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Nigeria in Angst

Tochter und Ehefrau des Ermordeten Emannuel Ndat mit seinem Bild in ihrem Haus in Jos.

10. März 2013

Vor einem Jahr töteten radikale Islamisten bei einem Anschlag auf eine Kirche in Jos, Nigeria, vierzehn Menschen. Darunter auch den Familienvater Emmanuel Ndat, einen Katholiken, der sich immer für den Frieden eingesetzt hatte.

Emmanuels Tochter telefonierte mit ihrem Vater, um zu fragen, wann er von der Kirche nach Hause komme. Doch bevor Emmanuels Ndat antworten konnte, hörte sie die Explosion. Dann war es still. Emmanuel war Vater von fünf Kindern, Ehemann und ein angesehenes Mitglied der katholischen Gemeinde St. Finbarr in Jos, einer Stadt im Norden Nigerias. Er war ein friedliebender, gläubiger Mensch, der sich gerne für andere einsetzte. Und so zögerte er keine Sekunde, als ihn die Gemeinde bat, mit seinem ruhigen diplomatischen Auftreten die meist jugendlichen Pfadfinder bei Sicherheitskontrollen vor der Kirche zu unterstützen.

Kirchen sind seit mehreren Jahren Anschlagsziele der radikal islamistischen Terrorgruppe Boko Haram, ebenso wie Polizeistationen, Regierungsgebäude, lokale Märkte, Schulen und muslimische Führer. Die kleine Gruppe religiöser Fundamentalisten will den Staat stürzen und eine radikale Form der Scharia in ganz Nigeria einführen. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht.

Mindestens 1.500 Menschen starben, nachdem Boko Haram 2009 das Morden begann. Seriöse Schätzungen gehen davon, dass mehr als die Mehrheit der Getöteten Muslime waren. Bei Selbstmordanschlägen mit Bomben auf Gotteshäuser sind mehrere Hundert Christen getötet worden. Seither kontrollieren Polizei und Freiwillige an vielen Kirchen die Gottesdienstbesucher.

An diesem 11. März 2012 hörte Emmanuel einen Streit am Zufahrtstor zum Kirchplatz. Ein Auto wollte ohne Kontrolle passieren. Als Emmanuel helfen wollte, zündete der Fahrer die Bombe. Die Explosion riss das Auto in zwei Stücke, schleuderte den Motorblock nach vorne in Richtung des Gotteshauses und ließ die Kirchenfenster bersten. Es gab Dutzende Verletzte. Vierzehn Menschen fanden den Tod. Darunter ein achtjähriger Junge, eine schwangere Frau – und Emmanuel Ndat.

Auch ein Jahr nach seinem Tod stehen seine Frau und die fünf Kinder unter Schock. Das klägliche Einkommen des Schwiegersohns hält die Familie gerade so über Wasser. Mit Hilfe des Pfarrers kann auch das Schulgeld aufgebracht werden. Doch wehe, jemand wird krank. Medikamente wären unbezahlbar.

Noch schwerer wiegt die große menschliche Lücke, die sein Tod hinterließ. „Für mich war er wie ein Vater“, erklärt der Schwiegersohn des Getöteten. „Meine Eltern sind früh gestorben. Nur meine jüngere Schwester lebt noch. Sechs Familienangehörige habe ich gewaltsam verloren.“

Armes reiches Land

Gewalt und Konflikte gehören seit langem zum Leben vieler Menschen in Nigeria. Immer wieder kommt es zu schweren regionalen Krisen. Das Land ist der größte Ölproduzent Afrikas. Doch vom Reichtum kommt bei den Menschen nichts an. „70 Prozent der Bevölkerung lebt in absoluter Armut. Ein Prozent der Bevölkerung vereinnahmt für sich 80 Prozent der Gewinne aus dem staatlichen Öl“, erklärt Toni Görtz, Nigeria-Experte beim katholischen Missionswerk missio in Aachen. „Die kleine Elite, die das Geld des Staates abschöpft, ist korrupt und hält die Macht in Händen. Armut und Perspektivlosigkeit sind ein guter Nährboden für Hass und Gewalt.“

Gegen die Spirale der Gewalt und Rache wendet sich der katholische Erzbischof von Jos, Ignatius Kaigama, mit dem missio seit Jahren eng kooperiert. Trotz bombardierter Kirchen und blutiger Anschläge auf Christen ist er überzeugt, dass sein Glaube ihn verpflichtet, für den Frieden einzustehen.

Nach dem Anschlag auf die Kirche St. Finbarr eilte der Erzbischof sofort an den Ort des Attentats. Aufgebrachte Jugendliche forderten Vergeltung. Kaigama appellierte eindringlich an die Menschen: „Lasst uns nicht wie die Attentäter werden. Das Böse hat stattgefunden, aber es wird nicht triumphieren. Urteil und Strafe sind Sache Gottes.“

Jos – Stadt vieler Konflikte

In Jos ist es in den letzten zwölf Jahren immer wieder zu schweren Konflikten gekommen, die nichts mit Boko Haram zu tun hatten. Blutige Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen um die Macht in der Stadt ließen viele schnell von einem „Glaubenskrieg“ sprechen. Doch der Erzbischof hatte dem stets widersprochen: „Die Religion wird für politische Zwecke missbraucht.“ In Wahrheit gehe es um soziale Ungerechtigkeit und skrupellosen Machtmissbrauch.

Seither lässt Kaigama keine Gelegenheit aus, für ein friedliches Zusammenleben der Volksgruppen und Religionen zu werben. Dabei unterstützt und ermutigt er alle, die sich für den Frieden einsetzen. Er konnte wichtige muslimische Führer gewinnen, wie den Emir von Wase und nach dessen Tod seinen Nachfolger

Der Anschlag von Boko Haram auf St. Finbarr hat den Bischof schwer getroffen. „Es ist schrecklich, wenn deine Leute vor deinen Augen umgebracht werden“, sagt Kaigama. „Manche haben geglaubt, dass ich nun meine Haltung des Dialogs gegenüber den Muslimen aufgeben werde. Immer wieder kommen Leute zu mir, die fordern, ich solle ihnen Waffen besorgen.“ Doch Kaigama zeigt sich unbeirrt: „Unsere Liebe zu Jesus ist unerschütterlich und unser Einsatz für den Frieden ist nicht verhandelbar.“

Im Februar 2013 weihte der Erzbischof ein von ihm gegründetes Zentrum für Dialog, Versöhnung und Frieden ein. An seiner Seite der neue Emir von Wase. Es steht allen Gruppen offen, gleich welcher Religion oder Volksgruppe sie angehören. Es soll helfen, Vorurteile zwischen Christen und Muslimen abzubauen und der Mentalität der Rache unter Jugendlichen entgegenzuwirken. Außerdem soll es einen sicheren Raum bieten, in dem verfeindete Gruppen ihre Konflikte in einem gewaltfreien Klima besprechen können. Nur der ernsthafte Dialog aller Beteiligten kann helfen, Gewalt vorzubeugen. Davon ist Erzbischof Kaigama überzeugt.

Im Wohnraum von Emmanuels Familie hängt ein gerahmtes Foto des Ermordeten an der Wand. Es zeigt ihn in einem Anzug und mit einer Krawatte, an der ein kleines Kreuz befestigt ist. Sein Schwiegersohn sagt: „Er hat sich stets für den Frieden eingesetzt. Letztlich ist er durch das gestorben, was er immer zu verhindern suchte. Ich hätte mir am liebsten eine Waffe besorgt und ihn gerächt. Doch wenn du an ihn denkst, hältst du inne und vergibst. Solch ein Mensch war er.“

Bettina Tiburzy

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