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© missio / Bernd Weishaupt

"Man kämpft in Zentralafrika nicht um das Kreuz, um die Bibel, für den Koran. Man kämpft, weil man an die Bodenschätze heran will."

19. März 2015

Nach einem blutigen Putsch vor zwei Jahren herrscht in der Zentralafrikanischen Republik Chaos und Verzweiflung. Feindliche Milizen bekämpfen sich. Die Sicherheitslage ist trotz UN-Schutztruppen katastrophal. Der Staat hat sich außerhalb der Hauptstadt fast aufgelöst. Fast eine Million Menschen sind auf der Flucht. Der katholische Erzbischof der Hauptstadt Bangui, Msgr. Dieudonné Nzapalainga, gibt die Hoffnung trotzdem nicht auf und handelt. Zusammen mit dem höchsten Repräsentanten des Islam und dem Präsidenten der Evangelischen Allianz setzt er sich in einer beispiellosen Initiative für den Frieden in seinem Land ein, sucht das Gespräch und Aussöhnung auch mit denjenigen, die vor Gewalt nicht zurückschrecken, wirbt um Hilfe bei europäischen Regierungen und der UNO und wird nicht müde zu erklären, warum der Konflikt kein Religionskrieg ist.

Interview mit dem Erzbischof von Bangui und Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz der Zentralafrikanischen Republik, Msgr. Dieudonné Nzapalainga

missio: Können Sie uns etwas über die Situation in Ihrem Land erzählen? Wie sieht die Situation derzeit vor Ort aus?

Erzbischof Nzapalainga: Momentan sind wir als afrikanisches Land bekannt, das sich in einer Krise befindet - in einem Krieg. Das Land befindet sich in einer prekären Lage. Es gibt fast überall bewaffnete Gruppen, Milizen. Diese Gruppen lähmen das Land und blockieren es, ja hindern sogar den Staat daran, seine Aufgaben wahrzunehmen.

Das ist für uns und die internationale Gemeinschaft eine große Sorge. Wir hoffen, dass es zu einer Entwaffnung der Milizen kommt, damit die Bevölkerung ihren Beschäftigungen wieder frei nachgehen kann.

missio: Welche sind die größten Hindernisse für eine Lösung des Konflikts?

Erzbischof Nzapalainga: Die Hindernisse haben meiner Meinung nach mit den vielen Waffen zu tun, die sich in den Händen vieler Menschen befinden. Wer über Waffen verfügt, kann davon Gebrauch machen. Damit verhindert man eine Lösung. Nach jedem Anschlag gibt es einen Wunsch nach Rache.

Die Menschen denken, dass es sich um einen Konflikt der Religionen – zwischen Muslimen und Christen - handelt. Doch das ist kein Religionskrieg. Und das ist ein weiteres Hindernis.

Man muss einen Ausweg finden, um dem anderen zu begegnen, um mit ihm zu diskutieren, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu etablieren. Doch man hat vor dem anderen Angst. Man will sich ihm nicht annähern. Und das ist ein Hindernis.

Je mehr man in seiner eigenen kleinen Ecke bleibt, desto weniger wird man vorwärts kommen. Doch wenn wir voneinander abgekapselt bleiben, dann wird sich nichts bewegen. Auch das ist ein Hindernis, das ich sehe: die Unwissenheit, der Analphabetismus. Die Unwissenheit blockiert und verhindert, dass wir eine zentralafrikanische Zukunft aufbauen können.

© privat

Spirale der Gewalt entfesselt

  • Immer wieder kommt es in der Zentralafrikanischen Republik zu Umstürzen, zuletzt im März 2013, als die mehrheitlich muslimische Rebellenmiliz Séléka den Präsidenten stürzte.
  • Seither liefert sie sich mit der mehrheitlich christlichen Anti-Balaka-Miliz blutige Kämpfe. Der Staat hat die Kontrolle über das Land verloren.
  • Eine neue Übergangsregierung unter der Leitung von Präsidentin Catherine Samba-Panzer gab Anfang 2014 zunächst neue Hoffnung. Doch die gewalttätigen Auseinandersetzungen halten an.
  • Der UN-Sicherheitsrat endsandte 10.000 Blauhelmsoldaten. Im August 2015 sind Wahlen geplant.
  • Der Konflikt forderte bislang mehrere Tausend Opfer. Fast eine Million Menschen sind auf der Flucht.

missio: Die Medien sprechen häufig von „Religionskriegen“ - was halten Sie davon?

Erzbischof Nzapalainga: Vielen Dank, dass Sie diese Frage stellen, weil sie mir die Gelegenheit gibt zu sagen, dass es kein Religionskrieg ist, sondern ein zentralafrikanischer Konflikt. Seit Beginn dieses Konflikts haben sich der Imam Omar Kobine Layama, der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft, der Präsident der Evangelischen Allianz, Nicolas Guerekoyame-Gbangou, und ich getroffen, um einen Appell und eine gemeinsame Erklärung auszuarbeiten, um die Taten oder Worte anzuprangern und zu verurteilen, die die Religion instrumentalisieren.

Heute kämpft man in Zentralafrika nicht um das Kreuz, nicht um die Bibel, nicht für den Koran. Man kämpft, weil man an die Bodenschätze heran will. Man kämpft, weil man an die Macht kommen will, weil man existieren möchte, weil man sich rächen möchte – für die Familienangehörigen, die getötet wurden.

Das sind alles Gründe, die nichts mit der Bibel oder dem Koran zu tun haben. In der Bibel und im Koran steht: Du sollst nicht töten. Und wir als religiöse Führer sind miteinander verbunden und bilden eine Einheit. Allen Politikern, die mit dem religiösen Fieber spielen, sagen wir: Nein, damit darf man nicht spielen.

missio: Sie haben gemeinsam mit weiteren religiösen Oberhäuptern eine Friedensinitiative ins Leben gerufen. Was haben Sie bisher erreicht?

Erzbischof Nzapalainga: Wenn es diese Plattform der religiösen – der muslimischen, protestantischen und katholischen - Bekenntnisse nicht gäbe, würde dieses Land in Flammen aufgehen. Schon oft haben mir Christen gesagt: „Herr Bischof, geben Sie uns doch die Anweisung, die Muslime anzugreifen!“ Ich sage ihnen: Nein. Das ist kein Religionskrieg. Die Muslime sind unsere Brüder. Wir haben immer zusammengelebt.

Wir haben, indem wir zusammenstehen, die Republik Zentralafrika gerettet. Es ist ein starkes Symbol, wenn alle religiösen Oberhäupter zusammenhalten. Denn wir haben erlebt, dass viele Politiker uns gebeten haben, im Namen des Landes zu sprechen – in Frankreich, in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien, in den Niederlanden, in Deutschland – wir sind in vielen Ländern gewesen.

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