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Der Sudan auf dem Weg zur Demokratie

Hans-Peter Hecking, Afrika-Referent © privat

Interview mit Hans-Peter Hecking (Afrika-Referent)

30. März 2010

Am 11. April 2010 finden im Sudan seit langem wieder demokratische Wahlen statt, zu denen der derzeitige, vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag wegen Kriegsverbrechen in Darfur gesuchte Präsident Omar al-Bashir zur Wiederwahl antritt. Das Land ist seit 1955 von blutigen Konflikten heimgesucht worden, in denen über vier Millionen Menschen ihr Leben verloren haben. Seit fünf Jahren herrscht weitestgehend Frieden im flächenmäßig größten Staat Afrikas. Zum Aufbau einer Zivilgesellschaft und zum Erhalt des Friedens bietet die Katholische Kirche in speziellen Programmen ihre Hilfe für die Opfer an.

Unser nachfolgendes Interview haben wir mit Hans-Peter Hecking, Afrika-Referent bei missio, geführt. Er war im Februar dieses Jahres im Südsudan und hat mit kirchlichen Vertretern über die Wahlen und die Zukunft des Landes gesprochen.

Die katholischen Bischöfe im Sudan beklagen die erbarmungswürdige Lage der heimgekehrten Flüchtlinge und kritisieren das insgesamt misslungene Wiederansiedlungsprogramm. Was unternimmt die Kirche für die Menschen?

Hecking: Die Bistümer selbst und auch kirchliche Hilfsorganisationen leisten wichtige Unterstützung für die Heimkehrer. missio unterstützt die Kirche im Südsudan in vielen Projekten. Zwei davon, die ich neben anderen besucht habe, möchte ich nennen:

In dem einen Projekt geht es um die Wiedereingliederung ehemaliger Flüchtlinge durch JRS, den Flüchtlingsdienst der Jesuiten. Die Begleitung der Flüchtlinge endet für JRS nicht mit der Auflösung der Camps in Uganda und Kenia und dem Abschluss des Repatriierungsprogramms. Nachhaltigkeit und Verantwortung heißt für JRS auch, die Heimkehrer bei ihrem Neubeginn im Südsudan zu unterstützen, zum Beispiel durch den Bau von Schulen, die Aus- und Weiterbildung von Lehrern, Alphabetisierungsprogramme, Bürgerrechts- und Friedenserziehung, AIDS-Aufklärung und durch den Aufbau pastoraler Strukturen. Wenn uns die notwendigen Spenden zur Verfügung gestellt werden, kann missio dieses JRS-Programm auch in den kommenden drei Jahren fördern.

Ein zweites wichtiges Projekt braucht auch weiterhin unsere Unterstützung: das „Sudan Catholic Radio Network“. Im Südsudan kann nur ein geringer Teil der Bevölkerung ausreichend Lesen und Schreiben. Zeitungen spielen also keine Rolle, Fernsehen ist viel zu teuer. Deshalb baut die Kirche diözesane Rundfunksender und ein eigenes Programmnetz auf und hat damit ein ausgezeichnetes Instrument, beispielsweise die Menschen über ihre Rechte als Bürger aufzuklären. In fast jedem Dorf finden Sie ein bis zwei Transistorradios, um die sich die Leute zum Radio hören treffen.

Selbst in entlegenen Regionen sind mir sehr engagierte kirchliche Partner begegnet, die trotz beklagenswerter Umstände viel dafür tun, Gemeindeleben in Ruinen entstehen zu lassen. Es wäre wünschenswert, diese Menschen materiell und personell zu unterstützen, denn auch fünf Jahre nach Friedensschluss liegen Infrastruktur, Kirchen und Schulen in Trümmern.

Mit dem Friedensabkommen von 2005 ging einer der längsten Kriege in Afrikas Geschichte zu Ende. Sind die Beschlüsse des Friedensvertrags umgesetzt worden und hat sich das Leben für die Menschen im Sudan dadurch verbessert?

Hecking: Wesentliche Punkte des Friedensvertrags wie der Autonomiestatus des Südens, der Rückzug der jeweiligen Streitkräfte und die hälftige Aufteilung der Erdöl-Einnahmen sind bisher realisiert worden. Demokratische Wahlen sollen am 11. April 2010 stattfinden und in einem Selbstbestimmungsreferendum sollen die Südsudanesen Anfang 2011 über einen vom Nordsudan unabhängigen, eigenen Staat Südsudan entscheiden. Für die Menschen ist wohl am Wichtigsten: Seit Abschluss des Friedensabkommens kam es zu keinen bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Nord- und Südsudan.

Schwierig gestaltet sich jedoch die Heimkehr für die vielen Geflohenen. Über als 4 Millionen Menschen mussten über viele Jahre hinweg in Lagern jenseits der Grenze oder als Binnenvertriebene verbringen. Das Repatriierungsprogramm der Flüchtlinge ist zwar abgeschlossen und man sieht, wie Menschen nach jahrelanger Flucht ihre Hütten in ihren angestammten Siedlungsgebieten wieder aufbauen. Sie sind jedoch eher auf sich gestellt und müssen mit leeren Händen damit beginnen, sich wieder eine neue Existenz als Bauern und Hirten aufzubauen. Erschreckend ist das nach wie vor mangelhafte Bildungsniveau der Gesamtbevölkerung. Auch wird der Neubeginn noch immer durch die große Minengefahr in etlichen Gebieten gelähmt.

Der Frieden im Sudan ist noch jung. Der Großteil der Bevölkerung ist in Angst und unter Terror aufgewachsen. Nun sollen demokratische Wahlen durchgeführt werden. Wird das gelingen?

Hecking: Es ist schon ein Erfolg, dass diese Wahl um das Amt des Staatspräsidenten und das Amt des Präsidenten der südsudanesischen Regierung überhaupt stattfinden. Doch ist die Durchführung dieser Wahl schon allein wegen der schlechten Infrastruktur in dem größten Land Afrikas eine Mammutherausforderung. Zusätzlich erschwerend sind die hohe Analphabetenrate und die fehlende demokratische Wahlpraxis der Wahlberechtigten, die zwischen rund 70 unterschiedlichen Parteien wählen können. Die meisten meiner kirchlichen Gesprächspartner im Südsudan waren jedoch optimistisch, dass die Wahlen friedlich ablaufen. Die Menschen wollen Frieden. Die katholischen Bischöfe unterstützen diese Haltung und rufen politische Gegner, die Bevölkerung, die religiösen Führer des Landes und die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, die Beschlüsse des Friedensabkommens für einen langfristigen Frieden zu unterstützen.

Gegen Staatspräsident Omar al-Bashir hat der Internationale Gerichtshof in Den Haag Haftbefehl wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen erlassen. Kann man diesem Mann mit Blick auf den Südsudan vertrauen?

Hecking: Das ist schwer einzuschätzen. Für Bashir, der vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen in Darfur gesucht wird, geht es meiner Ansicht nach derzeit ums politische Überleben. Deshalb unternahm er in den letzten Monaten auch alles, einen Waffenstillstand zumindest mit der größten Rebellengruppe in Darfur zu erwirken. Das gelang ja auch Ende Februar. Bashir braucht das Image des Friedensstifters, muss er sich erstmals einer demokratischen Wahl stellen. Ich glaube nicht, dass Bashir hinter die Abmachungen des Friedensabkommens zurück kann. Anfang des Jahres erklärte er noch öffentlich, dass er das Referendum im Südsudan in 2011 anerkennen werde – unabhängig davon, wie es ausgeht. Auf dem Weg zu Demokratie und Rechtstaatlichkeit wird das Thema Nord-Süd noch länger auf der politischen Tagesordnung bleiben.

Das Interview führte Claudia Vogel.

Linktipp:
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