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"Ein Land, das seiner Jugend den Rücken kehrt, das ist ein Land auf Abwegen. Ich muss für diese Kinder kämpfen. "

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missio: Es heißt, dass der Papst einen Besuch der Zentralafrikanischen Republik erwägt. Stimmt das? Könnte der Besuch des Papstes einen Friedensprozess in Gang bringen?

Erzbischof Nzapalainga: Ja, heute kann man sagen, dass Gott uns in unseren allertiefsten Nöten, dass er uns in unseren Zerreißproben nicht vergessen hat! Und Gott wird uns durch den Papst besuchen kommen. Der Besuch des Papstes ist ein Ausdruck der Zärtlichkeit Gottes – eines Vaters, der seine Kinder liebt, die auf die Probe gestellt werden und die er beraten und bestärken, denen er Zuversicht schenken wird

Dieser Besuch kommt für uns zur rechten Zeit, die wir denken, dass unser Land im Stich gelassen und vergessen wurde, dass es nicht mehr zu den anderen Ländern gehört. Bei diesen ganzen Kriegen, diesen Konflikten, die irgendwie überall sind, spricht man immer weniger mit uns. Der Papst wird sagen: Schaut, hier ist das kleinste Land, hier sind die Armen, hier ist das Elend, hier sind die Verlassenen, um die man sich kümmern müsste.

Und ich glaube, dass es eine gute Nachricht ist, dass der Papst zu uns kommt. Und wir und auch alle Zentralafrikaner können ihn mit offenen Armen empfangen. Und dann auch den Frieden.

Das ist vielleicht auch der Augenblick, um zum Weg der Liebe zurückzukehren, denn wir haben es nötig, uns zu lieben. Im Herzen der Zentralafrikaner fehlt es an Liebe.

missio: Was können die Europäische Union oder Deutschland tun, um bei der Lösung des Konflikts zu helfen?

Erzbischof Nzapalainga: Die Europäische Union und Deutschland müssen sich für die Zentralafrikanische Republik interessieren. Wenn man meint, die Konflikte seien um uns herum und Zentralafrika sei weit entfernt, dann täuscht man sich. Nein – Zentralafrika ist das Herz. Wir wissen sehr wohl, wofür das Herz steht. Wenn das Herz aufhört zu schlagen, tritt der Tod ein.

Wenn man nichts unternimmt, dann werden viele Leute, die das Land destabilisieren möchten, hierherkommen. Und das wäre dann ein Land, das niemand mehr kontrollieren könnte. Keiner hat ein Interesse daran.

Tausende Zentralafrikaner halten sich in den Nachbarländern auf. Wenn man da nichts unternimmt, dann werden sie den Status eines Flüchtlings beantragen und sagen: Ich werde nach Deutschland, Frankreich oder Italien gehen.

© missio / Bernd Weishaupt

Erzbischof Dieudonné Nzapalainga

  • Geb. 14. März 1967 in Mbomou, Zentralafrikanische Republik
  • 1993 trat Nzapalainga in die Ordensgemeinschaft der Spiritaner ein und legte 1997die ewige Profess ab.
  • 1998 empfing Nzapalainga das Sakrament der Priesterweihe.
  • 2009 Nzapalainga wurde zum Apostolischen Administrator von Bangui bestellt.
  • 2012 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Erzbischof von Bangui.
  • 2015 Erzbischof Dieudonné Nzapalainga und Imam Omar Kobine Layama erhalten den Aachener Friedenspreis

Der Erzbischof ist nicht nur ein Mann des Wortes, sondern auch der Tat. Als der muslimische Führer, Imam Layama, aufgrund der angespannten Sicherheitslage in Bangui nicht mehr in seinem Haus leben konnte, lud der Erzbischof ihn kurzerhand zu sich ein.

Fünf Monate wohnte der Imam mit seiner Familie bei Erzbischof Nzapalainga. Und rund 10.000 Flüchtlinge, Christen und Muslime, fanden Zuflucht auf dem kirchlichen Gelände der Kathedrale.

Und deshalb appelliere ich an Deutschland, dass es heute an der Zeit ist, uns dabei zu unterstützen, eine zentralafrikanische Armee aufzubauen, die nicht nur dem Namen nach existiert – durch die Bereitstellung von finanziellen Mitteln und Sachgütern. Es muss eine echte Verwaltung etabliert werden, das heißt, mit Büros, Fahrzeugen und mehr. Es ist Zeit, Personen mit den entsprechenden Fähigkeiten auszubilden, um eine echte Administration zu gewährleisten. Es muss darauf geachtet werden, dass es eine gute Regierungsführung gibt.

missio: Für den August 2015 sind in der Zentralafrikanischen Republik Wahlen geplant? Was erhoffen Sie sich von Europa?

Erzbischof Nzapalainga: Dass man uns auch bei der Vorbereitung der Wahlen unterstützt: dass sie frei, glaubwürdig und transparent stattfinden – denn das ist wichtig. Wir bereiten die Wahlen zurzeit in Bangui vor. Es ist wichtig, dass man hilft, damit entwaffnet werden kann. Die Wahlen sollten unter guten Bedingungen vorbereitetet werden. Wenn man das nicht gut organisiert, stehen wir mit der Gewalt wieder am Ausgangspunkt. Jeder soll seine Chance haben. Jeder kann um die Gunst des Wählers konkurrieren. Wenn er nicht gewählt wird, wird er eben nicht gewählt.

missio: Was bedeutet es für Sie persönlich, Ihren Glauben in dieser schwierigen Situation zu bezeugen?

Erzbischof Nzapalainga: Es ist für mich eine große Freude, meinen Glauben zu bezeugen, weil der Herr mich hier und nicht woanders will. Er hat mich in die Zentralafrikanische Republik eingepflanzt. Ich gehe in den Busch, wo sich die Anti-Balaka und die Séléka mit Waffen und Messern gegenüberstanden. Ich weiß, dass ich große Risiken auf mich nehme und dass ich eines Tages umkommen kann. Aber ich verschwinde dann nicht im Nichts. Es ist eine Entscheidung für das Leben – in der Nachfolge Christi, der sein Leben hingibt.

Das Evangelium ist nicht eine Geschichte von gestern, es ist eine Geschichte von heute. Man muss es mit dem Leben von heute erzählen. Wenn ich Kinder sehe, die oftmals im Stich gelassen wurden, dann sage ich: Ein Land, das seiner Jugend den Rücken kehrt, das ist ein Land auf Abwegen. Ich muss für diese Kinder kämpfen.

missio: Vielen Dank für das Interview.

Interview Seite 1

Das Interview führte Bettina Tiburzy.

Übersetzung von Katrin Krips-Schmidt.

Linktipp:

Videointerview mit Erzbischof Nzapalainga und Imam Layama anlässlich der Verleihung des Aachener Friedenspreises 2015 an sie

Erzbischof Nzapalainga aus Zentralafrika: "Gott will nicht, dass ihr tötet"
Länderübersicht Zentralafrikanische Republik

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