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China: Hoffnung auf Freiheit

5. Februar 2012

Vertreter der Hilfsorganisation Jinde Charities und des Verlags Faith Press berichteten am 30. Januar 2012 über ihre Arbeit und das Verhältnis zwischen Kirche und Staat in der Volksrepublik China.

Zwei chinesische Priester, Father John Ren Dahai und Father Joseph Li Rongping, berichteten missio von der aktuellen Situation ihrer Arbeit in ihrer Heimat China. Father Ren Dahai ist Direktor der katholischen Hilfsorganisation "Jinde Charities" und Father Li Rongping leitet den kirchlichen Zeitungsverlag "Faith Press". Trotz eines derzeit noch eingeschränkten Handlungsspielraums sehen die Geistlichen der Zukunft der katholischen Kirche in China und einer zunehmenden Freiheit zu zivilgesellschaftlichem Engagement optimistisch entgegen.

Besuch aus China von Jinde Charities und Faith Press.
v.l.n.r.: Frau Katharina Feith, Father Joseph Li Rongping, Margarethe Roßkopf (missio-Länderreferentin für China), P. Martin Welling SVD, Fr. John Ren Dahai © missio

Welche sind die Aufgaben von Jinde Charities und der Faith Press?

Fr. John Ren Dahai (Jinde Charities): Jinde Charities entwickelte sich stufenweise: 1997 wurde das Hilfswerk gegründet und ein Jahr später von der chinesischen Regierung anerkannt. 2006 wurde es als katholisches Sozialzentrum und 2011 als Stiftung registriert. „Anfangs haben wir uns für Soforthilfen in Notsituationen sowie für Stipendien und die Entwicklung ländlicher Gegenden eingesetzt. Inzwischen arbeiten wir in acht Projektbereichen. Glücklicherweise hat Jinde Charities internationale Partner wie missio. Aber auch innerhalb Chinas bekommen wir Unterstützung von Christen und Nichtchristen. Zudem treffen wir überall im Land auf Katholiken, die bereit sind, spontan einen Freiwilligendienst zu leisten“.

Fr. Joseph Li Rongping (Faith Press): Die Faith Press feierte letztes Jahr ihr » 20. Jubiläum. Ihr Gründer ist derselbe wie der von Jinde Charities: Fr. John Baptist Zhang Shijiang. Er rief die Faith Press 1991 ins Leben. Neben Büchern mit Glaubenszeugnissen veröffentlichen wir seit Beginn an eine Zeitung. Mittlerweile erscheint sie wöchentlich und wird in den Pfarrgemeinden verteilt. Gegenwärtig haben wir landesweit eine Auflage von 40.000 Exemplaren. Zudem pflegen wir eine Website mit vielen Materialien zum Downloaden. Auf diese Weise vermitteln wir den Menschen Glaubensinhalte und Nachrichten aus dem kirchlichen Bereich. Zudem gibt uns die Zeitschrift die Chance, zu Spenden aufzurufen, etwa für Jinde Charities.

Wie finanziert sich die Faith Press?

Fr. Joseph Li Rongping (Faith Press): Für den Internetauftritt erhalten wir keine finanzielle Unterstützung, sondern wir leben vom Verkauf unserer Bücher. Pro Jahr veröffentlichen wir etwa 15 Bücher (2011 z.B. zum Thema Liturgie und Inkulturation). Gebet- und Messbücher können Auflagen von bis zu 30.000 erreichen. Zudem veranstalten wir Konferenzen und Foren im Faith Institute for Cultural Studies. Interessierte aus ganz China kommen hier zusammen. 2010 ging es um das Thema „Berufung – Ausbildung“. Für Priesterseminaristen organisieren wir Kurse im Rahmen von Sommer-Camps. Dieses Jahr geht es um Formen des Gebets.

Mit welchen Schwierigkeiten sieht sich Jinde Charities konfrontiert?

Fr. John Ren Dahai (Jinde Charities): Erstens hat Jinde Charities hinsichtlich der Spendeneinnahmen Probleme, weil in China nur etwa 12 Millionen Katholiken leben und wir daher innerhalb der Kirche nicht auf ausreichend finanzielle Unterstützung setzen können. Zweitens stoßen wir mit unserer Arbeit nicht immer auf Verständnis. Viele Kirchenmitglieder verstehen nicht, dass wir Geld in die Gesellschaft investieren, während uns etwa für den Kirchenbau die notwendigen Mittel fehlen. Inzwischen sind sich die Menschen aber ihrer sozialen Verantwortung als Gläubige bewusster geworden. Drittens gibt es Schwierigkeiten im Zusammenhang mit den politischen Methoden in unserem Land: Als Chinas Fernsehsender CCTV vor drei Jahren über das Hochwasser berichtete und es um Spendenaufrufe ging, wurde ein Bericht nicht ausgestrahlt, weil es mit Jinde Charities eine katholische Organisation war, welche die Hilfe leistete.

Im Blick auf die katholische Kirche in China spricht man oft von zwei Lagern – einerseits von der offiziellen Kirche und andererseits von einem Teil, der eher im Untergrund wirkt. Wie positionieren sich Ihre Werke in dieser Hinsicht und wie sehen Sie die Beziehung zwischen den beiden Teilen?

Fr. Joseph Li Reng-Ping (Faith Press): Wir betrachten uns eher als Mittler, anstatt uns auf eine der beiden Seiten zu schlagen. Um gesetzmäßig handeln zu können, sind wir zwar in der offiziellen Kirche registriert, aber wir haben auch gute Freunde im sog. Untergrund. Zu unseren Konferenzen laden wir beide Seiten ein, um sie miteinander in Kontakt zu bringen. Auf diese Aussöhnung legt die Faith Press auch einen ihrer Schwerpunkte. Wir versuchen, in unseren Meldungen jeweils die Nächstenliebe, Evangelisierung und theologische Studien hervorzuheben, damit sich die Menschen über die vielen positiven Aspekte bewusst werden, anstatt nur das Negative zu sehen.

Fr. John Ren Dahai (Jinde Charities): Die Beziehung hat sich verbessert. Noch vor 20 Jahren prophezeiten vor allem die Mitglieder des Untergrunds den Gläubigen aus den offiziellen Gemeinden, dass ihnen die Hölle bevorstünde, wenn sie in die Kirche gingen. Heute hingegen gibt es Gegenden, wo beide Gemeinschaften die Heilige Messe in derselben Kirche feiern – wenn auch die eine Gruppe morgens und die andere abends.

Inwiefern können Ihre Einrichtungen unabhängig von der Regierung handeln und wie erleben Sie die Beziehung zwischen Kirche und Staat?

Fr. Joseph Li Reng-Ping (Faith Press): Während Jinde Charities relativ frei handeln kann, ist der Spielraum für die Faith Press sehr eingeschränkt. Jeder Bericht muss von der Regierung zensiert werden und erst dann können wir ihn veröffentlichen. Es gibt viele harte Diskussionen. Um nicht vollkommen kontrolliert zu werden, muss die Kirche auf gewisse Weise mit der Regierung kooperieren. China ist ein atheistisches Land. Deshalb ist es für die Kirche und die Bischöfe wichtig, die richtige Mischung von Distanz und Nähe zu finden.

Stehen zivilgesellschaftliche Akteure Ihrer Beobachtung zufolge heute stärker unter Druck als früher und welche Tendenzen sehen Sie diesbezüglich in der Zukunft?

Fr. John Ren Dahai (Jinde Charities): Nein, der Druck ist gleich geblieben. Jinde Charities hat in den 15 Jahren seines Bestehens größtenteils mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen. Was die Zukunft angeht, bin ich jedoch optimistisch, weil die Türen in China schon offen stehen. Und sobald eine Tür geöffnet ist, kann sie nicht mehr so leicht geschlossen werden. Dies betrifft besonders die öffentlichen Medien wie das Internet. Die Menschen sind informiert, auch wenn sie sich nicht offen zu den Themen äußern. Zudem erkennt man an den staatlichen Stiftungen, dass sich auch die Regierung für einen gesellschaftlichen Fortschritt einsetzt. Letztes Jahr organisierten einige dieser Stiftungen ein Forum in Peking, in dem über 200 Teilnehmer mit Regierungsbeamten diskutierten. Ich denke, nach und nach können wir immer mehr Freiheit erlangen.

Fr. Joseph Li Rongping (Faith Press): Wir müssen vor allem bei uns selbst in der örtlichen Pfarrgemeinde anfangen, das Bewusstsein für soziale Verantwortung zu stärken, indem wir selbst stärker zu einer Familie zusammenwachsen und gemeinsam unsere Stimme erheben. Doch es tut sich etwas. So wurde z.B. ein weltweit beachtetes Ereignis, bei dem ein Kind bei einem Autounfall mehrfach überfahren wurde und niemand half, offen und kontrovers diskutiert. Es wurde angemerkt, dass es in China an einer entsprechenden Zivilcourage mangelt, einer Tugend, die eigentlich unabhängig von der Religionszugehörigkeit für jeden gelten müsste. Hier müssen wir als Kirche in der Bevölkerung das Bewusstsein für solche sozialen Probleme wecken. Dafür macht sich die Faith Press stark.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Caroline Johnen.

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