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Inhalt

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Nigeria ist unter 25 Jahren alt. Doch leicht hat es die Jugend nicht. © missio / Bettina Tiburzy

Nigerias junge Friedensstifter

SELL: Young people with compassionate hearts building peaceful communities

Der Nordosten Nigerias ist ein gefährlicher Ort. Anschläge durch Boko Haram und gewalttätige Konflikte zwischen Bauern und Viehhirten sorgen immer wieder für Spannungen zwischen Religionen und Volksgruppen. Kinder und Jugendliche wachsen in einer Atmosphäre der Angst auf. Das SELL-Programm der Kirchenprovinz Jos hilft jungen Menschen, sich zu starken Persönlichkeiten zu entwickeln, Erlerntes an andere Jugendliche weiterzugeben und so selbst zu Friedensbotschaftern zu werden.

Gigant in Afrika – so wird Nigeria oft bezeichnet. Mit mehr als 180 Millionen Menschen ist das Land in Westafrika das bevölkerungsreichste des Kontinents. Große Vorkommen an Öl und Gas sollten Nigerias Jugend - mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist unter 25 Jahren alt - eigentlich eine glänzende Zukunft bescheren. Doch die große Mehrheit der Nigerianer lebt in bitterer Armut.

Die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) und missio stellen in ihrer gemeinsamen Jahresaktion 2018 das SELL-Jugendprojekt aus Nigeria vor. © dpsg

Viele Schulabbrecher

Besonders der Norden des Landes ist stark unterentwickelt. Die schwierige Sicherheitslage und die schlechte Situation der Wirtschaft im Nordosten haben dazu geführt, dass viele Kinder und Jugendliche nicht mehr zur Schule gehen. 53 Prozent der Schüler brachen die Schule ab. Das Niveau derjenigen, die sie abschließen konnten, ist geringer als das in den anderen Landesteilen.

Boko Harams Schreckensherrschaft

Seit 2009 verübt Boko Haram Anschläge im Nordosten des Landes. Zwischenzeitlich hatte sie ganze Regionen im Nordosten besetzt, ein Kalifat ausgerufen und die Bevölkerung mit ihrer Terrorherrschaft drangsaliert. Viele Hundert Mädchen und Frauen entführten die Islamisten. Mehr als 20.000 Menschen ermordeten sie. Darunter waren auch nigerianische Pfadfinder, die Selbstmordattentäter daran hinderten, ein Auto in eine Kirche zu steuern.

Pfadfinder in Nigeria engagieren sich für Frieden und Toleranz - auch unter Einsatz ihres eigenen Lebens.

SELL hilft Kultur des Friedens schaffen

SELL - das ist die Abkürzung für “Sharing Education and Learning for Life”, Bildung teilen und für das Leben lernen. Ziel dieses außergewöhnlichen Bildungsprogramms ist es die Fähigkeiten von Jugendlichen zu fördern. Im Mittelpunkt steht der respektvolle und friedliche Umgang miteinander. SELL möchte die Jugendlichen helfen, eine „Kultur des Friedens“ in ihrer Gemeinschaft zu entwickeln.

Immer öfter gibt es in Nigeria Konflikte zwischen Bauern (meist Christen) und Viehhirten (Muslime). Die Bevölkerung wächst rasant. Fruchbares Land ist knapp. © missio / Bettina Tiburzy

In einer Region, die seit vielen Jahren immer wieder von gewaltsamen Konflikten erschüttert wird, ist dies eine große Herausforderung.

Multireligiös und multiethnisch

Neben der Erzdiözese Jos gehören die Bistümer Bauchi, Maiduguri, Yola, Jalingo, Shendam und Pankshin zu dem Gebiet, in der SELL aktiv ist. Hier leben Christen und Muslime gemeinsam mit Anhängern traditioneller Religionen. Sie gehören zu verschiedenen Volksgruppen. In der ganzen Region haben die Menschen stark unter Gewalt durch Boko Haram gelitten.

SELL möchte den jungen Menschen unterschiedlicher Ethnien und Religionen helfen, besser mit Konflikten umzugehen. Dazu sollen in insgesamt 18 Trainings 124 junge Multiplikatoren ausgebildet werden. Die Multiplikatoren sollen das Erlernte an etwa 6.000 Gleichaltrige in ihren Dörfern weitergeben. Insgesamt sind 60 Workshops in den Dörfern geplant. Darüber hinaus werden 20 Jugendliche, die im Vorprojekt ausgebildet wurde, zu Mentoren ausgebildet, um die Jugendlichen, die in den nächsten Jahren am Programm teilnehmen werden, zu unterstützen.

Voneinander Lernen - Friedensstifter werden

„Dank SELL kann ich mich jetzt besser in Menschen hineinversetzen, sie tolerieren und helfen, wo es für mich möglich ist.“ Nancy Bitrus

Inhaltlich geht es um: interreligiösen Dialog, Frieden schaffen und erhalten im Zusammenhang mit Konflikten zwischen Ethnien und religiösem Fundamentalismus. Außerdem werden die Jugendlichen für das Thema „Traumata“ sensibilisiert, denn viele Menschen haben Gewalt erlebt und haben Probleme, Erlebtes zu verarbeiten. Zudem stehen Inhalte wie Spiritualität, einschließlich der Weisheit, die aus der Tradition weitergegeben werden, auf dem Programm.

„Das SELL-Projekt hat mir geholfen meine Wut zu kontrollieren und anderen Jugendlichen ein Vorbild zu sein.“ Thomas Zakariah

Das SELL-Programm nutzt einen anderen Bildungsansatz als die gängige Lehrer-Schüler-Methode. Ausgehend von den Erfahrungen die Teilnehmenden, sollen die Jugendlichen voneinander lernen, ihre Erfahrungen miteinander teilen.

Jeder kann dazu beitragen. Niemand wird ausgeschlossen. Dieses gemeinsame Lernen soll den Jugendlichen helfen, in ihren Dörfern in schwierigen Situationen Entscheidungen bewusst zu treffen und so selbst zu Friedensstiftern zu werden.

Bitte helft mit, Jugendliche im Nordosten Nigerias zu Friedensstiftern auszubilden!

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