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Indien: Alle 20 Minuten wird eine Frau vergewaltigt

Schwester Julie George SSpS © privat

7. Januar 2013

Die Steyler Missionsschwester Julie George SSpS vertritt Opfer sexueller Gewalt als Rechtsanwältin vor Gericht. Zum Fall der vergewaltigten und verstorbenen 23-jährigen Studentin in Delhi sagt sie: „Wir stehen in Indien an einem Wendepunkt.“

Schwester Julie George SSpS, Rechtsanwältin und katholische Steyler Missionsschwester, vertritt in Indien insbesondere arme Menschen, Frauen und Opfer sexueller Gewalt vor Gericht. Mit anderen Missionsschwestern, die auch Juristinnen sind, unterhält sie in der Diözese Pune das Netzwerk „Sister Advocates“. Besondere juristische Einsätze hatten die Schwestern 2008 nach Angriffen auf Christen in Orissa, wobei Vergewaltigungen gezielt als Waffe eingesetzt worden waren. Sr. Julie George SSpS leitet zudem das Projekt „Streevani“ – zu Deutsch: „Stimme der Frauen“ –, das katholische Ordensfrauen und Laien befähigen und ermutigen will, sich für Geschlechtergerechtigkeit in Indiens Gesellschaft und Kirche einzusetzen. Zusammen mit der Initiative „Majlis“ in Mumbai begleitet „Streevani“ dabei auch Überlebende von Vergewaltigungen. Das Internationale Katholische Missionswerk missio in Aachen unterstützt das Projekt „Streevani“. Johannes Seibel von missio in Aachen hat Sr. Julie George SSpS zum Fall der vergewaltigten und verstorbenen 23-jährigen Studentin in Indien, der derzeit weltweit für Aufsehen sorgt, vier Fragen gestellt. An den Protesten gegen sexuelle Gewalt in Indien beteiligt sich neben anderen christlichen Organisationen auch das Frauenbüro der Indischen Bischofskonferenz.

Nach der Gruppenvergewaltigung und dem Tod einer 23-jährigen Studentin in Indiens Hauptstadt Delhi scheint das Land an einem Wendepunkt im Kampf um Frauenrechte und gegen alltägliche sexuelle Gewalt zu stehen – dieser Kampf wird ernstgenommen, die mutmaßlichen Vergewaltiger sind angeklagt, die Proteste klingen nicht ab. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Ja, wir stehen an einem Wendepunkt. Diese brutale Gruppenvergewaltigung der 23-jährigen Frau in unserer Hauptstadt Delhi hat unsere Nation aufgerüttelt. Sie ist bestürzt über dieses schreckliche und verstörende Phänomen der Verbrechen gegenüber Frauen und das Versagen der Justiz. Laut den jüngsten Regierungsstatistiken wird in Indien alle zwanzig Minuten eine Frau vergewaltigt. Und obwohl die Zahl der Fälle sexueller Gewalt steigt, ist die Zahl der Verurteilungen rückläufig. Schon in den 1980er-Jahren hatte die Vergewaltigung eines 16-jährigen Mädchens durch mehrere Polizisten, die freigesprochen worden waren – der sogenannte Fall Tukaram gegen den Bundesstaat von Maharashtra – zu einer landesweiten Kampagne von Frauenrechtsorganisationen geführt, die Änderungen in der Gesetzgebung bezüglich Vergewaltigungen bewirkten; dies wiederholt sich jetzt. Wir sind jetzt auf grausame Weise daran erinnert worden, in welchem kritischen Zustand unsere Gesellschaft sich befindet, wir müssen dies schnell und wirksam ändern.

Wie kritisch ist der Zustand denn?

Vergewaltigung ist eine extreme Form der Geschlechtergewalt. Das muss dringend eingedämmt werden – und ist auch eine Frage, wo und warum in der indischen Gesellschaft Menschen an den Rand gedrängt werden und wie Macht verteilt ist. Jeder vernünftig denkende Mensch in Indien hat Angst um die Sicherheit seiner Tochter, jede Frau um ihre eigene Sicherheit. Ja, Kinderrechtsaktivisten in Indien gehen sogar davon aus, dass nicht allein Frauen, sondern auch kleine und manchmal sogar neugeborene Mädchen sexuell missbraucht werden. Jetzt endlich denkt die Regierung ernsthaft über Vorbeugung und umgehende Strafverfolgung nach, um Frauen zu schützen. Ganz klar: Sobald das Volk geschlossen mit voller Kraft und Entschlossenheit seine Stimme erhebt, kann dies die Regierung nicht mehr ignorieren.

Es gibt Politiker in Indien, die verharmlosen das Problem der sexuellen Gewalt noch immer. Macht Sie das nicht wütend?

Ich ziehe meinen Hut vor der Zivilcourage des Freundes und der Familie der zu Tode gekommenen 23-jährigen jungen Frau in Delhi, die den Fall hartnäckig an die Öffentlichkeit bringen und Gerechtigkeit einfordern. Das indische Volk, insbesondere die Frauen verstehen allmählich, dass Gewalt gegen Frauen ein weit verbreitetes Übel in unserer Gesellschaft ist und es höchste Zeit wurde, sich dagegen zu wehren. Keine Art von Übergriffen gegenüber Frauen in Indien darf länger toleriert werden, sonst werden unsere Frauen und Kinder niemals in Sicherheit leben können. Überall in Indien werden Frauenrechte verletzt. Aber immer noch gibt es Politiker, die das verharmlosen und behaupten, solche Vergewaltigungen gäbe es ja nur in Großstädten oder dass die Frauen daran selbst schuld seien, weil sie sich aufreizend anzögen. Mit solchen falschen und dummen Behauptungen muss jetzt Schluss sein. Solche Verbrechen nämlich sind auf dem Land gleichermaßen weitverbreitet wie in der Stadt. Allein in Pune, wo wir leben, sind 2011 im ländlichen Raum 87 Fälle von Vergewaltigung gemeldet worden – gegenüber 79 Fällen in der Stadt Pune selbst. Auf dem Land sind die patriarchalischen Strukturen einfach so tief ins Bewusstsein der Menschen eingebrannt, dass die Frauen sich aus Gründen der Familienehre überhaupt nicht trauen, nach sexuellen Übergriffen oder Vergewaltigungen damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Sie sind Ordensschwester und Rechtsanwältin – was macht es in Indien eigentlich so schwierig, Mädchen und Frauen zu helfen, die sexuell missbraucht oder vergewaltigt wurden?

Die Hauptschwierigkeit besteht darin, diese Fälle bei der Polizei überhaupt erst anzeigen zu können. Bis ein Fall aufgenommen wird, vergeht meist so viel Zeit, dass keine Beweisaufnahme mehr möglich ist. Zudem fürchten viele Familien, stigmatisiert zu werden und die Zukunft der betroffenen Mädchen aufs Spiel zu setzen, wenn sie Vergewaltigungen anzeigen. Vergewaltigungsprozesse sind schwer aus- und durchzuhalten. Das Desinteresse von Polizei und Regierung sind schon erschreckend.

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