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Inhalt

„Was der Terrorismus von Boko Haram im Nordosten Nigerias anrichtet“

© Andy Spyra / missio

Dokumentation

Erstellt vom Sekretariat der Diözese Maiduguri, Stand: 10. Juni 2015 / Übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

Ein Situationsbericht über die Schäden durch den Terror von Boko Haram in der Diözese Maiduguri von 2006 bis April 2015 in Nigeria

In den vergangenen sieben Wochen gab es seitens der nigerianischen Regierung und ihrer Verbündeten gemeinsame Anstrengungen bei der Bekämpfung der Bedrohung durch Boko Haram im Nordosten Nigerias. Die vielen Fragen, die die Nigerianer und einige Mitglieder der internationalen Gemeinschaft stellen, lauten: „Wenn der Aufstand innerhalb von sechs Wochen unter Kontrolle gebracht werden kann: Warum hat es dann so lange gedauert – fast sieben Jahre des Mordens und der Zerstörung? Welches Interesse haben die Regierung und die Unterstützer dieser terroristischen Gruppe verfolgt? Was wollen sie erreichen? Wer sind sie?“ Dies sind Fragen, auf die es noch immer keine Antwort gibt. Die demokratischen Präsidentschaftswahlen vom 28. März 2015 werden unauslöschlich in die Annalen Nigerias und der Welt eingehen. Die von dem scheidenden Präsidenten Dr. Goodluck Ebele Jonathan unverhofft bewiesene Reife und politische Fairness, als er seine Niederlage eingestand, noch bevor sogar die Wahlergebnisse offiziell verkündet wurden, hat viel von dem verändert, was dieses Land normalerweise ins Schwanken gebracht hätte. Die enorme Wahlbeteiligung in den Wahllokalen war ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Menschen einen echten Wechsel wollten, weil sie den Status quo leid waren. Unsicherheit und Korruption waren Auslöser für dieses Verlangen nach einem Wandel. Es folgten die Gouverneurswahlen, und jetzt freut sich das Land auf den 29. Mai 2015, wenn die Regierungsübernahme stattfinden wird. Die Erwartungen an die neue Führung sind hoch; an oberster Stelle stehen die Sicherheit und die Bekämpfung der Korruption. Die Vertriebenen möchten in ihre Dörfer und Städte zurückkehren, die von den Boko Haram-Terroristen verwüstet worden waren, und sie möchten ihr Leben wieder von vorne beginnen. Auch wenn es stimmt, dass das nigerianische Militär und die gemeinsame Task Force aus Kamerun, dem Tschad und dem Niger die meisten dieser Dörfer und Städte zurückerobert haben, ist der Kampf noch nicht vorbei, da es Befürchtungen gibt, dass die entkommenen Terroristen sich umorganisieren und weitere Angriffe starten werden, wie wir es in den wenigen vergangenen Tagen erlebt haben. Die meisten der Terroristen befinden sich noch immer im Busch, und dass die Sambisa-Sümpfe, wo das Zentrum von Boko Haram liegt, noch nicht wieder zurückerobert wurden, sendet erschreckende Signale aus.

Neben der Regierung ist die nächste Einzelinstitution, die bei diesem Angriff größere Verwüstungen erlitten hatte, die katholische Diözese Maiduguri. Weitere christliche und muslimische Einrichtungen haben ebenfalls gelitten, doch da die katholische Kirche die meist verbreitete Kirche in den eroberten Gebieten ist, ist sie auch die am meisten betroffene.

Wir verfügen nun über einen umfassenden Bericht und eine Dokumentation der Zerstörungen, die in den letzten neun Jahren in der katholischen Diözese Maiduguri angerichtet wurden, doch so, wie die Dinge jetzt stehen, sind die folgenden diejenigen Pfarreien, die schwer betroffen sind – fast alle sind geschlossen, und die Priester, Ordensleute und Gläubigen befinden sich auf der Flucht:

  • St. Peter‘s in Pulka: Die Pfarrkirche und das Pfarrhaus wurden geplündert und niedergebrannt. Diese Pfarrei hat über zwanzig Außenstationskirchen, die alle niedergebrannt wurden. Dazu gehören: St. Paul in Mararaba, St. Augustine in Igadala und die Kirche in Gwoza.
  • Ein neu erbautes Diözesankrankenhaus für die Millionen Bewohner von Pulka wurde durch Brand zerstört. Den meisten Menschen gelang die Flucht nach Kolfata in Kamerun. Viele junge Menschen wurden von Boko Haram gewaltsam verschleppt und als Soldaten rekrutiert. Frauen, die nicht entkommen konnten, wurden gezwungen, zum Islam zu konvertieren und sie wurden mit den Terroristen verheiratet; einige der älteren Frauen, die nicht flüchten können, sind getötet worden oder man überließ sie dem Hungertod. Dies ist das Schicksal jeder einzelnen Stadt oder jedes einzelnen Dorfes, das in die Hände der Terroristen gefallen ist: Mord, Zerstörung, Plünderung, Zwangsverheiratung, Zwangsrekrutierung, erzwungene Konversion zum Islam und das Hissen ihrer Flaggen sowie die Erklärung der Scharia oder des Kaliphats kennzeichnen die Aktivitäten von Boko Haram.
  • St. Denis in Madagali: Die Pfarrkirche wurde von einem Bulldozer niedergerissen und in Trümmer gelegt, das Priestergebäude verwüstet, das Fahrzeug des Priesters mit wertvollen Gemeindedokumenten wie Taufbüchern und dem Eheregister ist abhandengekommen. Eine Reihe unserer Kirchen wurde niedergebrannt, wie in Vengo, Gubla, Chakawa und Magar.
  • St. Louis in Matak: Die Pfarrkirche und das Pfarrhaus wurden zerstört. Eine Reihe von Menschen wurde getötet.
  • St. Peter’s in Gulak: Die neu erbaute Kirche in Gulak wurde niedergerissen und zerstört; das Priestergebäude wurde geplündert und zerstört. Zu den Außenstationskirchen, die niedergebrannt wurden, gehören Pallam A und B, Dar, Ngurgu etc.
  • St. Joseph’s in Kaya: Die Pfarrkirche wurde niedergebrannt, das Priestergebäude geplündert und ebenfalls niedergebrannt. Zu einigen der Außenstationskirchen, die niedergebrannt und zerstört wurden, gehören Duhu, Hashi, Kuda, Kubu etc. Das diözesane Ausbildungszentrum wurde geplündert und niedergebrannt; es hatte mehr als 40 Räume, einschließlich Büros, einer Bibliothek, einer Küche, eines Ladens und einer Mensa.
  • St. Pius X. in Shuwa: Die Pfarrkirche wurde von einem Bulldozer abgerissen, das Pfarrhaus niedergebrannt, ebenso das Pfarrbüro. Einige Außenstationen der Kirche einschließlich Maigana, Kwambulam Kirchinga etc. brannten nieder. Der Konvent der Augustinerinnen, die dazugehörige Schule und das Entbindungsheim wurden zerstört.
  • Das Kleine Seminar St. Joseph’s in Shuwa wurde am 27. Februar 2014 von den Terroristen angegriffen und überfallen. Durch Gottes Barmherzigkeit gelang es den Priestern und Seminaristen, unverletzt in den Busch zu entkommen. So viele Gebäude im Kleinen Seminar, wie das Priesterhaus, die Kapelle, die Bibliothek, das Labor sowie einige Klassenräume wurden niedergebrannt und zerstört. Derzeit ist das Kleine Seminar geschlossen.
  • Shuwa beherbergt zudem die Augustinerinnen mit ihrem Noviziat und ihrer Klinik. Der gesamte Konvent, der über 100 Räume hat, wurde niedergebrannt, die Klinik wurde ausgeplündert und abgebrannt; auch das Noviziat mit seinen mehr als 20 Räumen wurde vom Feuer total zerstört. Die Priester und alle Ordensschwestern haben das Gelände verlassen.
  • St. Ann’s in Michika: Die Pfarrkirche und das Pfarrhaus wurden geplündert und niedergebrannt. Auch die Schule wurde zerstört. Michika wurde am Sonntag, den 8. September 2014, von den Terroristen eingenommen.
  • Our Lady of Consolation in Bazza: Die Pfarrkirche wurde verwüstet. Bazza wurde am selben Tag wie Michika eingenommen. Viele Menschen wurden getötet, andere zur Flucht gezwungen, manche werden in ihren Häusern gefangen gehalten, besonders die Kranken und älteren Menschen.
  • St. John’s in Mishara: Die Pfarrkirche wurde verwüstet, das Pfarrhaus niedergebrannt. Weitere Kirchen, die zu dieser Pfarrei gehören und die zerstört wurden, sind: Muffa, Klamada etc.
  • St. Andrew’s in Mubi: Von der zweitgrößten Pfarrei in der Diözese wurden die Pfarrkirche und das Pfarrhaus niedergebrannt. Auch deren Schule wurde verwüstet und niedergebrannt. Der Konvent der Töchter Mariens der Mutter der Barmherzigkeit wurde niedergebrannt, und deren Klinik geplündert und verwüstet.
  • Holy Trinity Wuropatuji in Mubi: Die Pfarrkirche, das Pfarrhaus und die Schule wurden alle niedergebrannt. Dies ist ebenfalls eine der größten Gemeinden der Diözese.
  • Holy Cross in Betso: Die Pfarrkirche und die Schule wurden niedergebrannt.
  • Our Lady’s in Bahuli: Die Pfarrkirche und die Schule wurden niedergebrannt.
  • St. Monica’s in Biu: Die Pfarrkirche wurde niedergebrannt.
  • St. Mary’s in Damaturu: Die Pfarrkirche wurde niedergebrannt; eine der größten Kirchen, die sich in Damaturu, der Hauptstadt des Bundesstaates Yobe, befindet.
  • St. Joseph’s in Gamboru Ngala: Die Pfarrkirche, das Pfarrhaus und die Schule wurden niedergebrannt.
  • Munguno: Eine neu erbaute Kirche wurde niedergebrannt.
  • St. Mary’s in Damboa: Die Kirche wurde niedergebrannt.
  • Bama: Die Pfarrkirche und das Pfarrhaus wurden niedergebrannt.
  • Kunduga: Die Kirche wurde niedergebrannt.
© Andy Spyra / missio

Städte und Dörfer in den Bundesstaaten Borno, Yobe und Adamawa, die aus der Kontrolle von Boko Haram befreit wurden:

  • Damboa, Buni Yadi, Madagali, Gwoza, Gujba, Gulak, Bama, Gulani, Shuwa, Marte, Kukuwa, Michika, Dikwa, Bularafa, Bazza, Gamboru Ngalla, Buni Gari, Uba Adamawa, Banki, Bara, Vintim-Muvudi, Pulka, Bumsa, Mararaban Mubi, Ashgashiya, Taltaba, Mubi, Limankara, Njibulwa, Maiha, Uba Borno, Hong, Gombi

Mit der Zurückeroberung dieser Städte und Dörfer begannen die Menschen, wieder nach Hause zurückzukehren, doch die Herausforderungen sind gewaltig. Von Bama bis Mubi steht keine einzige Brücke mehr, sie sind alle von den Terroristen gekappt oder zerstört worden. Diese Städte und Dörfer wiederaufzubauen, erfordert gemeinsame Anstrengungen von Regierung und Behörden, da es weder Trinkwasser noch Lebensmittel noch Unterkünfte gibt. Es gibt auch keine funktionsfähigen Ambulanzen oder Krankenhäuser. Die Schulen und Gottesdienststätten wie Kirchen sind zerstört worden.

Wir stehen vor gewaltigen humanitären Krisen mit mehr als 90.000 Binnenvertriebenen. Wir kämpfen, um uns als Diözese um einige ihrer Bedürfnisse zu kümmern, doch unsere Mittel sind zu dürftig und bereits verbraucht. Darüber hinaus müssen wir für über 20 Priester sorgen, die vertrieben wurden, und die alles verloren haben – außer ihrem Glauben und ihren Einsatz zur Unterweisung des Evangeliums. Wir erleben erneut eine Massenflucht unserer Brüder und Schwestern aus dem Osten, Süden und Westen. Viele Menschen ziehen in andere Teile Nigerias um.

© Andy Spyra / missio

Geschätzte Zahlen der Zerstörung

  • Anzahl der getöteten Personen: mehr als 5.000 katholische Gläubige wurden getötet.
  • Flüchtlinge: mehr als 100.000 Katholiken wurden vertrieben und auf ganz Nigeria verstreut, jedoch hauptsächlich in Maiduguri und Yola. Die meisten Schulen im Osten können ihre regelmäßigen Tätigkeiten nicht nur wegen der Terroristen nicht aufnehmen, sondern weil diese Schulgebäude derzeit als Flüchtlingscamps dienen.
  • Vertriebene Priester: Von den derzeit in der Diözese tätigen 46 Priestern wurden 26 vertrieben.
  • Vertriebene Katechisten: Mehr als 200 Katechisten wurden vertrieben.
  • Vertriebene Nonnen: Mehr als 30 Nonnen wurden vertrieben.
  • Verlassene Konvente: Von den fünf Konventen sind vier verlassen worden: Potiskum, Shuwa, Bazza und Mubi. Es gibt viele christliche Gemeinschaften mit einer Reihe von katholischen Kirchen, die verwüstet und zerstört wurden. Der gemeinsamen Einsatztruppe ist es gelungen, einige dieser Städte zurückzuerobern. Doch es muss noch so viel getan werden, ganze Gemeinden sind ein einziger Trümmerhaufen.
  • Zerstörte Kirchen: Mehr als 150 Kirchen und Pfarrhäuser sind dem Erdboden gleichgemacht worden, eine große Anzahl wurde mehr als einmal zerstört.
  • Verlassene Pfarrkirchen/Seelsorgestellen: Von den 40 Pfarrzentren/Seelsorgestellen sind derzeit 22 verlassen und von den Terroristen eingenommen worden.
  • Betroffene Schulen: Die Diözese hat mehr als 40 Grund- und Oberschulen, mehr als 30 davon wurden verlassen, einschließlich des Kleinen Seminars St. Joseph’s in Shuwa und des Jungenkollegs St. Stephen’s in Duhu und der Schule von Our Lady of Good Counsel in Madanya-Mubi, die alle im Bundesstaat Adamawa liegen.
© missio / Andy Spyra
Bischof Oliver Dashe Doeme (Archivfoto) © Susanne Kruza / missio

Schlusswort von Bischof Oliver Dashe Doeme

Das ist die aktuelle Situation, meine verehrten Brüder und Schwestern. Wir werden Euch für all Eure Gebete, für Eure Unterstützung und für Eure Verbundenheit in diesem Augenblick der großen Prüfungen, Verfolgungen und Drangsale stets dankbar sein! Als Oberhirte der Priester und Laien der Diözese Maiduguri spüre ich die Herzlichkeit Eurer Gebete und Eurer Solidarität. Wir sind verpflichtet, das Evangelium zu bezeugen und Opfer zu bringen, wenn die Zeit kommt. Und wie der heilige Paulus kann ich das Echo der Stimmen meines Volkes in der Diözese Maiduguri hören: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.“ Möge die Muttergottes, die die Hilfe aller Christen ist, mit ihrem Sohn weiterhin für uns Fürsprache einlegen.

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