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„Wir brauchen den interreligiösen Dialog für unser Überleben“

Armut, Verzweiflung und immer wieder Terroranschläge der radikalen Islamistengruppe Boko Haram auf Kirchen in Nigeria. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas, in dem fast so viele Christen wie Muslime leben, kommt nicht zur Ruhe. Pfarrer George Ehusani, ehemaliger Generalsekretär der Nigerianischen Bischofskonferenz, erklärt, wie die Situation zwischen den Religionsgemeinschaften angesichts der jüngsten Angriffe aussieht, wieso Boko Haram Selbstmordattentäter rekrutieren kann und warum der interreligiöse Dialog so wichtig ist.

Interview mit dem nigerianischen Priester Fr. George Ehusani

14. November 2012

Lesen Sie hier Teil 1 des Interviews.

Seitdem 1999 in Nigeria die Demokratie wieder eingeführt wurde, sehen wir eine Reihe von unterschiedlichen gewaltsamen Konflikten. Ist die Demokratie die richtige Staatsform für Nigeria?

Fr. George Ehusani: Unser Problem hat nichts mit der Demokratie zu tun, sondern mit schlechter Führung. Und egal welche Regierungsform wir haben, schlechte Leute könnten sie korrumpieren. Es geht nicht um die Demokratie. Sie ist eine wundervolle Art der Regierungsform. Schlechte Führer haben keine Visionen, keinen Sinn für das Allgemeinwohl und keine Verantwortung für die Menschen.

Kann die Kirche da helfen?

Fr. George Ehusani: Ich selber leite das Zentrum der Lux Terra Foundation. Wir bilden dort Führungskräfte aus, die die Dynamik einer guten Führerschaft verstehen: Führung als einen Dienst, als positive Art, Einfluss zu nehmen. Wir möchten Führer, die Mentor und eine Inspiration sind. So möchten wir etwas bewirken, zuerst in der Kirche und dann auch außerhalb. Unser besonderer Fokus liegt auf den Jugendlichen, so dass wir Hoffnung haben können, dass die Qualität von Führungskräften in den nächsten fünf bis zehn Jahren durch die Trainings besser werden wird.

Fr. George Ehusani (Abuja, Nigeria)
© Bettina Tiburzy / missio

Welche Rolle spielt die katholische Kirche im Konflikt mit Boko Haram? Sind ihre Führer völlig hilflos?

Fr. George Ehusani: Nein, nicht hilflos. Die Kirche und ihre Führer vermitteln den Menschen weiterhin Hoffnung. Es gibt viele kirchliche Persönlichkeiten überall im Land, die Leute beruhigen, sie überzeugen, keine Rache zu üben. Gegen dieses Denken der Vergeltung arbeiten. Sie vermitteln den Menschen Werte. Ich bin der Meinung, dass das unter den Umständen ein bedeutender Dienst ist. Sie haben sich auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene mit den Führern des Islams getroffen, um gemeinsam für den Frieden zu arbeiten, um diesen Extremismus einzudämmen. Das kann die Kirche tun.

Wie wichtig ist der interreligiöse Dialog?

Fr. George Ehusani: Zu diesem Zeitpunkt absolut wichtig. Wir haben keine Wahl. Wir brauchen den interreligiösen Dialog für unser Überleben. Ich habe zusammen mit einem islamischen Institut ein interkonfessionelles Netzwerk ins Leben gerufen, um Christen und Muslime zusammenzubringen und miteinander im Gespräch zu halten. Denn während gewalttätiger Auseinandersetzungen gab es in der Vergangenheit wenig Dialog zwischen Christen und Muslimen. Also haben wir diese Gruppen zusammengebracht, damit die Leute miteinander sprechen. Das soll als eine Plattform dienen, für fortlaufenden Dialog. Zudem sind wir dabei gemeinsam friedensfördernde Projekte zu starten, in denen beispielsweise Wissen über die jeweils andere Religion vermittelt wird.

Es ist auch wichtig, dass man uns, Christen und Muslime, gemeinsam öffentlich sieht. Wir konnten einen großen privaten Radio- und TV-Sender überzeugen, zweimal in der Woche eine halbe Stunde Sendezeit kostenfrei zur Verfügung zu stellen, um Themen von gemeinsamem Interesse zu diskutieren. Das hilft, Spannungen und Vorurteile zwischen den Religionsgruppen zu entschärfen.

Wie sehen Sie die Zukunft Nigerias?

Fr. George Ehusani: Ich bin ein gläubiger Mensch. Ich hoffe, dass wir die jetzigen Schwierigkeiten überwinden können, wenn alle ihr Bestes geben. Ich gebe diese Hoffnung nicht auf. Doch wir müssen den Status Quo ändern. Wenn heute 70 Prozent der Menschen arbeitslos sind, müssen wir daran arbeiten, dass sich diese Zahl drastisch reduziert. Wir müssen hart daran arbeiten, unseren Lebensstil und unsere Kultur zu ändern. Besonders in Bezug auf Korruption und Disziplinlosigkeit. Ich glaube, dass eine neue Gesellschaft möglich ist, aber sie kommt nicht von alleine.

Das Interview führte Bettina Tiburzy.

Informationen zu Fr. George Ehusani

Fr. George Ehusani war lange Jahre Generalsekretär der Nigerianischen Bischofskonferenz. Der promovierte Priester, der in Abuja eine Pfarrei leitet, ist regelmäßiger Gast in Diskussionsrunden im Fernsehen und verfasst Leitartikel im „Guardian“, einer der renommiertesten Tageszeitung Nigerias. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund, wäscht Politikern wegen Korruption und Wahlbetrugs den Kopf oder prangert das Unrecht der Armutsspirale an. Seit seinem Ausscheiden aus der Bischofskonferenz 2007 widmet Ehusani sich einem ambitionierten Projekt für Frieden und Versöhnung: dem Aufbau des Zentrums der Lux Terra Foundation, in dem kirchliche und weltliche Führungskräfte in verantwortungsvollem Umgang mit Personal und Ressourcen geschult werden. Das von Ehusani ins Leben gerufene interreligiöse Dialogforum zur Förderungen eines friedlichen Umgangs zwischen Christen und Muslimen, wird von missio unterstützt. Lesen Sie hier mehr über Fr. George Ehusani.

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