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Bischof Stephen Mamza aus Nigeria: „Wo ist die internationale Unterstützung für die gekidnappten Mädchen?“

© Bettina Tiburzy / missio

23. Juli 2014

Bischof Stephen Dami Mamza (44) leitet seit drei Jahren das Bistum Yola im Nordosten Nigerias. Fast täglich tötet oder verschleppt die radikal-islamistische Terrorgruppe Boko Haram Menschen in dieser Region. Von der versprochenen internationalen Hilfe, um die entführten Mädchen zu retten, sei nichts zu sehen, sagt Bischof Mamza.

Wie ist die Situation im Nordosten Nigerias?

Die Situation ist sehr schlecht, besonders in den Bistümern Yola und Maiduguri. Denn nicht überall kann die Sicherheit gewährleistet werden. Sehr viele Dörfer sind verlassen. Die Menschen fliehen, um in größere Städte zu gehen. Sie hoffen, dass es dort sicherer ist, lassen alles zurück, oft ihren ganzen Besitz. Es ist wirklich sehr schwierig. Eigentlich müssten die Menschen jetzt ihre Felder bestellen, um im nächsten Jahr zu ernten. Doch niemand traut sich auf die Äcker. Alle haben Angst, umgebracht zu werden.

Gegen wen richtet sich die Gewalt von Boko Haram zurzeit?

Boko Haram scheint im Moment alle anzugreifen. Sie greifen sowohl Christen als auch Muslime an. Anfangs richteten sich ihre Angriffe gegen Christen und Regierungseinrichtungen. Doch jetzt, nachdem sich Christen und Muslime zusammengetan haben, um gegen Boko Haram vorzugehen, attackieren sie alle, die sich gegen sie stellen.

Warum kann die Regierung die Situation nicht kontrollieren?

Da gibt es viele Faktoren. In Nigeria werden viele Themen politisiert, besonders alles, was mit Boko Haram zusammenhängt. Nächstes Jahr finden Wahlen statt. Die jetzige Regierung verfolgt im Hinblick auf die Wahlen natürlich auch Interessen. Meiner Meinung nach lässt sich die Regierung bei bestimmten Entscheidungen viel Zeit, besonders, wenn es um Boko Haram geht. Vermutlich deswegen, weil die Regierung nicht möchte, dass ihre Entscheidungen den Wettstreit um die Führung des Landes für sie negativ beeinflussen. Mein Eindruck ist, dass die Regierung das Thema Boko Haram von Anfang an nicht ernst genommen hat und nie ernsthaft versucht hat, Boko Haram zu bezwingen.

Sind für die Regierung also ihre eigenen Interessen wichtiger als die Sicherheit der Bevölkerung?

Alles in Nigeria wird politisch aufgeladen. Sie spielen sogar mit Menschenleben. Fast jeden Tag werden Menschen im Nordosten Nigerias getötet, in den Bundesstaaten Adamawa, Borno und Yobe. Doch wir sehen das nicht im Fernsehen. Wir sehen eher Berichte über politische Aktivitäten und Kampagnen, die die Regierung unterstützen und diejenigen, die 2015 bei den Wahlen antreten. Der Verlust von Menschenleben und die Zerstörung von Eigentum werden verdrängt.

Gibt es Neuigkeiten über den Verbleib der entführten Mädchen?

Bis jetzt gibt es nichts Neues. Die Regierung versichert uns weiterhin, dass sie die Mädchen bald retten werde. Doch dafür gibt es keinerlei Hinweise. Wir wissen nicht einmal, wo die Mädchen versteckt gehalten werden. Ob sie im Sambisa-Wald sind oder ob man sie außer Landes geschafft hat. Wir wissen es nicht.

Die internationale Gemeinschaft hat im Hinblick auf die Rettung der Mädchen Hilfe zugesagt. Haben Sie von der Unterstützung bislang etwas mitbekommen?

Das ist die größte Überraschung für uns in Nigeria. Wir fragen uns, wo ist die Unterstützung, die die Amerikaner, die Chinesen, Briten und andere europäische Nationen versprochen haben. Davon ist nichts zu sehen. Es ist praktisch nichts geschehen. Wir nehmen nicht wahr, dass sie tatsächlich gekommen sind, um Nigeria in dieser Krise zu helfen.

Haben Sie eine Botschaft für die internationale Gemeinschaft?

Ich würde mir wünschen, dass die internationale Gemeinschaft unseren Sicherheitskräften hilft. Sie hat die Ausrüstung, sie hat die Geheimdienstinformationen. Was ist falsch daran, den nigerianischen Sicherheitskräften dabei zu helfen, die Mädchen zu retten? Und es sind nicht nur diese Mädchen, die gekidnappt worden sind, Hunderte Menschen sind von Boko Haram verschleppt worden. Vor ein paar Tagen erst ist sogar ein Deutscher in Yola entführt worden.

Fast jeden Tag werden Menschen von Boko Haram ermordet, verletzt oder müssen fliehen. Wie schaffen Sie es, die Menschen in ihrem Bistum zu motivieren und zu trösten?

Das ist wirklich sehr schwierig. Jeder im Nordosten Nigerias ist betroffen, entweder direkt oder indirekt. Ich habe meinen ältesten Bruder verloren. Er hat für den Staatssicherheitsdienst gearbeitet und starb bei einem Angriff von Boko Haram auf einen Militärstützpunkt in Maiduguiri. Wir müssen uns alle gegenseitig trösten. Wir stecken wirklich in einer sehr ernsten Krise und unsere einzige Hoffnung darin ist Gott. Er ist die Quelle unserer Inspiration und unserer Hoffnung. Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Auch dieses kann gelöst werden. Es wird nicht schnell gehen. Doch wir haben die Hoffnung nicht verloren.

Das Interview führte Bettina Tiburzy.

Weitere Informationen zu den Hintergründen der Gewalt und Boko Haram

  • Boko Haram

    Seit fünf Jahren terrorisiert die radikal-islamistische Terrorgruppe Boko Haram Nigeria und ermordet ganze Dorfgemeinschaften, tyrannisiert Christen wie Muslime.

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