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Anti-Balaka-Milizen in der Zentralafrika machen Jagd auf Flüchtlinge wie die muslimischen Peul. © Nicholas Long / IRIN

"Gott will nicht, dass ihr tötet"

Zentralafrikanische Republik: Der Erzbischof von Bangui hindert Anti-Balaka-Milizionäre daran, eine muslimische Familie zu ermorden. Unter Einsatz seines Lebens stellt er sich den bewaffneten Angreifern in den Weg.

Seit März 2013 herrscht in der Zentralafrikanischen Republik Chaos und Gewalt. Tausende Menschen haben bei dem blutigen Konflikt ihr Leben verloren, fast eine Million Menschen sind auf der Flucht.

Der Erzbischof von Bangui, Dieudonné Nzapalainga, hat Flüchtlingen, Christen wie Muslimen, Zuflucht auf seinem kirchlichen Gelände geboten. Doch viele Menschen außerhalb der Hauptstadt Bangui sind Ende 2014 immer noch von jeglicher Hilfe abgeschnitten.

Als Erzbischof Nzapalainga von der verzweifelten Situation in den Dörfern rund um die Stadt Yaloke hört, macht er sich mit seinem medizinischen Team auf den Weg dorthin. Rund 600 Menschen dort sind Flüchtlinge, die vor den Anti-Balaka-Milizen geflohen sind. Sie gehören zur Volksgruppe der Peul und sind Muslime. Viele von ihnen sind in einer körperlich sehr schlechten Verfassung. 40 Menschen sind bereits gestorben, darunter fünfzehn Kinder. Die Peul brauchen dringend medizinische Versorgung.

Vier Tage bleiben der Erzbischof und sein Team bei den Peul und versorgen sie. Ein kleines Mädchen ist so schwer an Tuberkulose erkrankt, dass der Erzbischof beschließt, bei der Rückfahrt das Kind und seine Familie ins Krankenhaus in die 225 Kilometer entfernte Hauptstadt Bangui mitzunehmen.

Familie wird aus dem Auto gezerrt

An einer Straßensperre kurz vor der Hauptstadt wird der Autokonvoi des Bischofs von Anti-Balaka-Milizen angehalten. Sie erkennen, dass die Familie den Peul angehört. Mehrere Männer mit Messern in den Händen rennen herbei und zerren die Familie aus dem Auto. Als einer der Angreifer zustechen will, greift Erzbischof Dieudonné Nzapalainga den Milizionär in den Arm und schleudert ihn zur Seite. Einige Männer kommen dem Erzbischof zur Hilfe. Ein Fahrer aus seinem Konvoi wird verletzt. Die Familie kann in einem Auto entkommen. Doch die Gefahr ist noch nicht vorbei.

© missio / Bernd Weishaupt

Erzbischof Dieudonné Nzapalainga

  • Geb. 14. März 1967 in Mbomou, Zentralafrikanische Republik
  • 1993 trat Nzapalainga in die Ordensgemeinschaft der Spiritaner ein und legte 1997die ewige Profess ab.
  • 1998 empfing Nzapalainga das Sakrament der Priesterweihe.
  • 2009 Nzapalainga wurde zum Apostolischen Administrator von Bangui bestellt.
  • 2012 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Erzbischof von Bangui.

Die Anti-Balaka-Kämpfer mit gezogenen Messern kommen jetzt von allen Seiten, umringen den Erzbischof und sein Auto. Er spricht zu den aufgebrachten Männern: „Ihr könnt mich töten, wenn ihr wollt. Ihr habt kein Recht, die Peul hier zu töten. Die Peul sind Zentralafrikaner. Es sind meine Brüder. Ich habe das Recht ihnen das Leben zu retten. Genauso wie ihr euer Leben rettet.“

Hass und Tränen

Einer der Anti-Balaka-Kämpfer droht, eine Handgranate zu werfen. Einige halten ihn zurück. Mehrere fangen an zu weinen. Einer sagt: „Die Peul haben meinen Vater umgebracht. Ich muss einen von ihnen töten, um ihn zu rächen.“ Doch Erzbischof Nzapalainga bleibt ruhig. „Unter diesen Peul hier ist sicher nicht derjenige, der deinen Vater getötet hat“, erklärt er. „Doch wenn du weißt, wer ihn getötet hat, können wir eine Untersuchung durchführen lassen. Die Justiz wird ihre Arbeit machen. Gott will nicht, dass ihr tötet und dass das Morden immer weitergeht.“

Schließlich kann der Erzbischof die Anti-Balaka-Milizionäre überzeugen, sie ziehen zu lassen. Der Konvoi erreicht ohne weitere Zwischenfälle die Hauptstadt Bangui. Das erkrankte Mädchen wird ins Krankenhaus gebracht.

„Man sieht, wie nahe das nebeneinander legt – der Tod und das Leben“, sagt Erzbischof Dieudonné Nzapalainga heute mit einer Gelassenheit, als wäre sein Handeln an der Straßensperre das Normalste der Welt. Und für ihn scheint es das auch zu sein. „Das Evangelium ist keine Geschichte von gestern. Es ist eine Geschichte von heute“, erklärt er. „Man muss es mit dem Leben von heute erzählen.“

Linktipp:

Interview (19. März 2015) mit Erzbischof Dieudonné Nzapalainga
Länderübersicht Zentralafrikanische Republik

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