie kann Boko Haram Unterstützer finden?

Fr. George Ehusani: Viele Jugendliche in Nigeria sind arbeitslos. Die Arbeitslosenrate liegt bei 70 Prozent. Es gibt unter den jungen Menschen viel Hoffnungslosigkeit. Wo das Leben wertlos erscheint, haben viele keine Angst, dieses Leben zu verlieren. Wenn du Pläne für deine Zukunft hast, ist das etwas anderes. Doch wenn du sieben oder acht Jahre arbeitslos warst und keine Hoffnung hast, dass sich das ändert, beginnst du, den Sinn für den Wert des Lebens zu verlieren. Auf dieser Basis kann Boko Haram Leute rekrutieren.

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Informationen zu Fr. George Ehusani

Fr. George Ehusani war lange Jahre Generalsekretär der Nigerianischen Bischofskonferenz. Der promovierte Priester, der in Abuja eine Pfarrei leitet, ist regelmäßiger Gast in Diskussionsrunden im Fernsehen und verfasst Leitartikel im „Guardian“, einer der renommiertesten Tageszeitung Nigerias. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund, wäscht Politikern wegen Korruption und Wahlbetrugs den Kopf oder prangert das Unrecht der Armutsspirale an. Seit seinem Ausscheiden aus der Bischofskonferenz 2007 widmet Ehusani sich einem ambitionierten Projekt für Frieden und Versöhnung: dem Aufbau des Zentrums der Lux Terra Foundation, in dem kirchliche und weltliche Führungskräfte in verantwortungsvollem Umgang mit Personal und Ressourcen geschult werden. Das von Ehusani ins Leben gerufene interreligiöse Dialogforum zur Förderungen eines friedlichen Umgangs zwischen Christen und Muslimen, wird von missio unterstützt. Lesen Sie hier mehr über Fr. George Ehusani.

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